"Was passiert mit den Kindern, wenn ich sterben muss?“, war ihr erster Gedanke, als sie von der Diagnose Krebs erfuhr. Damit hatte niemand gerechnet, war sie doch noch so jung. In einem Alter, in dem noch lange keine Vorsorgeuntersuchungen empfohlen werden. Eigentlich vermutete Larissa (Name von der Redaktion geändert)
nur einen Magen-Darm-Virus, als sie mit Bauchschmerzen den Arzt aufsuchte.

Die Wahrheit, die nach der Untersuchung ans Licht kam, war niederschmetternd: Der Krebs hatte schon Metastasen gebildet. Da begann der beispiellose, jahrelange Kampf der lebenslustigen, dreifachen Mutter, dem sie sich auf bewundernswerte Weise stellte. Heuer hat sie ihn dennoch verloren.

Larissa musste Operationen, zahlreiche Chemotherapien und Bestrahlungen über sich ergehen lassen und gab nicht auf. „Ich habe mich nicht verkrochen, sondern bin hinausgegangen“, erzählte sie ein Jahr vor ihrem Tod bei einer Veranstaltung der Krebshilfe, für die sie sich allen Strapazen zum Trotz unermüdlich engagierte. „Die Angst war mein ständiger Begleiter. Ich habe gelernt, sie zuzulassen.“ Mit ihren Ratschlägen wollte die junge Frau anderen Krebskranken Mut machen, mit ihrer Lebenskraft und Aktivität wollte sie den Krebs besiegen.

Zuversicht

Eine Zeit lang sah es so aus, als wäre ihr dies gelungen. Die Therapien hatten angeschlagen, die Befunde sahen gut aus. „Sie war so zuversichtlich, so unglaublich stark“, erzählt ihre Mutter und schaut auf die gerahmten Fotos über der Kredenz und dem Küchentisch. Sie zeigen eine hübsche, junge Frau mit offenem Lächeln und zuversichtlichem Blick. Ihren Beruf konnte Larissa nicht mehr ausüben, übernahm aber ehrenamtliche Tätigkeiten, war aktiv und unternahm viel mit ihren Kindern. Bis zum Schluss bemühte sie sich täglich mit großem Einsatz, Haus und Garten gemütlich zu gestalten. „Sie wollte, dass es alle schön haben“, sagt die Mutter unter Tränen. „14 Tage vor ihrem Tod hatte sie noch große Pläne.“

Den Schmerz versteckt

Larissa wollte nicht, dass man ihr die Krankheit ansah, zeigte ihre Schwäche nicht, lebte so intensiv wie möglich. „Es muss nicht jeder mitkriegen, wie es mir geht“, war ihre Devise.

Angesichts der Krankheit mobilisierte sie Kräfte und entdeckte Talente, von denen sie vorher selbst nichts gewusst hatte. Sie entwickelte sich zum Marketinggenie, lernte prominente Persönlichkeiten kennen, begeisterte alle mit ihrer Lebenslust und Ausstrahlung. „Man hat ihr nicht angesehen, dass sie so krank war“, erzählt die Mutter, die versucht, ihren Enkelkindern den schweren Verlust zu erleichtern. Larissa legte großen Wert auf ihr Äußeres, ließ sich nicht gehen, versteckte die Schmerzpumpe gekonnt unter schöner Kleidung und ließ sich nichts anmerken, auch dann noch, als sie vor Schwäche kaum mehr stehen konnte.

Bis zuletzt kümmerte sie sich aufopfernd um die Kinder, denen ihre größte Sorge galt. Die Absicherung der Existenz ihrer Kinder, ein finanzieller Polster für ihre Ausbildung war ihr wichtigstes Anliegen, für das sie sich bis wenige Wochen vor ihrem Tod einsetzte. Sie scheute sich nicht, auf Anraten einer Freundin das Bürgerservice des Landes Kärnten aufzusuchen, um Hilfe für die Kinder zu erbitten. Diesen Artikel für „Kärntner in Not“ hätte sie gerne noch selbst gelesen, um sicher zu sein, dass für die Kinder gesorgt sei.
Von ihrem Kampfgeist waren selbst die Ärzte überrascht, sie konnten es kaum glauben, dass die kranke, junge Frau während schmerzhafter Behandlungen mit ihnen scherzte und blödelte. Bis kurz vor ihrem Tod überlegte sie sich Aktionen für die Krebshilfe und versuchte, ihre Botschaft zu transportieren: Trotz Leiden nicht aufgeben, in der Familie zusammenhalten und gemeinsam gegen die Krankheit ankämpfen.

So sehr Larissa gehofft hatte, den Krebs besiegen zu können, so grausam schlug die Krankheit am Ende zu. Sie ließ ihr und den Ärzten keine Chance. Die Kinder waren wohl vorbereitet, die Last der Trauer ist dennoch schwer. Sie haben den Verlust noch nicht richtig verarbeitet. Eine Trauertherapie soll mit den Spendengeldern auch finanziert werden. Wenn die Trauer nicht mehr so wehtut, sollen sie einmal in Dankbarkeit auf den Stern am Himmel blicken können, der ihrer Vorstellung nach zur neuen Heimat für ihre geliebte, verstorbene Mutter geworden ist. 

ELKE FERTSCHEY