Es war der eine Satz: Der Papa liegt auf der Palliativ-Station. "Als unser älterer Bruder Christoph das gesagt hat, wussten wir alles", erzählen Simon und Felix Assinger. Wie ein Déjà-vu-Erlebnis sei das gewesen.

Denn erst vier Jahre zuvor war die Mutter (43) der drei Brüder aus St. Jakob im Rosental an Krebs gestorben. Auch sie lag in den letzten Wochen ihres Lebens auf der Palliativ-Station - in der Abteilung für unheilbar Kranke. Das war 2009. Nach dem Tod der Mutter hatten der 20-jährige Christoph, der 19-Jährige Simon und der 15-jährige Felix nur noch ihren Vater Günter Assinger: Polizist und Familienmensch mit Leib und Seele.

Doch am 17. Februar des Vorjahres starb auch er, der Vater, 50-jährig, an Krebs. "Er hatte einen Tumor im Kopf, dann wurde noch Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Die Mama hatte Jahre lang gegen ihren Brustkrebs gekämpft. Doch beim Papa ging alles sehr schnell", erzählen Simon und Felix. Ein, zwei Wochen vor seinem Tod sei er noch ganz normal gewesen, der Vater. "Plötzlich bekam er Bauchkrämpfe und konnte nur noch mit Morphium in Tiefschlaf versetzt werden." Eine kurze Pause, ein tiefer Atemzug, dann sagt Simon: "Wir waren machtlos und konnten nichts mehr tun."

Christoph, Simon und Felix wurden Vollwaisen. Doch trotz des großen Verlustes war ihr Blick immer nach vorne gerichtete. Nur wenige Monate nach dem Tod des Vaters schaffte Simon die Matura in der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik. Felix absolvierte sein erstes Schuljahr - ebenfalls in der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik. Und Christoph begann - ganz der Papa - mit der Polizeigrundausbildung in Traiskirchen,

"Die drei Buben wurden von ihren Eltern sehr selbstständig und mit großem sozialem Verständnis erzogen", sagt Wolfgang Gabrutsch, der Onkel der Brüder. "Das ist unser Lieblingsonkel und gleichzeitig unser einziger", scherzt der 19-jährige Simon.

Gabrutsch hilft den Buben viel. Genauso kümmern sich auch die Großeltern und andere Verwandte um die drei Jungs. Eine Oma hat die Obsorge für den noch minderjährigen Felix übernommen. "Wir hatten nie das Gefühl, allein zu sein. Wir bekommen von allen Seiten Hilfe", erzählt Simon.

Die Gemeinde St. Jakob im Rosental hat beispielsweise Handwerker und Firmen organisiert, die im Haus der Buben notwendige Reparaturen machten. Der Verein "Kärntner in Not" unterstützte die Brüder bei der Ölrechnung für den Winter. Die Landespolizeidirektion veranstaltete ein Benefizkonzert mit der Polizeimusik und dem Polizeichor. "Neben der großen Trauer gibt es so unendlich viele Behördenwege zu bewältigen und so viele finanzielle Dinge zu erledigen. Allein würden wir das nicht schaffen", gesteht Simon.

Gemeinsam mit Christoph und Felix sorgt er dafür, dass das Elternhaus erhalten bleibt, nicht verkauft werden muss. "Wir drei Brüder helfen voll zusammen", sind sich die Burschen einig. Felix, der jüngste, lebt unter der Woche bei seiner Oma. Doch am Wochenende sind die Assinger-Brüder, so oft es geht, zu dritt im Haus.

Simon macht derzeit seinen Zivildienst - bei der Polizei, danach will er studieren, "Die Polizei gehört bei uns ein bisschen zur Familie", lächelt er.

"Das sind wirklich tolle, starke Burschen", ist Onkel Wolfgang Gabrutsch - ebenfalls Polizist - stolz. "Aber wir sind nicht dauernd nur stark und ernst", setzt Simon nach. "Als die Mama krank war, hat der Papa immer gesagt, dass wir trotz allem nicht vergessen sollen, jung zu sein und Freude zu haben." Daher, lächelt Felix spitzbübisch, feiern wir auch gern. "Unser Vater war ein lustiger Mensch", sagen die Buben. "Er hätte sicher nichts dagegen, dass wir Spaß haben."