AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Rap trifft RockRAF Camora am Nova Rock: Mit weiblicher Dominanz und keinen Platz für Regeln

So richtig zünden wollte das Feuer gestern nicht: Gemeinsam mit Bonez MC brachte RAF Camora die Stimmung am Nova lediglich zum Köcheln. Im Publikum: vorwiegend Frauen.

Raf Camora mit Rap-Kollege Bonez MC
Raf Camora mit Rap-Kollege Bonez MC © APA/HERBERT P. OCZERET
 

Dass es nicht West-Wien ist und das Publikum Fünfhaus nur vom Stadtplan kennt, haben gestern Abend RAF Camora und Bonez MC bei ihrem Auftritt am Nova Rock Festival zu spüren bekommen. "Wo ist die Energie?" wollte Camora immer wieder wissen, zwar kam von den Besuchern Widerhall zurück, der jedoch mehr oder weniger geräuscharm. Vergangene Woche Rock im Park, gestern Nova: ganz so klar war es dem Rapper selbst nicht, was er dort zu suchen hatte. Auf Instagram schrieb er: "Alles Rocker und wir."

Nichtsdestotrotz: Bei knapp einer Viertelmillion Besucher – mit Spitzenzahlen am Wochenende – war es kein Zufall, dass das Rap-Duo (das im Dezember eine Show in der Grazer Stadthalle spielen wird) zur Primetime auf die Bühne durfte. Immer vielfältiger wird das Musikangebot auf Festivals, das zeigt sich auch beim diesjährigen Nova. Auch wenn die dortigen, eingefleischten Rocker abseits des Genres nur wenig Toleranz zeigten, Camora tat es: "Wir respektieren jede Musikrichtung, Bombe, dass ihr da seid, 'beste Leben'".

Hoher Frauenanteil

Textsicher und rhythmisch in Bewegung waren vor allem die Frauen am Konzert. Vereinzelt oder in Kleingruppen: die weiblichen Besucherinnen dominierten gestern Abend. Ob es an der ungekünstelten Erscheinung des Wiener Rappers liegt – das Baseball Cap verkehrt herum, bekleidet mit Trikot und Jogginghose – oder tatsächlich am beschränkten sprachlichen Repertoire seiner Lieder. Die Attribute, die Camora in seinen Texten Frauen gibt, haben zumindest die anwesenden überhört, dafür aber mitgesungen: zu "Nummer unterdrückt" und "Kontrollieren".

Dass Frauenfeindlichkeit als Kunstfreiheit toleriert wird, schien kaum zu stören. Null Toleranz jedoch haben die Veranstalter bei "unsittlichem oder sexistischem Verhalten". Aufgrund von Meldungen und Vorfällen vergangener Jahre wurde heuer ein eigener Bereich nur für Camperinnen eingerichtet. Selma und Jana, beide 17, fühlen sich auf dem "grrrls-Camping" sicher. Nova ist für sie kein Neuland, davor gecampt haben sie jedoch nicht. "Es ist viel ruhiger hier und die Nachbarn total angenehm", sagt Jana. Bei Selma waren es ihre Eltern, die sie dazu überredet hatten: "Zuerst wollten nur Mama und Papa dass ich hier schlafe, jetzt würde ich selbst wiederkommen." Blickt man in die Zelte sind es im Grunde kleinere Gruppen von jungen Mädchen, die sich für den Girls-Only-Bereich entschieden haben. Voll belegt ist der Platz aber nicht: "Gerechnet haben wir mit 1500 Anmeldungen, geworden sind es knapp 500", meint Ewald Tatar von Nova Rock. Sicher ist aber, dass der Campingplatz auch nächstes Jahr kommen wird. Gesellschaftliche Regeln sollen befolgt und Sicherheit gewährleistet werden, heißt es auf der Nova Rock-Homepage.

Auf Regeln gepfiffen hat zu guter Letzt doch noch jemand: RAF Camora. Trotz des Spielverbots von "Beste Leben" performte der Künstler den finalen Song in voller Länge: inklusive dem umstrittenen Intro von Sänger Stromae. Nach knapp einer Stunde war der Sprachsang des Duos dann auch zu Ende, die mutterschänderischen Kraftausdrücke gesagt und am Gelände wieder alles andere als Ruhe eingekehrt.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren