Als Ernst Berthold 1987 an der Theresianischen Militärakademie ausgemustert wurde, war die globale Rollenverteilung klar: „Wir waren noch mitten im Kalten Krieg, es gab ein eindeutiges Feindbild.“ Der junge Leutnant aus Vorarlberg kam damals in die Lutschounig-Kaserne in Villach - und diente sich seither ganz nach oben. Vom Zugs- zum Kompanie- und schließlich zum Bataillonskommandanten. Gut 15.000 junge Männer gingen in dieser Zeit durch seine militärische Schule, „wobei ich mich wirklich nicht mehr an alle Namen erinnern kann“, lacht Berthold. Am Freitag endet seine Militärlaufbahn nach 39 Jahren - und das zur rechten Zeit, wie er meint. Denn mit dem Fall der Berliner Mauer wurden die Heere weltweit abgerüstet „und verlernten dabei auch Fähigkeiten, die wir nun - mit dem Blick auf neue Bedrohungen - wieder mühsam aufbauen müssen. Früher waren wir auf den Schießkrieg ausgerichtet, dann zwischendurch eine Katastrophenschutz-Eingreiftruppe. Nun gibt es wieder den Weg zurück. Da ist es gut, wenn eine neue Generation übernimmt.“
Dass ein stehendes Heer keineswegs geistigen Stillstand bedeutet, sieht man aber an der Entwicklung, die sein Bataillon in den Jahren durchgemacht hat. „Begonnen haben wir als Fernmelder mit Gerät aus dem Zweiten Weltkrieg, das die Amerikaner hiergelassen haben.“ Mittlerweile gibt es in Villach auch eine Einheit, die den Cyber-Raum verteidigt. „Wir haben auch die klassischen Nerds, die die Arbeit vom Schreibtisch aus erledigen. Aber eben auch die Soldaten im Kampfanzug, die im Feld sind und dafür sorgen müssen, dass es überhaupt die Verbindung gibt.“ Auch Berthold machte all die Technologie-Sprünge mit, „von den Schulungen auf den ersten IBM Computern, bis hin zum Aufbau komplett digitaler Heereseinheiten.“
Einrücken bei der Militärmusik
Der Oberst hat aber auch noch andere soldatische Einsatzgebiete: Als bei der Militärmusik eingespart wurde, fehlte es an Musikerinnen und Musikern. Seither rückt er bei größeren Konzerten regelmäßig mit seiner Klarinette ein. Die wird - neben seiner Ehefrau, den beiden Töchtern, dem Hund und dem Garten - auch die Pension bestimmen. Zur anstehenden Volksbefragung über die Dauer des Grundwehrdienstes hat er „eine private Meinung“. Und die will er - auch nachdem er am Freitag das Kommando übergeben hat - privat belassen.