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Interview

Albert Oberhofer: "Ich mag einfach die Kärntner Art"

Albert Oberhofer zog an der Montanuniversität Leoben als Rektor die Fäden. Heuer wurde er 90 Jahre alt, ist nach wie vor in der Spitzenforschung tätig und lebt überwiegend in Millstatt am See.

Albert Oberhofer: 90 Jahre alt und noch immer flott unterwegs © Andreas Schöberl
 

Herr Professor Oberhofer, die Montanuniversität Leoben ist heuer 175 Jahre alt geworden. Sie feierten Ihren 90. Geburtstag. Wie die Universität haben Sie sich Ihre Jugendlichkeit bewahrt. Haben Sie ein spezielles Rezept?
ALBERT OBERHOFER: Ich habe mir bei meiner Emeritierung vorgenommen, weiter zu arbeiten. Das war jedenfalls ganz wichtig, weil mich das sowohl geistig als auch körperlich fit gehalten hat. Neben der Arbeit sind es Radfahren und Skifahren, die mich fit halten.


Was konkret haben Sie dann angepackt?
OBERHOFER: Ich wurde in den Aufsichtsrat der slowakischen Stahlindustrie berufen. In Leoben ist der Logistik Club gegründet worden. In meinem Alter wird man entweder Zeitzeuge oder Präsident. Ich bin Präsident geworden.


Worum kümmert sich der Logistik Club?
OBERHOFER: Wir haben uns neben etlichen anderen Beteiligten darum bemüht, die Industrielogistik als Studienzweig an der Montanuni zu etablieren. Auch an der HTL Leoben war das Gründen des Logistikzweigs erfolgreich.


Aber die Logistik beschäftigt Sie doch nach wie vor auch selbst in der Spitzenforschung an der Montanuniversität Leoben?
OBERHOFER: Vor allem arbeite ich mit den Professoren Peter Moser, Helmut Zsifkovits und Helmut Weiß zusammen. Es geht bei der Logistik etwa um das Fließen von Daten und Informationen auf der Basis des wirtschaftlichen Prinzips. Es soll einen Nutzen geben. Momentan arbeiten wir an einem Forschungsprojekt der Elektrologistik.


Können Sie kurz umreißen, worum es dabei geht?
OBERHOFER: Um das Fließen von Strom. Früher gab es Kraftwerke, die haben rund um die Uhr Strom erzeugt, der von den Konsumenten mehr und weniger verbraucht wurde.

Das hat sich mittlerweile vollkommen geändert.
Inwiefern?
OBERHOFER: Solar- und Windenergie können nicht immer erzeugt werden. Es stellt sich daher die Frage, wann gehe ich ins Netz, wann in einen Speicher? Wann gibt es im Netz Über- oder Unterversorgung? Wir wollen jetzt ein System entwickeln, das absolut selbstständig erkennt, ob das Netz Strom benötigt oder nicht, und das dementsprechend reagiert. Ein weiteres Thema sind „Prosumenten“, die etwa mit Fotovoltaikanlagen am Dach ihres Hauses ihren eigenen Strom erzeugen.


Sie haben sowohl als Professor als auch als am längsten dienender Rektor mit zwei getrennten Amtszeiten die Montanuniversität Leoben lange massiv mitgeprägt. Was macht diese so besonders?
OBERHOFER: Ein entscheidender strategischer Schritt ist Ende der 1960er, Anfang der 1970er-Jahre gesetzt worden. Man hat sich auf die Roh- und Werkstoffe spezialisiert, das aber auf breiter Basis. Die Entscheidung war goldrichtig. Danach wurde das Spektrum um das Recycling und die Automation erweitert. Vor vielen Jahren ist in Leoben die Forschung bereits in Richtung Industrie 4.0 gegangen – ein Thema, das heute überall am Tapet ist.


Sie verbringen viel Zeit in Millstatt. Wie hat sich das ergeben?
OBERHOFER: Als ich in Deutschland gearbeitet habe, habe ich mit meinem Vater in Millstatt Haus gebaut. Das war 1958. Meine Eltern haben in diesem Haus bis zu ihrem Tod im Jahr 1986 gewohnt. Damals war noch nicht klar, dass ich einmal in Leoben arbeiten werde – das habe ich eigentlich nicht vorgehabt. Sicher war nur, dass ich nach der Pensionierung in mein Elternhaus ziehen werde. Seit einem Jahr habe ich sogar meinen Hauptwohnsitz in Millstatt. Ich bin ein Drittel der Zeit in Kärnten, den Rest meistens in Leoben.


Kann man sagen, dass Sie sich als gebürtiger Steirer fast wie ein halber Kärntner fühlen?
OBERHOFER: Ja, wahrscheinlich. In Kärnten fühle ich mich unheimlich wohl und kenne noch viele Leute von früher.


Was hat Kärnten denn, was die Steiermark nicht hat?
OBERHOFER: (lacht) Es sind wohl auch die wunderbaren Skigebiete, die schönen Seen und vor allem die Nähe zur Adria, die ich so schätze. Und ich mag die Kärntner Art einfach.


Wie würden Sie denn die kurz charakterisieren?
OBERHOFER: Das lässt sich so nicht wirklich sagen. Das liegt in feinen Nuancen.


Zu einem ganz anderen Thema. Was muss Ihrer Meinung nach ein junger Mensch mitbringen, um Erfolg haben zu können?
OBERHOFER: Wissen, das ihm vermittelt wurde – zum Beispiel an der Universität. Ganz entscheidend ist sein Wollen: Er soll Freude an seiner Arbeit haben. Emotion führt zur Vision, hat etwa Karl Schwarzenberg gesagt. Und Charisma sollte er haben. All das zusammen ist Grundvoraussetzung für führende Positionen.


Wenn Sie die Gesellschaft von heute betrachten, wie viel Vertrauen haben Sie dann in die Zukunft?
OBERHOFER: Ich vertraue voll und ganz auf unseren Nachwuchs. Schon bei den alten Griechen gab es kulturpessimistische Ansichten. Ich aber bin überzeugt, dass Optimismus für die Gesellschaft grundlegend ist. So war es auch möglich, nach dem Krieg wieder alles aufzubauen.


Was wünschen Sie sich für sich persönlich für die Zukunft?
OBERHOFER: Dass ich halbwegs fit bleibe, und dass meine gute Verbindung mit meiner großen Familie und die Zusammenarbeit mit der Montanuniversität so bestehen bleibt.

ANDREAS SCHÖBERL-NEGISHI

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Danke für Ihr Verständnis.

georgXV
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ein toller Mensch und "Lehrer" !!!

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Momi60
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Kärnten liebt man einfach ;)

Wie schön!... und alles Gute noch!

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