Scharfer Protest – gegen Laternenpfähle? Ja, gegen Laternenpfähle. Und der Ton ist rau, aber das ist er ja immer in den sozialen Netzwerken. Worum genau geht‘s?
Der fünf Kilometer lange Damm, der Grado mit dem Festland verbindet, zaubert uns allen schon bei der Überfahrt ein Lächeln ins Gesicht. Manche von uns lassen gar die Fensterscheiben runtersurren, um die salzige, feuchtwarme Meeresluft einzuatmen – ein sicheres Zeichen, dass der Urlaub in diesem Augenblick begonnen hat.
Nun sollen dort über die gesamte Strecke vier Meter hohe Laternenpfähle installiert werden, um die Sicherheit der Radfahrer zu erhöhen. Und das schmeckt den Gradesern nicht, denn es raubt ein wenig von der Faszination des Damms, der auf der Insel lo stradone genannt wird – die große Straße. Irgendwie poetisch. Und so hohe Lichtmasten würden dem Damm, dessen Bau übrigens Benito Mussolini veranlasst hatte, viel Charme und Poesie nehmen.
Die Dunkelheit als etwas Positives
Der Architekt aus Cervignano, der sich seit 1992 (!) mit dem Projekt Radweg befasst, glaubt sogar, dass jede Art von Licht überflüssig sei. Erstens sei es ja gesetzlich vorgeschrieben, dass Räder mit Vorder- und Rücklicht ausgestattet sein müssen. Wer sich darüber hinwegsetze, sei selbst schuld. Er erklärt weiter, dass der Lagunenabschnitt der einzige Ort sei, von dem aus man gleichzeitig die Lagune, das Kloster von Barbana, den Himmel und die Sterne sowie die Skyline von Grado sehen kann. „Mit den Laternen würden wir die Dunkelheit verlieren, die hier etwas Positives ist.“ Schön gesagt.
Was die Gradeser auch ein wenig fuchsig macht: Bis vor etwa zwölf Jahren – manche Urlauber werden sich erinnern – war die Backbordseite des Damms, von Aquileia kommend, von riesigen Strommasten flankiert, die längst unnütz geworden waren, und es dauerte Jahre, bis sie endlich abgerissen wurden. „Und nun bauen wir solche Monstren wieder auf?“, beschwert sich eine Userin auf Facebook.
Eine Million Euro liegen von der Region bereit, um für Beleuchtung zu sorgen, und wenn Grado bis Ende dieses Jahres nicht zuschlägt, wird die Summe, wie in Italien üblich, abgezogen und für andere Projekte verwendet. Aber noch hat der Ort ja neun Monate Zeit, um sich zu entscheiden.