Second-Hand ist längst nicht mehr nur ein nischiger Trend für Leute, die wenig Geld für Kleidung ausgeben möchten oder für Nostalgiker, die in Erinnerungen schwelgend ein Outfit aus einer bestimmten Zeit suchen. Früher oft eher mit einer Notwendigkeit verbunden, wurde die zweite Chance für Kleidung im Laufe der vergangenen Jahre immer mehr zum Ausdruck für Nachhaltigkeit, Stilbewusstsein und Individualität. Alt ist „in“, Vintage in aller Munde, und das quer durch alle Altersgruppen.
Keine Scheu vor gebrauchter Kleidung
In den sozialen Medien wird das Thema immer präsenter. Plattformen wie Willhaben und Vinted sind auf vielen Handys gar nicht mehr wegzudenken. Doch nicht nur online ist der Trend spürbar: Die Entwicklung spiegelt sich auch im öffentlichen Raum wider. In St. Veit hat sich Second-Hand mittlerweile auch durchgesetzt und wird gerne angenommen: Als Beitrag zur Kreislaufwirtschaft, zur Belebung der Innenstadt oder als Statement zum Thema Umweltschutz.
Re:Love am Hauptplatz
„Ich selbst kaufe seit Jahren nur noch Second-Hand. Nachhaltigkeit ist mir sehr wichtig“, erzählt Heidi Mitterdorfer, die im vergangenen September ihren „Re:Love“-Store mit Damen- und Herrenmode am Hauptplatz 25 in St. Veit eröffnete. „Das ist meine Lebenseinstellung, und dann kam die Ausschreibung für einen Pop-up-Store. Ich habe mein Konzept eingereicht und gewonnen“, erzählt sie, fügt allerdings hinzu: „Das Ganze hat zwei Seiten. Die Kundschaft ist begeistert. Aber die Frequenz lässt andererseits trotzdem zu wünschen übrig. Gerade jetzt von Jänner bis März ist wenig los.“ Dennoch sieht sie in Gewand mit zweiter Chance die Zukunft: „Es geht dabei um mehr als nur darum, schöne und neue Teile im Geschäft zu kaufen. Es gibt ja schon alles. Es ist der für mich einzige Weg, um nicht noch mehr Müll zu produzieren.“ Jeder kann in ihren Augen seinen Beitrag leisten. „Es geht nicht nur ums Kaufen, sondern auch ums Bringen. Mein Geschäft lebt von den Menschen.“
Kostendeckend arbeiten
Sehr schwierig sei es allerdings, einen solchen Laden kostendeckend zu betreiben. „Ich schaue jetzt einfach darauf, wie es sich weiterentwickelt. Ich möchte nicht sagen, dass es schlecht läuft. Mich gibt es ja auch erst ein halbes Jahr und es werden die kommenden Monate zeigen, ob man damit in St. Veit überleben kann. Begeistert sind die Kunden aber schon. Und man merkt, dass sie sich immer mehr mit dem Thema auseinandersetzen.“ Große Gewinnspannen gebe es nämlich in dieser Branche keine. „Es wird auch mehr gebracht als gekauft.“ Ihr werden die Sachen geschenkt, sie verkauft sie dann weiter. „Oder man bekommt 25 Prozent auf den nächsten Einkauf bei mir.“
Auf Kommission zu mehr Nachhaltigkeit
Auch bei Zuzana Walenta in der Waagstraße 1a kann man seit August seinen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Sie ist mit der Frequenz sehr zufrieden: „Man bringt mir die Sachen, ich behalte sie drei Monate auf Kommission und man bekommt 30 Prozent des Verkaufspreises.“ Sowohl direkt in ihrem „Vintage-Mode“-Laden, als auch online kann man shoppen. „Es wird allerdings definitiv der Laden besser angenommen. Pakete schicke ich oft nach Wien oder Deutschland. Ich bin aber froh, dass es so läuft, ich käme sonst mit dem Versenden gar nicht mehr hinterher“, sagt sie lachend.
Für jeden was dabei
Den Schritt mit der Second-Hand-Kleidung hat sie vor allem deshalb gewagt, weil es erschreckend ist, wie viel gebrauchtes Gewand es gibt. „Alleine, wenn man die Tonnen in der Marktstraße anschaut, sieht man, dass sie übergehen.“ Daher hat sie sich dieses Konzept überlegt, von dem „alle drei profitieren: Der Verkäufer, der einen Teil des Geldes bekommt, der Käufer, der günstig einkaufen geht, und ich, die ich damit mein Geld verdiene.“
Gewaschen, gebügelt, nicht beschädigt und ohne Tierhaare muss das Gewand – für Männer, Frauen, Babys und Kinder – sein. Bei der Warenannahme macht sie allerdings auch immer wieder einen Stopp, „weil es sonst einfach zu viel wird. Es können auch maximal 20 Teile auf einmal zu mir gebracht werden, weil ich allen die Chance geben will.“
Bei Henry kaufen und Gutes tun
In Althofen setzt das Rote Kreuz auf Nachhaltigkeit. Gebrauchte Kleidung und andere Gegenstände bekommen im Henry-Laden (Anm.: benannt nach Henry Dunant, dem Gründer des Roten Kreuzes) in der Koschatstraße 1 ein neues Zuhause. Im Sortiment finden sich Damen-, Herren- und Kinder- sowie Babybekleidung zu günstigen Preisen. „Aber auch Schuhe, Bücher oder CDs“, sagt Rotkreuz-Bezirksstellenleiter Herbert Sager. „Es lohnt sich durchaus, bei uns zu schmökern.“
Sind die Sachspenden einmal nicht im idealen Zustand, sorgen die freiwillig arbeitenden 16 Henrietten und drei Henrys – so werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genannt – dafür, dass sie wieder ansehnlich werden. „Wir waschen, bügeln und, wenn nötig, reparieren wir etwa auch Designerartikel.“ Mit dem Erlös wird das Team der österreichischen Tafel in Althofen finanziell unterstützt. „So können wir sicherstellen, dass den Hilfsbedürftigen auch wirklich geholfen wird. Rund 160 akkreditierte Haushalte gibt es in Althofen, die dazu berechtigt sind, kostenlose Lebensmittel zu erhalten.“
Ziele des Roten-Kreuz-Ladens sind unter anderem: „Wir versuchen, die Kreislaufwirtschaft zu erhalten, denn dann wird weniger nachproduziert und die Umwelt weniger belastet. Ich denke, das ist etwas, das jeder auch im Kleinen machen kann.“