Wo sind bloß die Kinder? Seit vielen Jahren gibt es hier zwei Grundschulen, eine Halbtagsschule in Grado (auf der Isola della Schiusa) und eine Ganztagsschule in Fossalon. Was sich schon andeutete, wird nun zur schmerzlichen Wirklichkeit – für die kommende erste Klasse in Fossalon nach den Sommerferien wurden nur neun Kinder angemeldet; es ist unklar, ob die Klasse eröffnet wird oder ob die neun Kinder notgedrungen auf die Halbtagsschule geschickt werden. Was für die berufstätigen Eltern echte Probleme birgt.

Dann der Schock: Auch für die Halbtagsschule stehen nur zwölf Kinder bereit. Das ist so wenig, dass schon das Schreckgespenst einer Schulschließung herumspukt. Und das würde bedeuten, dass alle Grundschulkinder irgendwohin aufs Festland geschickt werden müssen.

Schulhaus mit einem aufgemalten Baum
Schule in Grado © Stefan Maiwald

Schon 2024 gab es ja den Affront, dass die Schulverwaltung nach San Canzian d’Isonzo abgezogen wurde; der Ort liegt zwischen Grado und Monfalcone. Wird nun bald auch dort unterrichtet? Grado hat verständlicherweise Angst um die eigene Identität.

Was tun? Die Gradeser machen einfach zu wenige Kinder, da kann auch die Politik wenig tun. Der Bürgermeister, den ich im Fahrstuhl traf und darauf ansprach, breitete nur die Arme aus: „Alle schauen zu viel Fernsehen!“

Netflix sorgt also für eine schwere Identitätskrise. Allerdings betrifft das ganz Italien – es ist das Land mit einer der niedrigsten Geburtenraten in Europa.

Laternenpfähle werden abgebaut

Apropos Identität: Der Damm wird nun doch nicht mit Straßenlaternen zugepflastert. Das hat der Bürgermeister entschieden, und die meisten Gradeser freuen sich darüber. Die Laternenpfähle, die probeweise auf einer Strecke von etwa zweihundert Metern installiert wurden, werden demnächst abgebaut. Und den Urlaubern bleibt weiterhin freie Sicht auf die Lagune, das Kloster Barbana und den Sternenhimmel – eine Anfahrt, die seit jeher unsere Vorfreude aufs Schönste stimuliert und uns bei der Abfahrt traurig seufzen lässt.

Es gibt ein Nachspiel: Die Straßenverwaltung würde die Laternen trotzdem gern verbauen, denn nur noch bis zum Ende des Jahres liegen eine Million Euro in der Region bereit. Wenn bis dahin nichts passiert, wird das Geld einem anderen Projekt zugeschoben. Der Bürgermeister von Aquileia hätte gern auf seinem Abschnitt des Radwegs mehr Licht und hat um die Laternen gebeten. Und so könnten am Ende alle glücklich sein.

Der aktuelle „Radio Adria“-Podcast von Stefan Maiwald