Es lief so gut. Dominik bekam die Lehrstelle, die er immer wollte. Am 9. September 2013 hatte er seinen ersten Arbeitstag als Koch. "Er hat sich so gefreut", erinnert sich seine Mutter. Doch dann krachte er nach der Arbeit mit seinem Moped gegen einen Anhänger eines Schweizer Reisebusses. Es dämmerte, es regnete. Der Anhänger stand einfach da: unbeleuchtet, ungesichert, unerwartet - am Straßenrand.

Das Leben des damals 15-jährigen Dominik Wassermann aus Radenthein änderte sich schlagartig. "Zuerst wussten wir nicht, ob er durchkommt", erzählt Mutter Heidi. Die Stunden nach dem Unfall wird sie nie vergessen. "Eine Krankenschwester gab uns ein Plastiksackerl mit Dominiks Sachen. Dann wurde er die ganze Nacht operiert."

Dominik überlebte. Doch seit dem Unfall braucht er rund um die Uhr Pflege. Drei Monate lag er im Wachkoma, danach war er ein Jahr in einer Salzburger Klinik. "Anfangs konnte er nur liegen und seine Augen bewegen", sagt Mutter Heidi. Sie, Vater Reinhold oder Oma Burgi waren immer an Dominiks Seite. Weihnachten, Ostern, Geburtstag - alles wurde im Krankenhaus gefeiert. Mittlerweile ist Dominik, heute 16, wieder daheim.

Er braucht bei allem Hilfe, sitzt im Rollstuhl, kann nicht sprechen. "Dominik kommuniziert mit Blicken oder Tönen. Ich verstehe alles, was er sagen will. Der Bub macht ständig Fortschritte", erzählt seine Mutter und klopft ihrem Sohn sanft auf die Schultern. Jeden Tag turnt sie mit Dominik und macht Lernübungen, mehrmals wöchentlich gehen sie schwimmen. Nebenbei arbeitet die zweifache Mutter als Aufräumerin. Da sind dann der Vater, die Oma oder eine Tante bei Dominik. Auf die Frage, wie sie das alles schafft, sagt Heidi Wassermann: "Es macht mir Freude, für Dominik da zu sein."

Dominik vor dem Unfall. Er war Schwimmsportler
Dominik vor dem Unfall. Er war Schwimmsportler © Kalser

Ohne zu zögern, zeigt sie alte Fotos: Dominik beim Schwimmen. Dominik beim Blödeln. Bei einer Siegerehrung. Dominik, wie er früher war. "Er hat alles können. Jetzt kann er fast nichts mehr", meint seine Mutter. Aber es gibt Momente der Hoffnung. "Vor Kurzem hat er zwei Wörter geschrieben", freut sich die Frau. "Wir denken nur noch positiv. Ganz unten waren wir schon. Da wollen wir nicht mehr hin." Kraft schöpft die Familie auch aus der Hilfsbereitschaft der anderen. "Nach dem Unfall waren so viele für uns da", ist die Frau dankbar. Nachbarn haben geholfen, das Haus behindertengerecht umzubauen. Andere haben ein Straßenfest für Dominik veranstaltet. Rotarier aus Bad Kleinkirchheim haben mit "Kärntner in Not" und anderen ein Behinderten-Auto organisiert. Es sei ihr nicht leicht gefallen, diese Hilfe anzunehmen. "Aber ohne Spenden hätten wir einen Kredit gebraucht", sagt Wassermann. "Ich danke jedem Einzelnen für seine Unterstützung."