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Arbeitsmedizinerin"Niemand sollte krank in die Arbeit gehen"

Vom Homeoffice zurück ins Büro. Arbeitsmedizinerin Eva Höltl erklärt, wie man Mitarbeitern die Angst nimmt und worauf nun alle besonders achtgeben müssen.

 

Viele fragen sich: Kann man beruhigt in große Büroräume zurückkehren?
EVA Höltl: Ich glaube, dass es grundsätzlich möglich sein wird. Aber idealerweise mit einem guten Konzept zum Infektionsschutz. Es gilt noch immer Abstand halten, Handhygiene, lüften, lüften, lüften und was besonders wichtig ist – niemand sollte krank in die Arbeit gehen, auch wenn er „nur“ Halsweh oder Husten hat. Auch ein schnelles Identifizieren von Kontaktpersonen muss sichergestellt sein, damit es im Fall einer Erkrankung nicht zu Infektionsketten im Unternehmen kommt.

Zur Person

Eva Höltl leitet den wissenschaftlichen Beiratder österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention und das Gesundheitszentrum der Erste Bank AG.

Wie kann man Mitarbeitern die Angst nehmen?
Ich halte es für wichtig, Mitarbeiter regelmäßig und aktiv über relevante Tatsachen zu informieren. Es gibt zum Thema Covid eine Informationsflut, aber die zentralen Botschaften – wie funktioniert Ansteckung, was wissen wir über die Inkubationszeit, ab wann ist ein Erkrankter ansteckend – helfen ungemein, diffuse Ängste zu nehmen und zeigen, dass man sich als Firma Gedanken gemacht hat. Das stärkt das Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter. Welche Veränderungen aus der Coronakrise werden uns neben Handhygiene und Abstand halten erhalten bleiben?
Ein großer Lerneffekt ist, dass Homeoffice erstaunlich gut funktioniert. Abertausende Arbeitnehmer haben eine sehr hohe Lernkurve hingelegt und Unternehmen haben gesehen, dass es möglich ist. Ich glaube, dass die allerspannendste Frage sein wird, wie man einen Mix aus Homeoffice und Büroarbeit in Zukunft gestalten wird.Warum?
Es wird nicht die Lösung sein, Mitarbeitern nun statt einmal im Monat, zwei Mal in der Woche Homeoffice zuzugestehen. Ich denke, die Frage für welche Mitarbeiter und vor allem für welche Tätigkeiten Homeoffice eine geeignete Arbeitsform ist, ist keine einfache. Wir haben in den letzten Monaten Mitarbeiter, die sich am Arbeitsplatz kennengelernt haben und zu Teams wurden, ins Homeoffice geschickt. Und der Teamgeist, der vorher aufgebaut wurde, hat vielerorts auch im Homeoffice gut funktioniert. Einander kurzfristig und informell weiterhelfen, füreinander einstehen, neue Kollegen einschulen – das sind informelle Beziehungen von denen wir jetzt leben. Die Vorstellung, dass Menschen viel oder ihre überwiegende Arbeitszeit im Homeoffice verbringen, wirft viele Fragen auf: Etwa die des Teambuildings, was bedeutet das für Führungskräfte, aber auch wie Weiterentwicklung und Karriere möglich werden, wenn man im Homeoffice sitzt?

Wo sehen Sie weitere Herausforderungen?
Wir wissen aus Forschungen zum Thema Digitalisierung, dass es Einflüsse gibt, die als belastend wahrgenommen werden, die sich auch aufs Homeoffice umlegen lassen. Zum Beispiel: Interdependenz. Bei Jobs, die einen hohen Abstimmungsbedarf haben, ist es um einiges anspruchsvoller, die Arbeit im Homeoffice ohne Qualitätsverlust, zu organisieren.

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