Ein Jahr voller Extreme: 840 Einsätze, davon 219 Brandeinsätze – die Bilanz der Osttiroler Feuerwehren für das Jahr 2025 zeigt einmal mehr, wie breit das Einsatzspektrum ist. Neben Bränden standen auch Waldbrände sowie zahlreiche technische Einsätze – von Verkehrsunfällen bis hin zu Hilfeleistungen – im Mittelpunkt. 38 Freiwillige Feuerwehren, organisiert in vier Abschnitten, sorgen im Bezirk für Sicherheit. 2709 aktive Mitglieder stehen im Dienst, dazu kommt ein besonders wichtiger Bereich: der Nachwuchs. Rund 150 Jugendliche engagieren sich mittlerweile in den Feuerwehren. „Die Zahlen zeigen, wie stark wir im Bezirk aufgestellt sind – und wie wichtig die Arbeit jeder einzelnen Feuerwehr ist“, sagt Bezirksfeuerwehrkommandant Harald Draxl.
Ein Jahrhundertereignis als Zäsur
Geprägt wurde das Jahr jedoch von einem Einsatz, der alles überstrahlte: der Großbrand in der Recyclinganlage der Firma Rossbacher in Nußdorf-Debant. Hunderte Einsatzkräfte standen über Tage im Einsatz, Explosionen erschwerten die Lage, dichter Rauch legte sich über den gesamten Talboden. „Es war ein Jahrhundertereignis, das es so noch nie gab“, sagt Draxl. Der Einsatz verlangte den Feuerwehren alles ab – körperlich, organisatorisch und auch emotional. „Solche Einsätze fordern nicht nur währenddessen, sondern wirken auch danach nach. Das darf man nicht unterschätzen“, so Draxl weiter.
Gerade deshalb wurde im Bezirk ein wichtiger Schwerpunkt weiter ausgebaut: die Betreuung nach belastenden Einsätzen. Mit den sogenannten SvE-Peers stehen mittlerweile drei speziell ausgebildete Feuerwehrmitglieder zur Verfügung. Sie begleiten Kameradinnen und Kameraden nach schwierigen Einsätzen und helfen bei der Verarbeitung. „Das ist eine extrem wertvolle Einrichtung – nicht nur für die Feuerwehrleute selbst, sondern auch für ihre Familien“, betont Draxl. Die Hemmschwelle, diese Hilfe anzunehmen, sei deutlich gesunken: „Man merkt, dass das Angebot angenommen wird und dass sich viele auch eingestehen: Ich brauche Unterstützung.“
Ausbildung näher bei den Menschen
Auch in der Ausbildung wurden neue Wege eingeschlagen. Ein Meilenstein war die erstmalige Durchführung des Abschlusses der Grundausbildung direkt im Bezirk. Der praktische Abschlusstag, der sonst an der Landesfeuerwehrschule stattfindet, wurde nach Osttirol geholt – eine enorme Erleichterung, vor allem für junge Feuerwehrmitglieder. „Damit sparen wir lange Anfahrtswege und erleichtern gerade den Jugendlichen den Zugang zur Ausbildung enorm“, erklärt Draxl.
Wie hoch das Ausbildungsniveau ist, zeigte sich eindrucksvoll beim Landesfeuerwehrleistungsbewerb in Sillian. Rund 3000 Feuerwehrmitglieder aus ganz Tirol nahmen teil, 101 Gruppen kamen allein aus Osttirol. Zahlreiche Landessiege und Spitzenplatzierungen unterstreichen die Qualität der Ausbildung und den großen Einsatz der Feuerwehren im Bezirk. „Der Bewerb in Sillian war ein echter Höhepunkt und hat gezeigt, wie leistungsstark unsere Feuerwehren sind“, so Draxl weiter.
Investitionen in die Zukunft
Parallel dazu wird auch in die Infrastruktur investiert. Das Land Tirol unterstützt die Feuerwehren laufend, um Ausrüstung, Ausbildung und Gebäude auf dem neuesten Stand zu halten. Ein sichtbares Beispiel ist die Erweiterung des Bezirksfeuerwehrverbandes in Lienz, die künftig noch bessere Arbeitsbedingungen schaffen soll. Trotz aller Herausforderungen blickt man in Osttirol mit Stolz auf das Jahr zurück. „Was unsere Feuerwehren leisten, ist nicht selbstverständlich. Das ist gelebte Kameradschaft und Einsatzbereitschaft – rund um die Uhr“, sagt Draxl. 2025 war ein intensives, emotionales Jahr. Eines, das gezeigt hat, wie wichtig Zusammenhalt, Ausbildung und auch Menschlichkeit im Feuerwehrwesen sind.