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Nationalsozialismus

Das Grab des Massenmörders

Auf einem schlichten Feld in Paternion liegt der Leichnam von Hitlers Manager des Todes begraben: Odilo Globocnik.

Globocnik (rechts) und Arthur Seyß-Inquart, nationalsozialistischer Kurzzeit-Bundeskanzler Österreichs
Globocnik (rechts) und Arthur Seyß-Inquart, nationalsozialistischer Kurzzeit-Bundeskanzler Österreichs © (c) ullstein bild - Heinrich Hoffman (ullstein bild - Heinrich Hoffman)
 

Eine einfache Wiese, unweit der Drau, umzäunt von Stacheldraht, von den Älteren im Ort Paternion "Sautratte" genannt. Hier soll es sein, das Grab von Hitlers Manager des Todes; das Grab von Odilo Globocnik, der für den Tod von zwei Millionen Menschen verantwortlich gemacht wird.

Dass fast keiner im Dorf um das Geheimnis der "Sautratte" weiß, hat einen guten Grund: Globocnik wurde hier nicht offiziell beigesetzt, es gibt weder einen Grabstein noch einen anderen Hinweis auf die sterblichen Überreste. Einzig ein Bauernbub wusste, wo der Leichnam begraben liegt - weil er beobachtet hat, wie er von britischen Militärs dort verscharrt wurde und weil er beim Mähen in der Folge immer wieder merkte, "wie die Erde unter der Last des Traktors jedes Mal nachgegeben hat".

Gelüftet wurde das Geheimnis um Globocniks Grab von Johannes Sachslehner in seinem neuesten Buch, "Zwei Millionen ham' ma erledigt", einer umfassenden Biografie des hochrangigen Nazis.

Flucht durch Kärnten

Globocnik, Sohn einer deutschsprachigen Familie aus Oberkrain, aufgewachsen in Triest, startete in den 1920er-Jahren in Kärnten seine Nazi-Karriere, die ihn letztlich zu einem der mächtigsten, vor allem grausamsten, Männer innerhalb des Regimes werden ließ. Als SS- und Polizeiführer im polnischen Lublin herrschte er auch über die Vernichtungslager Belzec, Sobibor und Treblinka. Später, ab 1943, organisierte er im dalmatischen Küstenland den Kampf gegen die Partisanen und organisierte die Deportationszüge in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Getrieben von der Gier nach Anerkennung durch den Führer Adolf Hitler und seiner Vertrauten, entwickelt sich Globus, wie er von Vertrauten wie Gauleiter Friedrich Rainer genannt wurde, zum Organisator der Tötungsmaschinerie der Nazis.

KK Die Globocnik-Biografie von Johannes Sachslehner
Die Globocnik-Biografie von Johannes SachslehnerFoto © KK

Als er 1945 vom Wörtherseequer durch Kärnten den Weißensee flüchtet, soll er bei Bekannten seine Taten wie folgt zusammenfassen: "Zwei Millionen ham'ma erledigt. Wahrscheinlich werd' ich jetzt zahlen müssen dafür." Er sollte es auch. Nachdem britischen Truppen mehrere Personen in Zivilkleidung gefangen genommen haben, bringen sie diese auf Schloss Paternion. Dort lässt man sie im Hof aufmarschieren. Globocnik, der unter falschem Namen auftritt, wird überlistet. Einer der Offiziere ruft laut seinen Namen, Globocnik reagiert und zuckt zusammen - und ist überführt. Er beißt kurzerhand auf eine Giftkapsel in seinem Mund und setzt seinem Leben ein Ende, ohne, dass er für seine Taten zur Verantwortung gezogen werden kann.
THOMAS CIK

Das Buch

Auf 350 Seiten wird detailliert das Leben des SS- Brigadeführers und Managers des Todes Odilo Globocnik nachgezeichnet – von seinen frühen Jahren in Triest bis hin zu seinem Tod im Drautal im Mai 1945.

Der Autor. Johannes Sachslehner studierte Germanistik und Geschichte und ist Verlagslektor im Styria Verlag. Er ist Autor von über 20 Büchern, die sich u. a. mit Kärnten und seiner Zeitgeschichte befassen.


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