Zwei Südtiroler, Michael Gaismair aus Tschöfs bei Sterzing und Peter Paßler aus Antholz, haben vor 500 Jahren ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte Tirols geprägt. Das Land Tirol und Südtirol erinnern zum Jubiläum in zahlreichen Veranstaltungen und Euregio-2025-Ausstellungen an den Tiroler Bauernkrieg, den die beiden jungen Männer in den Jahren 1525 und 1526 entschlossen angeführt haben. Beide bezahlten schließlich mit ihrem Leben für ihre Überzeugung, dass die Unterdrückung des Bauernstandes ein Ende haben müsse. Wie willkürlich die herrschenden Habsburger ihre Macht einsetzten, zeigt die Tatsache, dass man den Mördern der beiden Anführer nach ihren Taten kurzerhand das jeweils ausgesetzte Kopfgeld verwehrte. Die fadenscheinige Begründung lautete, die Täter hätten nur des Geldes wegen gehandelt, und nicht aus Vaterlandsliebe.

Sonderausstellung „Die Fluchtwege des Michael G.“ in Bruneck und Heinfels

Doch wie konnte die Situation in Tirol so eskalieren, dass viele Menschen flüchten und sterben mussten? Peter Leiter, Präsident des Museumsvereins für die Burg Heinfels, zeichnete die Ereignisse und handelnden Personen in einem Vortrag im Bildungshaus Osttirol nach. Außerdem verwies Leiter auf die Sonderausstellung „Die Fluchtwege des Michael G.“ auf der Burg Heinfels, die am Freitag, dem 23. Mai, um 19 Uhr eröffnet wird. Vom 24. Mai bis zum Staatsfeiertag am 26. Oktober ist die Schau zu sehen und verknüpft das Thema der Flucht der Tiroler Aufständischen vor 500 Jahren rund um Gaismair mit globalen Fluchtbewegungen im 20. und 21. Jahrhundert.

Es handelt sich um dabei um eine gemeinsame Ausstellung mit dem LUMEN.Museum für Bergfotografie in Bruneck, die auf beide Orten aufgeteilt ist. Die Ausstellung in Heinfels kuratiert der Historiker Martin Kofler (Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und Kunst, kurz TAP). Für den zweiten Teil in Bruneck zeichnet Richard Piock verantwortlich, engagierter Mitbegründer des TAP, des Kulturnetzwerkes Kulturspur Osttirol und der Initiative Vordenken für Osttirol. „Wer unsere Ausstellung über die Fluchtwege des Michael Gaismair vollständig sehen will, muss beide Ausstellungsorte besuchen“, erläutert Martin Kofler.

Das Thema Flucht verbindet den Bauernkrieg unter Gaismair mit der Gegenwart

Zugleich teilen sich die Ausstellungsmacher den Bezug zu zeitgenössischen Fluchtgeschichten auf: Heinfels widmet sich dokumentierten Fluchtbewegungen von Bruneck bis Tibet. Das LUMEN.Museum wiederum blickt von Bruneck in Richtung Westen, von Spanien bis nach Chile. Es sind berührende, verstörende, oft glücklose und manchmal befreiende Schicksale von Menschen in unterschiedlichen Teilen der Welt. Die Verbindung zum Bauernkrieg unter Michael Gaismair stellt jeweils eine Flucht vor Verfolgung über die Berge dar.

Der Eingang der Hofburg des Fürstbistums Brixen wird am 10. Mai 1525 von den aufständischen Bauern gestürmt; die noch heute sichtbaren Beschädigungen am Eisentor sollen von den Waffen der Angreifenden stammen – Aufnahme um 1916
Der Eingang der Hofburg des Fürstbistums Brixen wird am 10. Mai 1525 von den aufständischen Bauern gestürmt; die noch heute sichtbaren Beschädigungen am Eisentor sollen von den Waffen der Angreifenden stammen – Aufnahme um 1916 © Fotograf: Unbekannt; Sammlung Isabelle Brandauer – TAP

Es gelang zum Beispiel in Tibet einem sechsjährigen Mädchen und dessen Vater die Flucht über 5000 Meter hohe Berge im Himalaya. Im Jahr 2014 wurde das Leben Tausender Jesiden im Irak einem international verurteilten Völkermord durch den Islamischen Staat ausgelöscht. Unter Diktator Augusto Pinochet flohen in Chile 20.000 Menschen ins Exil, um nicht getötet zu werden. Michael Gaismair musste nach der Niederlage seines bäuerlichen Aufstands in die Republik Venedig fliehen. Am 15. April 1532 fiel der Tiroler Bauernführer in Padua nach Verrat einem Mordanschlag zum Opfer.

Vom Bauernlandtag im Jahr 2025 zu einer revolutionären Landesordnung

Der Ausstellungsteil „Die Fluchtwege des Michael G.“ zeichnet Stationen des Tiroler Bauernheeres nach. Vermutlich 2000 Männer zogen in die Schweiz, wieder zurück nach Tirol, dann weiter bis nach Salzburg, und schließlich am Großglocknermassiv vorbei durch das Mölltal bis nach Lienz. Eine erste und einzige Erstürmung von Burg Heinfels war den Bauern zuvor geglückt, die zweite scheiterte aber an der Übermacht an bewaffneten Söldnern auf der Burg.

„Michael Gaismair dürfte ein sehr charismatischer Mann gewesen sein“, vermutet Martin Kofler. „Sonst wäre ihm nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt worden.“ Gaismairs Verhandlungsergebnisse im Rahmen eines Bauernlandtags in Innsbruck im Jahr 1525 widerrief der Tiroler Landesfürst Ferdinand I. wenige Monate später wieder. Der Herrscher ließ seinen Widersacher verhaften, doch Gaismair gelang die Flucht. Der Anführer entwarf anschließend eine revolutionäre Landesordnung mit der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit und bürgerlichen Freiheiten in einem Knappen- und Bauernstaat.

Im Frühsommer 1526 überquert Michael Gaismair mit circa 2.000 Bauern, Knappen und Landsknechten den Alpenhauptkamm, aus dem Salzburgischen kommen sie über das Hochtor und an der Pasterze vorbei ins Kärntner Mölltal und dann weiter nach Lienz – Großglockner mit Pasterze von der Elisabethruhe aus fotografiert, um 1910
Im Frühsommer 1526 überquert Michael Gaismair mit circa 2.000 Bauern, Knappen und Landsknechten den Alpenhauptkamm, aus dem Salzburgischen kommen sie über das Hochtor und an der Pasterze vorbei ins Kärntner Mölltal und dann weiter nach Lienz – Großglockner mit Pasterze von der Elisabethruhe aus fotografiert, um 1910 © Fotograf: Unbekannt; Sammlung Richard Piock – TAP

Von Michael Gaismair sind keine Bildnisse aus seiner Zeit erhalten geblieben. Man weiß zumindest, dass er im Jahr 1490 geboren wurde. Auch über seine Ausbildung ist nichts bekannt, jedoch diente er bereits in jungen Jahren dem Sebastian Sprenz, Bischof von Brixen, als Sekretär, bevor er sich freiwillig in den Dienst des unterdrückten Bauernstandes stellte.