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Bedrohtes Weltkulturerbe

Ruinenstadt Palmyra: Nun drohen Raubgrabungen

Gute Nachricht: Trotz heftiger Zerstörungen bleibt der Charakter der antiken syrischen Wüstenstadt Palmyra nach Expertenschätzung für die Nachwelt erhalten - falls Plünderer in Schach gehalten werden können.

© APA (AFP)
 

"Die archäologische Stätte von Palmyra ist in großen Teilen intakt und authentisch geblieben", resümieren die UNESCO-Experten. Das Team dokumentiert aber auch erhebliche Schäden, welche die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) den Kulturgütern zugefügt hatte.

Im Museum von Palmyra hätten es die Dschihadisten vor allem auf die Zerstörung großer Statuen und Sarkophage abgesehen, die nicht zum Abtransport geeignet waren. Viele Standbilder seien enthauptet oder komplett zertrümmert worden; die Sicherung der Fragmente sei bereits angelaufen.

Allerdings zeigt eine aktuelle Expertentagung in Wien: In Syrien, wo nun schon seit fünf Jahren Bürgerkrieg herrscht, gibt es eine dramatische Zunahme von Raubgrabungen durch bewaffnete Plünderer.Das berichtete der Direktor der Antikenverwaltung Syriens, Maamoun Abdulkarim, in einer Videobotschaft. Die Plünderer würden gemeinsam mit hunderten angeheuerten Helfern mit Waffengewalt Kulturerbe entwenden, Antiquitäten-Experten aus dem Ausland würden ihnen die besten Stellen für ihre illegalen Grabungen aufzeigen.

In Trümmern

Auf dem Ruinenfeld von Palmyra ist die berühmte Säulen-Kolonnade weitgehend intakt. Der Triumphbogen und der Baal-Schamin-Tempel liegen indes in Trümmern. Die UNESCO kündigte dringende Maßnahmen zur Sicherung und Rettung der Kulturgüter an.

Im Kampf gegen den Schmuggel antiker Kunstschätze wird auf internationale Kooperation gesetzt. Dabei konnte die
Antikenverwaltung im Libanon wiederholt illegal ins Land gebrachte Kulturgüter konfiszieren und wieder an die Verwaltung in Damaskus übergeben. Dasselbe gilt für gestohlene Antiken aus dem Irak. Neben dem Libanon sind auch die Türkei und Jordanien wichtige Transitländer beim Schmuggel illegaler Antiquitäten, berichtete der
UNESCO-Experte Giovanni Boccardi in Wien. Über mit kriminellen Organisationen vernetzte Händler, die etwa falsche Zertifikate für die Kulturgüter auftrieben, landen diese dann in Europa, Nordamerika, in den Golfstaaten oder im Fernen Osten.

Planierraupen

Nun hoffen die Wissenschaftler, dass die betroffenen Regionen durch Schulungen oder Finanzhilfen, Aufklärungskampagnen und eine Verstärkung des Kampf gegen illegalen Antiquitätenhandel international unterstützt werden.

Erst am Ostersonntag hatten syrische Regierungstruppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe Palmyra wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Der IS hatte die Stadt im Mai 2015 erobert. Die Terrormiliz setzte bei ihren Zerstörungen unter anderem Planierraupen ein. 

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