Das Thema Windkraft sorgt in Osttirol weiter buchstäblich für Wirbel – spätestens seit die Kleine Zeitung und andere Medien Anfang März von neuen Projekten diverser Windkraftproduzenten aus Ostösterreich, wie der Energieversorgung Niederösterreich (EVN), berichteten. Obwohl EVN-Pressesprecher Stefan Zach damals betonte, dass man „sich noch ganz am Anfang befände“ und lediglich „Gespräche mit potenziell in Frage kommenden Gemeinden führe“, formierte sich der Widerstand rund um die betroffenen Gemeinden Abfaltersbach, Anras, Heinfels, Kartitsch, Strassen und Obertilliach, aber auch bei einem älteren Projekt in Assling, prompt aufs Neue. So kündigten Aktivist Ingo Ortner aus Kötschach-Mauthen, die Bürgerinitiative „Mein Bergtirol“ und Vertreter des Alpenvereins Informationsveranstaltungen an.

Infoveranstaltung im Gemeindesaal Heinfels

Nun trafen sich Bürger zu einer von „Mein Bergtirol“ organisierten Informationsveranstaltung mit der Überschrift „Keine Windkraftanlagen auf der Tessenberger Alm und Frohnstadleralm” im Gemeindesaal von Heinfels. Im Namen der Osttiroler Alpenvereine begrüßte Anton Sint neben den Zuhörern und Vertretern des öffentlichen Lebens auch Herbert Jungwirth, Naturschutzreferent des ÖAV-Landesverbandes Oberösterreich. Jungwirth erläuterte wie voriges Jahr im Bärenstadl in Assling das sehr komplexe Thema mit einem klaren regionalen Fokus, unterstrichen wurde sein Vortrag durch beeindruckende Landschaftsbilder von Hans Bergmann.

Auf Jungwirths abschließende Frage in das Publikum „Wer ist für Windräder auf den heimischen Almen, möge jetzt bitte aufzeigen“, hob niemand die Hand. Seinen Vortrag schloss der Experte mit dem Hinweis auf den wachsenden Widerstand gegen Windkraft in Nordtirol (Simmering, Wipptal) und der Warnung, „dass Osttirol nicht zum Bauernopfer Tirols werden darf.“ 

42,5 Prozent erneuerbare Energien

In der Diskussion meldete sich auch Landtagsabgeordneter und Dölsach-Bürgermeister Martin Mayerl (ÖVP) zu Wort und skizzierte die politische, wirtschaftliche und naturschutzbezogene Sichtweise der Landespolitik mit Verweis auf die „Red-III-Richtlinie“ aus Brüssel. Diese hat das Ziel, den Anteil an erneuerbaren Energien am Endverbrauch bis zum Jahr 2030 auf 42,5 Prozent innerhalb der EU zu erhöhen. Mayerl betonte die Erfolge des Landes auf diesem Feld, insbesondere bei der auch in Osttirol dominierenden Wasserkraft.

Der Obertilliacher Bürgermeister Matthias Scherer ließ mit einem Statement aufhorchen: „Um den naturnahen Tourismus nicht massiv zu beschädigen, werden am Dorfberg bis zum Golzentipp keine Windkraftanlagen kommen“, gab er den Projekten in seiner Gemeinde eine klare Absage. Seine Bürgermeister-Kollegen Franz Webhofer aus Strassen und Georg Hofmann aus Heinfels sagten ebenfalls, dass sie als Gemeindepolitiker die Aufgabe haben, die Meinung der Bevölkerung zu respektieren und einen guten gesamtgesellschaftlichen Entscheidungsprozess zu unterstützen. Sich die Zeit zu nehmen, um Projektwerber wie die ENV anzuhören, gehöre aber auch zum Diskurs um erneuerbare Energie auch dazu.

Kann Osttirol windkraftfrei bleiben?

Nicht anwesend bei der Veranstaltung waren übrigens Vertreter des Tourismusverbandes Osttirol, der Hotellerie und Gastronomie, was die Windkraftgegner ausdrücklich bedauerten. Im Kampf gegen die „Invasion der weißen Riesen“ spürte Sint am Ende der Veranstaltung dennoch sprichwörtlichen Aufwind: „Die allgemeine Stimmung im Saal war ablehnend und als klares Zeichen an die Landespolitik zu verstehen. Für eine Handvoll Euros, zum scheinbaren Nutzen einiger Weniger, die eigene Alm, das eigene Naherholungsgebiet und damit den letzten generationenübergreifenden Schatz zu opfern, komme nie und nimmer infrage.“ Jungwirth ergänzte: „Was es braucht, sind eindeutige Ausschlusszonen.  Es ist durchaus legitim ganz Osttirol als windkraftfrei vorzugeben.“