Seit 30 Jahren ist Maria Koschier schon in Camphill in Liebenfels tätig, sie begann als Köchin und versorgte Bewohner wie Personal in Camphill kulinarisch. „Ich habe lange mit Klienten für 30 Personen Essen gekocht“, erzählt sie. Immer wieder nahm sie auch ihre Tochter Manuela mit in die Arbeit. „Sie hat mich seit ihrem zehnten Lebensjahr begleitet.“ Für Maria Koschier blieb es nicht beim Kochen, sie bildete sich weiter. „Mit 40 Jahren habe ich dann die Schule für Sozialbetreuungsberufe, die SOB in Feldkirchen gemacht.“ Koschier wechselte in die Betreuung, das Kochen mit und für die Bewohner blieb, zusätzlich kam die Betreuungsaufgabe dazu.

Schon damals, sagt sie, habe ihre Tochter den Wunsch gehabt, selbst einmal in Camphill zu arbeiten. „Sie hat immer gesagt, sie will in Camphill arbeiten, wenn sie groß ist.“ Heute ist das auch so, und noch mehr: Die beiden Frauen arbeiten einstweilen im selben Team und betreuen die Bewohner des „Hügelhauses“. Und es funktioniert. „Das harmoniert“, sagt Koschier über die Zusammenarbeit mit ihrer Tochter. Beide widerlegen damit das Vorurteil, man könne nicht mit der eigenen Mutter arbeiten. „Und wir ergänzen uns auch gut“, erzählt Koschier. Etwa, wenn es darum geht, Neues zu lernen. Koschier: „Ich muss zugeben, ich hatte wirklich Angst vor der Arbeit mit dem Computer. Meine Tochter ist da super drauf, sie hat mir alles gezeigt.“

In Camphill leben Menschen mit Behinderung in Wohngemeinschaften und finden auch Betätigung
In Camphill leben Menschen mit Behinderung in Wohngemeinschaften und finden auch Betätigung © KLZ / Michaela Auer

Auch Camphill-Geschäftsführerin Kerstin Hoi ist mittlerweile dahingehend geläutert, dass die Kombination Mutter-Tochter funktionieren kann. „Ich war ja prinzipiell immer der Meinung, dass es nicht so gut ist, wenn man Menschen zusammen arbeiten lässt, die verwandt sind“, sagt sie. „Aber die beiden sind so lässig im Duo.“ Maria Koschier sei längst eine gute Seele im Haus geworden und feierte jüngst ihr Betriebsjubiläum. „Ich kenne die Bewohner im Haus gut, sie sind ja alle gemeinsam mit mir alt geworden“, sagt Koschier über ihre besondere Bindung zum Arbeitsplatz. Pflege, Betreuung, tägliche Erledigungen wie Arztbesuche, all das macht Koschier mit den Bewohnern. „Es gibt nichts, was ich nicht gemacht hätte. Seit 20 Jahren habe ich auch einen Herren als Bezugsklienten.“ Von Ausflügen über Kleidung kaufen bis hin zum Friseurbesuch, Koschier begleitet diesen durch den Alltag, auch zu den Eltern wuchs der Bezug mit den Jahren.

Manuela Par hat auch absolut nichts dagegen, mit ihrer Mutter gemeinsam zu arbeiten. „Viele können sich das vielleicht nicht vorstellen, aber wir verstehen uns privat und beruflich gut.“ Und so arbeiten die Frauen in einem Team. Pflege und Alltagsunterstützung der Bewohner ist die gemeinsame Aufgabe. „Wir begleiten die Bewohner durch das tägliche Leben“, erklärt Par. „Wir essen mit ihnen, kochen gemeinsam.“ Sie kenne die Menschen in Camphill ja auch schon ihr Leben lang – dank ihrer Mutter, erzählt Par. „Und ich kann sehr viel von meiner Mutter lernen.“ Gemeinsam haben die beiden Frauen auch zwei wichtige Eigenschaften: Fröhlichkeit und Humor.