Daniela Granata und ihr Onkel Aniello haben am Montag ihre Pizzeria „da Leonardo“ am Hauptplatz in Lienz aufgesperrt. Der erste Tag war anstrengend. „Aber es war auch so schön für mich, nach der Pause die vielen bekannten Gesichter wiederzusehen“, lächelt die frischgebackene Wirtin. Nach dem offiziellen Dienstschluss um 22.30 Uhr blieb die Chefin noch stundenlang im Lokal. „Wir haben aufgeräumt und umgeräumt, wir müssen noch Abläufe anpassen. Und ich habe mich auch einfach einmal umschauen müssen“, erzählt die 36-jährige Gastgeberin, die ihr Glück noch nicht ganz glauben kann.

Nur drei Stunden hat die Mama von zwei Kindern im Anschluss geschlafen, am Dienstag bediente sie seit 9 Uhr wieder ihre Gäste. Ihr Sohn Simon ist 17 Jahre alt und macht eine Kochlehre im Golfhotel in Lavant, die elfjährige Tochter besucht das Gymnasium in Lienz. „Wir sind eine große Familie und halten zusammen. Das ermöglicht mir, wieder voll zu arbeiten. Abends möchte ich aber immer zuhause bei meinen Kindern sein.“ Seit ihrem 16. Lebensjahr gehörte Daniela Granata in der Pizzeria ihres Vaters in Lienz zur Belegschaft.

Die Pizza-Familie Granata könnte auch Leonardos Pizza-Festival wiederbeleben

Die neue Pizzeria „da Leonardo“ hat die Räumlichkeiten der bekannten Cafe-Bar Petrocelli‘s am Hauptplatz übernommen. Im Lokal finden 50 Leute Platz, und noch einmal so viele auf der großen Gastterrasse. An allen sieben Tagen der Woche ist geöffnet. Es gibt natürlich auch wieder Pizza zum Mitnehmen. Acht Mitarbeiter gehören von Beginn an zum Team, das Altmeister Leonardo nach Kräften unterstützt. Die Augen der Juniorchefin beginnen zu glänzen, als sie sieht, dass ihr Vater mit umgebundener Schürze dazukommt. Die tiefe Rührung des 58-jährigen Italieners, der seine eigene Pizzeria im Vorjahr aus gesundheitlichen Gründen verkaufte, verrät, dass ihm seine Familie mehr bedeutet, als alles andere. „Ich bin so stolz und dankbar, dass es hier weitergeht“, bekundet der Pizzaiolo. „Unsere Kinder, unsere Enkel, wir sind eine leidenschaftliche Gastronomiefamilie und fühlen uns in Lienz sehr wohl.“

Insgesamt bildeten vier Granata-Brüder die Stammmannschaft in der verkauften Pizzeria da Leonardo in der Tiroler Straße. Sie teilten sich die einzelnen Arbeitsbereiche untereinander auf. Aniello, jetzt Mitbesitzer und jüngster Bruder Leonardos, hatte alle Stationen perfekt im Griff. „Er ist unser Allrounder“, beschreibt ihn seine Nichte dankbar und stolz. Die drei anderen sind inzwischen im Ruhestand.

Der Pensionist Leonardo Granata strotzt übrigens nur so vor Tatendrang. Lienz war fünfmal Veranstaltungsort seines Pizza-Festivals. Etliche seiner Kollegen versammelte der einstige Weltmeister dazu am Hauptplatz. Der Erlös aus dem Verkauf von Tausenden frisch zubereiteten Pizzen ging immer an ansässige Hilfsorganisationen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir auch das Pizza-Festival wiederbeleben“, setzt Leonardo Granata große Hoffnungen auf die nahe Zukunft der Pizzeria am Hauptplatz in Lienz.