AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Susanne Reindl-Krauskopf im Interview"Dinge, die es eigentlich nicht geben sollte"

Die Leiterin der Sonderkommission Susanne Reindl-Krauskopf über Mängel bei der medizinischen Versorgung und Grenzen ihrer Arbeit. Der Endbericht soll im Spätherbst vorliegen.

++ ARCHIVBILD ++ REINDL-KRAUSKOPF
Susanne Reindl-Krauskopf © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Seit Juni leitet die Vorständin des Instituts für Strafrecht und Kriminologie der Uni Wien, Susanne Reindl-Krauskopf, die Sonderkommission zur Klärung der Vorwürfe gegen die Wiener Ballettakademie. Am Dienstag legte diese einen Zwischenbericht vor. Im APA-Gespräch erläuterte Reindl-Krauskopf die Kommissionsarbeit sowie ortete "Dinge, die es in so einer großen Organisation nicht geben sollte".

Was ist eigentlich die Aufgabe der Kommission zur Ballettakademie, wo sind ihre Grenzen bzw. was soll am Ende der Untersuchung stehen?

Reindl-Krauskopf: Ausgangspunkt war die Berichterstattung vom April im "Falter", wo präzise Vorwürfe zu Unterrichtsmethoden und Übergriffen auf Ballettschülerinnen bzw. Ballettschüler erhoben wurden und insbesondere auch, dass man nicht wertschätzend mit den Schülern umgeht - Stichwort Bodyshaming und Essstörungen. Daraus folgt auch die Zielsetzung. Wir gehen diesen Vorwürfen nach, wollen aber auch darüber hinaus blicken und Ursachenforschung betreiben. Letztlich geht es um die Untersuchung von Prozessen, Strukturmanagement und Qualitätssicherung bzw. auch darum, ein modernes Curriculum zu entwickeln. Was wir aber nicht leisten können, ist, strafrechtliche Vorwürfe aufzuarbeiten - dafür gibt es eine klare Zuständigkeit von Staatsanwaltschaft bzw. Gerichten. Gleiches gilt auch für den arbeitsrechtlichen Bereich: Es gab ja Vorwürfe, dass Kinder an Aufführungen mitwirken müssen/sollen/dürfen - das ist ja immer eine Frage des Standpunkts. Wir sind nicht mit behördlichen oder gerichtlichen Befugnissen ausgestattet, es gibt auch keine Wahrheitspflicht bei den Aussagen. Wir sind auf die freiwillige Kooperation der Auskunftspersonen, etwa auch bei der Übermittlung von Unterlagen angewiesen.

Heißt das, dass am Ende keine personellen Verantwortlichkeiten stehen, sondern vor allem organisatorische Fragen angesprochen werden?

Reindl-Krauskopf: Der Schwerpunkt liegt im Bereich des Prozess- und Strukturmanagement. Ich schließe aber nicht aus, dass wir in der Lage sein werden, auch personelle Verantwortlichkeiten zumindest zu umreißen.

Im Zwischenbericht werden vor allem organisatorische Probleme im Bereich der Ballettakademie geschildert.

Reindl-Krauskopf: Für uns war sehr spannend, dass wir von den bisherigen Auskunftspersonen sehr widersprüchliche Aussagen bezüglich der medialen Vorwürfe gehört haben. Was aber aus beiden Lagern kam, sind genau diese strukturellen Probleme. Selbst die Personen, die sehr positiv gegenüber der Ballettakademie gestimmt sind, haben erkennen lassen, dass es etwa keine klaren Verantwortlichkeiten für Entscheidungen gibt. Es gibt keinen strukturierten Prozess, wie man mit Beschwerden von Kindern bzw. Eltern umgeht. Das sind Dinge, die es in so einer großen Organisation eigentlich nicht geben sollte. Besonders heikel sind auch fehlende Strukturen zur Auswahl von Pädagoginnen und Pädagogen. Da scheint es kein qualitätsgesichertes Auswahlverfahren zu geben. Es gibt keine Aufzeichnungen, nach welchen Kriterien im Einzelfall ausgesucht wird.

Bleiben wir bei Strukturproblemen: Im Bericht angesprochen wird auch die Zusammenarbeit mit dem Gymnasium in der Boerhaavegasse, wo Schüler trotz guter schulischer Leistung die Schule verlassen müssen, wenn sie in der Ballettakademie scheitern.

Reindl-Krauskopf: Das ist ein Punkt, den weder Schule noch Akademie allein lösen können. Das läuft als Schulversuch, weil man ein Programm zusammenstellen muss, um öffentliche Schul- und Tanzausbildung unter einen Hut bringen zu können. Das Problem sind allerdings fehlende Ausstiegsszenarien. Derzeit führt das Ausscheiden aus der Ballettakademie, etwa mangels erfolgreich absolvierter Jahresprüfung, auch zwingend zu einem Ausscheiden aus der öffentlichen Schule. Das stellt die Kinder und Jugendlichen vor das Problem, plötzlich einen Platz an einer anderen Schule finden zu müssen, was mit Schwierigkeiten verbunden ist und den Abschluss der Schulausbildung gefährden kann. Da bräuchte es Unterstützung von den Schulbehörden, um den Schulversuch anzupassen bzw. die Schüler bei einem Umstieg zu unterstützen. Die begleitende Schulausbildung hält den Ballettschülern die Möglichkeit einer akademischen Weiterbildung offen und muss unbedingt erhalten werden. Aber der Schulversuch muss entsprechend adaptiert und für die Kinder und Jugendlichen verbessert werden.

Im Bericht wird auch moniert, dass es an der Akademie nur eine Ärztin gibt, die medizinisch-therapeutische Versorgung nicht ausreichend ist. Welche Verbesserungen würden Ihnen vorschweben bzw. gibt es Vorbilder?

Reindl-Krauskopf: Vorbilder gäbe es durchaus: An internationalen Tanz-Ausbildungsstätten gibt es durchaus Begleitung durch Ernährungsberater, Physiotherapeuten etc., aber auch in Österreich existieren Modelle. Man müsste sie nur auf den Tanzbereich umlegen. Jede professionelle Spitzensportausbildung kennt so etwas. Da gibt es je nach Sportart Ernährungsberatung, Masseure, Physiotherapeuten oder Diätberater. Es kann ja auch ein Skisportler nicht jederzeit alles essen, worauf er gerade Lust hat, um es salopp zu sagen. Auch wenn es manche nicht so gerne hören: Es geht hier um Kinder, um heranwachsende Kinder, bei denen sich der Körperbau und auch das Körperbewusstsein verändern. Hier geht es auch nicht um freizeitmäßiges Ballett, um die Haltung zu verändern, sondern um Ballett als Hochleistungssport. Da braucht es professionelle Unterstützung, etwa im Bereich der Physiotherapie. Warum muss man warten, bis beim Training etwas passiert, bis die ärztliche Unterstützung da ist?

Wie weit sind Sie am Weg zum Abschlussbericht?

Reindl-Krauskopf: Ich würde sagen, wir sind ziemlich in der Mitte. Wir haben die nächste Sitzung im September geplant, fixe Termine mit Auskunftspersonen ausgemacht und werden weitere Unterlagen bekommen. Die Staatsoper hat auch schon die Überarbeitung von Konzepten angekündigt, die wir uns auch ansehen werden. Der Endbericht wird voraussichtlich im Spätherbst fertig sein. Unabhängig von unserer Arbeit können sich Betroffene auch im Sommer an unsere Clearingstelle wenden.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.