Über das Vermögen der MID Holding GmbH wurde ein Insolvenzverfahren am Landesgericht Klagenfurt eröffnet. Das Unternehmen hat seinen Sitz am Domplatz in Klagenfurt. Als Geschäftsführer und einziger Gesellschafter fungiert der Klagenfurter Unternehmer Walter Mosser. Die Verbindlichkeiten betragen rund 67,5 Millionen Euro. Von der Insolvenz sind etwa 40 Gläubiger und drei Dienstnehmer betroffen. Laut Antrag wird die Fortführung des Betriebes sowie der Abschluss eines Sanierungsplanes mit einer 20-Prozent-Quote beabsichtigt. Zur Insolvenzverwalterin wurde Rechtsanwältin Sophie Wagner bestellt. Forderungsanmeldungen können ab sofort über den AKV angemeldet werden.
Geschäfte in Italien
Der bekannte Investor Walter Mosser setzte im Laufe seiner Karriere weit mehr als 70 Handelsimmobilien-Projekte um. Diese wurden geplant, gebaut, vermietet und oft wieder verkauft. Nach Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien, aber auch Österreich rückte die Region Friaul-Julisch-Venetien in den Fokus des Projektentwicklers. Mosser erwarb im Jahr 2017 bekannte Immobilien in Triest beziehungsweise in Tavagnacco bei Udine.
Bei der Immobilie in Tavagnacco handelt es sich um das „Centro Commerciale Friuli“, das einst im Besitz von Silvio Berlusconi stand. In Triest ersteigerte Mossers MID Holding um zwölf Millionen Euro das ehemalige Messegelände von der Stadtgemeinde - ein heruntergewirtschaftetes Areal, 23.000 Quadratmeter groß.
Die Pläne klangen in beiden Fällen groß und hochtrabend: In Tavagnacco sollten auf zwei Geschoßen Handelsflächen auf 15.000 Quadratmetern, eine Klinik auf 5000 Quadratmetern sowie ein modernes Unterhaltungszentrum für Familien entstehen. In Triest wiederum wollte Mosser über 100 Millionen Euro in den Bau eines mehrstöckigen, hypermodernen Einkaufszentrums investieren. Inklusive einer Verkaufsfläche von 30.000 Quadratmetern mit bis zu 100 Geschäften – also ähnlich groß wie die Klagenfurter City Arkaden – und 1000 Parkplätzen. Glaubt man den Gerüchten, soll das Areal aber bereits verkauft worden sein. Heimlich, sehr zum Missfallen der Verantwortlichen in Triest. Und zwar an eine Einkaufskette.
Probleme im Süden
Seine Italiengeschäfte hatten für Mosser im Jänner 2025 unangenehme Konsequenzen: Über seinen Wohnsitz Schloss Seltenheim, das in der Vergangenheit mit einem Hubschrauberlandeplatz für Diskussionen bei den Behörden sorgte, wurde eine Zwangsvollstreckung verhängt. Betrieben wurde dieses Verfahren durch die Finanziaria Regionale Friuli Venezia Giulia, einer regionalen Kreditbank, im Zusammenhang mit dem Projekt in Tavagnacco.
Jetzt sind die Aktivitäten im südlichen Nachbarland laut Insolvenzantrag auch die Ursache der Pleite: „Die Schuldnerin war seit Beginn ihrer Tätigkeit 1979 eine äußerst erfolgreiche Gesellschaft, die in der MID -Gruppe eine Vielzahl gewerblicher Immobilienprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 1,2 Milliarden Euro abgewickelt hat. Die zwei Großprojekte in Italien haben jedoch sämtliche Eigenmittel verbraucht. Es war aufgrund der Besonderheiten des italienischen Finanzmarktes nicht möglich, entsprechende Anschlussfinanzierungen von den lokalen Banken zu erhalten. Österreichische Banken finanzieren im italienischen Markt nicht, sodass die ungewöhnliche Situation eintrat, dass die mit sehr hohem Eigenmittelanteil finanzierten Projekte mangels Ausfinanzierung nicht fertiggestellt werden können. Durch den dadurch fehlenden Rückfluss der eingesetzten Mittel ist die Zahlungsunfähigkeit eingetreten.“ Eine italienische Tochterfirma soll laut Antrag das Projekt in Tavagnacco fertigstellen und damit die im Sanierungsplan vorgegebene Quote finanzieren. Mosser selbst war bis dato nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Um eine Verwechslung zu vermeiden: Die MID Bau GmbH, ebenfalls mit Sitz in Klagenfurt, steht in keinerlei wie immer gearteten Verbindung zur MID Holding GmbH und Walter Mosser.