„Der Wegfall von einem Teil unseres Einsatzgebietes stört mich“, sagt ein ehemaliger Feuerwehrkommandant mit Blick auf kürzlich erfolgte Verschiebungen bei den Grenzen der Einsatzzonen für die zehn Feuerwehren der Stadt Völkermarkt mit über 400 aktiven Mitgliedern. Dabei spielt er insbesondere auf Veränderungen im nördlichen Gemeindegebiet um die Ortschaft Mittertrixen an, die sich zuvor die Freiwilligen Feuerwehren Gattersdorf und St. Margarethen ob Töllerberg noch geteilt hatten. „Nun gehört Mittertrixen vollständig zu Gattersdorf. Und auch ein Betrieb in Bergstein kam der FF St. Margarethen abhanden“, ärgert sich der Völkermarkter darüber, dass das Einsatzgebiet der FF St. Margarethen ob Töllerberg im Lauf der Jahrzehnte bereits stark geschrumpft sei.
Weitere Grenzverschiebungen befürchtet
Darüber hinaus befürchtet er, dass diese Grenzverschiebungen nicht die letzten gewesen sein könnten zum Nachteil einzelner Feuerwehren – dies auch vor dem Hintergrund von Einsparungen von Strukturen im ländlichen Raum wie etwa bei den Volksschulen.
Kritisiert werde von ihm aber auch die Vorgangsweise bei der Erstellung des neuen Einsatzplans, über den der Gemeindefeuerwehrausschuss mit 20 Mitgliedern – darunter der Gemeindefeuerwehrkommandant, sein Stellvertreter und die Ortsfeuerwehrkommandanten mit ihren Stellvertretern – abgestimmt hat. „Früher haben sich das die betroffenen Kommandanten selbst ausgeredet“, sagt der einstige Kommandant. Seine Kritik habe der Mann eigenen Angaben zufolge bereits auch persönlich bei Bürgermeister und Feuerwehrreferent Markus Lakounigg (SPÖ) sowie Landesfeuerwehrkommandant Rudolf Robin deponiert.
Prozess mit „externer Begleitung“
Was es mit dem neuen Einsatzzonenplan auf sich hat? Aufgrund des geltenden Feuerwehrgesetzes (K-FWG 2021) musste der Gemeinderat mit Bedachtnahme auf die Interessen des Brandschutzes den Einsatzbereich jeder Freiwilligen Feuerwehr innerhalb des Gemeindegebietes festlegen (Paragraph 5). „Wir wollten aber bewusst keine politische Entscheidung treffen“, betont Lakounigg, der auch davon berichtet, dass die Einsatzgebiete auf dem rund 135 Quadratkilometer großen Territorium der Südkärntner Bezirkshauptstadt hinsichtlich der örtlichen Zuständigkeiten nach den Vorgaben des Kärntner Landesfeuerwehrbandes (KLFV) überprüft beziehungsweise bei Bedarf angepasst werden mussten.
Daher habe man diesen längeren Prozess mit „externer Begleitung“ von unter anderem Robin sowie dem Bezirksfeuerwehrkommandanten Patrick Skubel und dem Abschnittsfeuerwehrkommandanten Stefan Brodnig durchgeführt. „Innerhalb der Völkermarkter Feuerwehren gab es insgesamt acht Sitzungen“, berichtet der Bürgermeister. Am Ende seien die neuen Einsatzzonen im 20-köpfigen Gemeindefeuerwehrausschuss – den übrigens auch das Gesetz (Paragraph 19) vorschreibt – demokratisch mehrheitlich beschlossen worden. „Das Ziel war es, das gesamte Gemeindegebiet bestmöglich aufzuteilen, damit die einzelnen Feuerwehren im Einsatzfall schlagkräftig eingreifen können“, sagt Lakounigg, dessen SPÖ den korrigierten Einsatzzonenplan danach mit der ÖVP und der FPÖ bei der Gemeinderatssitzung am 17. Dezember 2025 einstimmig beschloss.
Grundlage für die Alarmierung
Für die Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger sei dieser nicht öffentlich einsehbar, weil diese im Notfall ohnehin nur den Notruf 122 wählen würden. Essenziell seien die Einsatzzonen allerdings für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) in Klagenfurt. „Diese bilden die Grundlage für die Alarmierung der Kärntner Feuerwehren nach ihren örtlichen Zuständigkeiten“, erläutert Robin die Wichtigkeit der Überarbeitung der jahrzehntealten Einsatzbereiche der 396 Freiwilligen Feuerwehren in den 132 Kärntner Gemeinden. Neuzugeordnet werden mussten Gebiete etwa, wenn sich durch neue Straßen oder Siedlungen Änderungen bei der Zufahrt ergeben haben oder bestehende Gebäude oder Betriebe durch Zonen getrennt waren.
Nichtsdestotrotz sei Robin natürlich bewusst, dass es sich bei den Einsatzgebieten um ein „sensibles Thema“ für die Feuerwehren handelt. „Deshalb werden wir hier auch nicht mehr so schnell eingreifen“, verspricht der Landesfeuerwehr-Chef, der außerdem im Hinblick auf die von dem ehemaligen Kommandanten geäußerten Befürchtungen im Zusammenhang mit Einsparungen klarstellt: „Wir brauchen die vielen Feuerwehren in Kärnten. Jeder einzelne der 20.000 aktiven Freiwilligen ist wichtig.“
Für Lakounigg sei die Kritik indessen nicht „nachvollziehbar“: „Natürlich kann man nicht immer alle glücklich machen“, sagt der Bürgermeister und Feuerwehreferent. Nichtsdestotrotz sei er froh, dass es gelungen sei in dem Prozess, für den man sich „bewusst Zeit gelassen“ habe, eine Einigung zu erzielen. „Letztendlich ist es unter dem Strich für alle Feuerwehren gut ausgegangen“, ist er überzeugt.