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Forschung aus Kärnten - PHDie Tücken der neuen Geschichtematura

Seit 2015 wird das Fach Geschichte nach dem Kompetenzmodell abgeprüft. Eine jetzt veröffentlichte Studie zeigt die Schwächen der neuen Methode auf und liefert Verbesserungsvorschläge.

Das Fach Geschichte und Politische Bildung deckt ein umfangreiches Themenspektrum ab
Das Fach Geschichte und Politische Bildung deckt ein umfangreiches Themenspektrum ab © Vertigo Signs - stock.adobe.com
 

Von der Französischen Revolution über die Emanzipationsbewegungen der Frauen bis hin zu den Globalisierungsprozessen am Beispiel Chinas – die thematische Bandbreite der AHS-Matura in Geschichte war 2015 enorm. Gleichzeitig schrieb diese Reifeprüfung auch selbst Geschichte: Sie wurde zum ersten Mal nach den Vorgaben des kompetenzorientierten Unterrichts abgehalten.

Diese Premiere bedeutete nicht nur für die Maturanten eine Herausforderung, sondern auch für die Prüfer selbst. „Die Aufgaben der Geschichtematura waren nicht zentral vorgegeben, sondern mussten von den Lehrern selbst nach dem Kompetenzrahmen erstellt werden. Das gelang noch nicht besonders gut“, sagt Christian Pichler.

Der Geschichtsdidaktiker lehrt an der PH Kärnten und hat für sein Habilitationsprojekt die erste Geschichtematura nach neuen Leitlinien intensiv beforscht. Sein Fazit: „Das Ergebnis ist enttäuschend. Es zeigt im Grunde eine altbackene Reifeprüfung in neuem Gewand. Die Lehrer haben sich zwar bemüht, den formalen Anforderungen zu folgen, lieferten dabei aber Aufgabenstellungen ab, die nicht dem didaktischen Geist von Kompetenzorientierung entsprochen haben.“ Pichler fügt hinzu, dass damit kein Urteil über den vorangegangenen Unterricht verbunden sei.

Eine altbackene Reifeprüfung in neuem Gewand – die Matura 2015 entsprach nicht dem Geist der Kompetenzorientierung.

Christian Pichler

 Christian Pichler
Christian Pichler ©

Das Ziel der neuen Matura, nicht bloß Faktenwissen zu erheben, sondern die Schüler zum eigenständigen Denken anzuregen, ist dem Forscher zufolge allerdings nicht erreicht worden. Das betreffe sowohl die Art der Aufgabenstellungen als auch die der Antworten der Maturanten: „Gering entwickelt war ihre Orientierungskompetenz. Sie haben meist Einstellungen wiedergegeben, von denen sie angenommen haben, dass sie erwartet werden. Dabei hätten sie eigene Denkansätze durch die Erarbeitung der Themen entwickeln sollen“, sagt Pichler. Die Anforderungen an die Maturanten seien hoch, räumt er ein – auch bei der Sachkompetenz, wo es um das Faktenwissen gehe. Die Entwickler der neuen Matura hätten zu hohe Erwartungen an den Unterricht gestellt, viele davon waren in der Schulpraxis nicht zu erreichen.

Verbesserungsvorschläge

Verbesserungen schlägt Pichler daher für die künftigen Reifeprüfungen vor: Aufgabenstellungen brauchen einen durchgehenden roten Faden, Maturanten sollen frei sprechen dürfen und nicht von den Prüfern unterbrochen werden. „Die Lehrer sollten sich passiver verhalten und die Schüler ausreden lassen. Nur so können die Ziele des Unterrichts sichtbar gemacht werden“, so Pichler.

Eckdaten zur Studie

Empirische Untersuchung zum kompetenzorientierten Prüfungsmodus: Christian Pichler wertete 30 Maturaprüfungen im Fach Geschichte an Kärntner AHS im Jahr 2015 aus. Das Ergebnis wurde als Teil seiner Habilitationsschrift an der Paris-Lodron-Universität veröffentlicht. Der Band ist Teil der Österreichischen Beiträge zur Geschichtsdidaktik (Studienverlag).

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