Schlossartig erhebt sich die Villa über der Ostbucht des Wörthersees, nur wenige Meter vom Schrottenturm und der Stadtgrenze der Landeshauptstadt Klagenfurt entfernt. Alte Holzkastenfenster eröffnen den Besuchern einen großräumigen Blick über das Schloss Maria Loretto bis zu den Karawanken. Erbaut Anfang des vorigen Jahrhunderts, sei das Gebäude in einem sehr guten Zustand.
Das betont Christian Nikolasch. Als Makler des Büros „Remax Impuls“ in Seeboden sucht er einen Käufer für die Jugendstilvilla, die von einem 3600 Quadratmeter großen Grundstück mit altem Baumbestand und einer eigenen Quelle umgeben ist. Der Kaufpreis ist auf der Plattform willhaben.at mit 8,55 Millionen Euro angegeben. „Immobilien wie diese sind nur selten am Markt. Viele sind beim Bau der Autobahn verschwunden, andere werden in der Familie weitergegeben. Das ist schade, da es einen speziellen Kundenkreis gibt, der sich dafür interessiert“, sagt Nikolasch.
Von Rittern und Präsidentenmördern
Es gibt einen weiteren Grund, warum sich ein zweiter Blick auf die Villa und ihre (vermeintliche) Geschichte lohnt: Im Architekturführer „Wörthersee-Architektur“ wird sie als „Villa Mohrenschildt“ bezeichnet, errichtet im Jahr 1904 von einem gewissen Baron Maximilian von Mohrenschildt. Die Präsenz dieser Familie am Wörthersee sei aktenkundig, sagt der Direktor des Kärntner Landesarchives, Thomas Zeloth: „Ursprünglich stammt sie aus Estland, wo sie 1650 in den Adelsstand erhoben wurde. Die Kärntner Mohrenschildts beruhen auf Karl Reinhold von Mohrenschildt, der in Estland geboren wurde und 1905 auf Schloss Leifling bei Neuhaus starb. Die Kinder aus zweiter Ehe erwarben wohl schon den Besitz am Wörthersee.“ Wo dieser lag, könne er nicht ermitteln. Die jetzt zum Verkauf stehende „Villa Mohrenschildt“ ist es aber eher nicht. „Eine Familie Mohrenschildt kommt im Grundbuch nicht vor. Die Einlagezahl wurde 1898 von Heinrich Ritter von Böckmann erworben und 1904 an Hubert und Maria Brugger veräußert“, sagt Zeloth.
Ins Reich der Legenden gehört auch die Geschichte, dass Lee Harvey Oswald, der spätere Kennedy-Attentäter, Ende der 30er-Jahre vor Ort verkehrte. Zwar soll ein Verwandter der Kärntner Mohrenschildts, George de Mohrenschildt, ein Bekannter von Oswald gewesen sein - von manchen Hobbyhistorikern wird de Mohrenschildt bis heute eine Verwicklung in die Ermordung des US-Präsidenten nachgesagt - der Zeitpunkt allein ist für Zeloth aber bereits Unsinn: „Lee Harvey Oswald ist 1939 geboren, er kann zum damaligen Zeitpunkt also nicht in Kärnten gewesen sein.“ Verbrieft sind laut Zeloth dagegen Verbindungen der Mohrenschildts zur Familie Bockelmann. „Angeblich wurde Udo Jürgen Bockelmann (der spätere Sänger Udo Jürgens, Anm.) nach Udo Mohrenschildt, der sein Taufpate gewesen sein soll, benannt.“
Mohrenschildts hin, Verschwörungen her - die Villa hat die vergangenen 120 Jahre laut Makler Nikolasch weitgehend unbeschadet überstanden. Bei vielen Elementen, darunter Fenster und Malereien, handle es sich um Originale. „Das Objekt wird aktuell bewohnt und die neuen Eigentümer könnten kurzfristig einziehen.“ Und wenn sie in einem der vielen Zimmer künftig Gäste empfangen, bietet sich zur Unterhaltung ein Reservoir an Geschichten „von Früher“ an.