Fernwärmekunden sind an ihren Anbieter gebunden, weil ihnen dieser nicht nur Wärmeenergie, sondern auch das Leitungsnetz bis hin zur Übergabestation im Haus zur Verfügung stellt. „Mich erreichen regelmäßig Anfragen von Kunden der Stadtwärme Lienz, wonach sie zu uns wechseln möchten“, berichtet Ferdinand Mossegger, Geschäftsführer der Genossenschaft Regionalenergie Osttirol (REO). „Das ist nicht möglich, weil es bei Fernwärme kein überregionales Leitungsnetz gibt, das mehrere Dienstleister nutzen könnten.“

Ferdinand Mossegger ist Geschäftsführer der Regionalenergie Osttirol
Ferdinand Mossegger ist Geschäftsführer der Regionalenergie Osttirol © KK/ Regionalenergie Osttirol

Es gibt demnach keinen Anbietervergleich und -wechsel wie beim Strom. Und auch Kunden bei ein- und demselben Fernwärmeunternehmen werden unterschiedlich abgerechnet. „Es ist marktüblich, Großabnehmern günstigere Preise anzubieten“, führt Mossegger dazu aus. „Es ist also gut möglich, dass unsere Kunden beim Vergleich ihrer Rechnungen mit ihren Nachbarn andere Preise sehen. Solche Fragen tauchen regelmäßig auf und ich beantworte sie gerne“, sagt der Geschäftsführer.

Die Regionalenergie betreibt in Osttirol 17 Heizwerke in 14 Gemeinden und bietet je nach Abnahmevolumen gestaffelte Tarife. Anfragen zum Anbieterwechsel häuften sich vor allem nach den massiven Preissteigerungen für Energie im Jahr 2022.

Die Regionalenergie erzeugt Wärme aus heimischem Holz
Die Regionalenergie erzeugt Wärme aus heimischem Holz © KK/Regionalenergie Osttirol

Die Arbeitspreise für eine Kilowattstunde sind nicht direkt vergleichbar

Die REO weist aktuell einen Arbeitspreis von 7,35 Cent für eine Kilowattstunde aus. Die Stadtwärme Lienz, ein Unternehmen der Tiwag-Tochter Tinext, hat gerade das Wärmepreisblatt für das laufende Jahr veröffentlicht. 9,6555 Cent und damit rund 25 Prozent mehr verlangt die Stadtwärme Lienz für eine Kilowattstunde. Beide genannten Preise enthalten noch keine Umsatzsteuer. „Und die Preise sind überhaupt nicht vergleichbar, weil jeder Dienstleister seine Gestehungskosten und sein lokales Leitungsnetz anteilig einrechnen muss“, sagt Mossegger.

Zur Indexanpassung beruft sich die Regionalenergie nicht nur auf die Werte von Gas, Holz, Öl und Strom, sondern bezieht auch Preisentwicklungen bei Bau- und Personalkosten mit ein. Die massiven Teuerungen nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine führten bei der REO zu jährlichen Preiserhöhungen von 15 und dann 17 Prozent. Im Vorjahr blieb der Wert unter drei Prozent, den Statuten entsprechend erfolgte kein Aufschlag.

Neukunden bei der REO verzichten vertraglich 15 Jahre lang auf eine Kündigung, um die hohen Kosten für Bau des Anschlusses abdecken zu können. Mossegger: „Inzwischen sind 80 bis 90 Prozent unserer Kunden nicht mehr an die Vertragsdauer gebunden, ihre Zahl ist aber trotzdem seit vielen Jahren stabil.“

Die Stadtwärme Lienz führt ein neues Abrechnungssystem ein

Die Stadtwärme Lienz entwickelt ein neues Tarifsystem. Von den Preissteigerungen um 50 Prozent ab dem Jahreswechsel 2023 war tatsächlich nur ein Drittel von mehr als 5000 Kunden betroffen. Bei den anderen Kunden handelt es sich entweder um Großabnehmer oder Wohnbaugenossenschaften mit vielen Wärmekunden ohne Einzelabrechnungen. Diese profitierten bisher von Festpreisen in ausgehandelten Fünfjahrestarifen, die nur eine jährliche Preissteigerung um zwei Prozent zuließen.

„Wir hatten uns selbstverständlich an diese Verträge zu halten“, erklärt dazu Tinext-Geschäftsführer Stephan Hilber. Derzeit stehe man mit den Wohnbauträgern in Verhandlungen. Fünfjahresverträge dürfte die Stadtwärme nach den Erfahrungen der letzten Jahre aber nicht mehr anbieten.

Stadtwärme-Standortleiter Thomas Mühlmann und Tinext-Geschäftsführer Stephan Hilber setzen auf Effizienzsteigerung
Stadtwärme-Standortleiter Thomas Mühlmann und Tinext-Geschäftsführer Stephan Hilber setzen auf Effizienzsteigerung © Christoph Blassnig

Die Stadtwärme bindet ihre Indexanpassung im Unterschied zur Regionalenergie an den reinen Energieindex VPI 96 für Elektrizität, Gas und andere Brennstoffe sowie den Verbraucherpreisindex 2015. Zum Jahreswechsel senkte das Unternehmen den Arbeitspreis um zehn Prozent. Hilber: „Die Situation auf den internationalen Energiemärkten hat sich wieder entspannt.“ Rund 2000 Kunden soll eine durchschnittliche Entlastung um 200 Euro zugutekommen. Die neuen Tarife und Lieferbedingungen sollen „Preisexplosionen“ künftig entgegenwirken, verspricht der Geschäftsführer.

Immer mehr Kleinlieferanten beliefern die Stadtwärme

Stolz ist man bei der Stadtwärme, dass der Anteil der verwerteten Biomasse zu 95 Porzent aus Osttirol und zu fünf Prozent aus Oberkärnten stammt, zu manchen Zeiten zu 70 Prozent aus der unmittelbaren Umgebung des Werkes. „Immer mehr Waldbesitzer liefern ihr Holz mit ihrem Traktor an.“ Die Anlagen in der Peggetz sind inzwischen 20 Jahre alt und sollen schrittweise erneuert werden. Bis zum Jahr 2029 investiert die Tinext in das Heizwerk in Lienz 20 Millionen Euro, allein heuer sollen es fünf Millionen sein.

Künftig nutzt das Werk auch Überschüsse aus erneuerbaren Energien wie Photovoltaik und Wind am Strommarkt zur Wärmeerzeugung. Ein Pufferspeicher befindet sich im Bau, um Leistungsspitzen abzufedern. „Wir sind bei allen Anlagen in Tirol um Effizienzsteigerung bemüht“, sagt der Geschäftsführer. „Das Heizwerk in Lienz profitiert am meisten.“