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Sommergespräch aus VölkermarktMartin Micheu: "So etwas kann nur ein Wahnsinniger machen"

Bürgermeisterkandidatur, Suspendierung als Finanzbeamter, die Umsiedlung des Vereins nach Klagenfurt. Martin Micheu, Sportdirektor des SK Aich/Dob, hat viel zu erzählen.

Ein Leben für den Volleyballsport. Martin Micheu ist seit 31 Jahren für den SK Aich/Dob unterwegs © Weichselbraun
 

Stimmt es, dass die Taferlklassler in Bleiburg einen Volleyball statt einer Schultüte bekommen?
MARTIN MICHEU: Wäre durchaus eine Überlegung wert. Wir haben mit dem Volleyball in Bleiburg bei Null angefangen, haben jetzt weit über 100 Kinder und zwölf Mannschaften, gewannen heuer zwei Mal Gold im Nachwuchs. Da bewegt sich doch einiges.

Sie haben Aich/Dob mit ihrem Volleyballklub europaweit bekannt gemacht. Seit Jahren liest man von dem 160-Einwohner-Ort. Stimmt diese Zahl noch?
Ja. Die halten wir konstant bei 160 bis 170. Was bei unseren europäischen Konkurrenten aus Russland aber schon für ungläubiges Kopfschütteln gesorgt hat.

Erzählen Sie uns davon.
In der Champions League 2013 wurde uns Titelverteidiger Nowosibirsk zugelost. Der Manager der Russen fragte: „What is Aich/Dob?“ Ich antwortete nur: „A big city. 160 people.“ Der Russe fragte nochmals nach: „160...thousand.“ Ich erwiderte: „No. 160.“ Sein Gesicht hätten Sie sehen sollen. Drei Monate später haben wir sie in Klagenfurt besiegt und damit Sportgeschichte geschrieben.

Martin Micheu (rechts) im Gespräch mit Redakteur Albin Tilli Foto © Weichselbraun

Der SK Aich/Dob brachte damals 2000 Fans in den Sportpark. Haben Sie je überlegt, den Verein nach Klagenfurt zu übersiedeln?
Nein. Aich/Dob ist Europas größes Sportwunder. Wir sind seit 20 Jahren durchgehend im Europacup vertreten. Weil wir in Bleiburg ein super Publikum, super Stimmung, eine super Halle haben. Aber wahrscheinlich wäre es für uns als Klagenfurter leichter. Uns versucht man oft, ein Haxerl zu stellen.

Was mit der Person Martin Micheu zu tun hat, die polarisiert?
Ich red’ nicht hinterm Rücken herum, sag’ jedem die Wahrheit ins Gesicht. Dadurch ecke ich oft an. Aber so bin ich nun einmal. Ich arbeite seit 31 Jahren im Verein. Ehrenamtlich. Tag und Nacht. So etwas kann nur ein Wahnsinniger machen.

Zur Person

Name: Martin Micheu
Alter: 48
Wohnort: Aich/Dob
Im Verein seit: 31 Jahren, als Spieler, Trainer und Sportdirektor
Familie: Lebensgefährtin Brigitte, Söhne Lukas (12), Jonas (10) und Leon (6)
Hobbys: Tennis, Wandern, Fußball, Sportveranstaltungen besuchen

Ihre Arbeit für den Verein brachte Sie auch vor Gericht?
Mir wurde vorgeworfen, mich zu bereichern. Der Neid der Menschen ist schlimm, die Belastung war riesengroß. Ich wurde durch den Dreck gezogen, erlebte viele persönliche Enttäuschungen. Solche Dinge vergisst man nicht im Leben. Obwohl ich in allen Punkten freigesprochen wurde, bin ich dennoch seit sieben Jahren als Finanzbeamter suspendiert. Ich würde gerne wieder arbeiten.

Was macht Martin Micheu, wenn er vom Volleyball genug haben sollte: Faschingskanzler? Wiesenmarkt-Beauftragter? Bürgermeisterkandidat?
Dafür brauch’ ich nicht mehr zu kandidieren. Wenn wir mit dem Volleyballklub in Österreich unterwegs sind, werde ich oft als „Bürgermeister“ angesprochen. Viele glauben, Aich/Dob wäre eine eigene Gemeinde und ich deren Oberhaupt.

Österreichweit wollen die Fans aber nicht nur den SK Aich/Dob sehen, sondern auch Ausraster seines Sportdirektors?
Das stimmt tatsächlich. In Zwettl beispielsweise freuen sie sich immer auf mich. Und das nur, weil ich in meinem Ärger einen Tisch umgeworfen habe. Heuer im Finale, als wir Meister wurden, stand eine Ärztin neben mir. Sie meinte: „Nur für den Fall einer Herzattacke.“

Wer Sie kennt, der weiß: Die Spieler bringen Sie oftmals zur Weißglut, nicht nur wegen ihrer sportlicher Leistung.
Unvorstellbar, was man im Laufe der Zeit erlebt. Da kommen zwei Meter große, durchtrainierte Muskelberge und jammern über eine Blase am Zeh. Oder beklagen ein abgerissenes Schuhband und wissen nicht, wo sie ein neues herbekommen.

Sie nehmen sich dennoch Zeit für die kleinen Dinge. Obwohl größere Projekte anstehen?
Wir werden die Halle erweitern, damit künftig 1300 bis 1400 Besucher Platz haben, wir Fans und Sponsoren einen würdigen Rahmen bieten können. Die Pläne stehen, die Finanzierung ist uns zugesichert. Vielleicht starten wir mit dem Umbau noch heuer.

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