Der slowenische und der kroatische Tourismus knüpften heuer an die Vor-Corona-Besucherzahlen an. Beim Autoverkehr in und nach Kroatien wurden sogar alle Rekorde gebrochen. Keinen Sommer zuvor waren so viele Fahrzeuge auf kroatischen Straßen unterwegs. Urlaubsreisende mussten geduldig stundenlange Wartezeiten an den Grenzübergängen von Slowenien nach Kroatien ertragen.

Allerdings nicht überall, denn an einem Grenzübergang blieben dieses Jahr Kolonnen von Touristen aus. Bis auf einige wenige Einheimische verirrte sich kaum jemand zum internationalen Grenzübergang Podgorje/Jelovice.

Die Grenzstation wurde 2005 mit dem Ziel eröffnet, andere Grenzübergänge zu entlasten und die Wegstrecke ans Meer zwischen der slowenischen Hafenstadt Koper und der kroatischen Küstenstadt Rijeka deutlich zu verkürzen. Berechtigt zur Nutzung sind alle EU-Bürger und Drittstaatsangehörige ohne Visumpflicht. Geöffnet ist Podgorje/Jelovice von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr, in den Sommermonaten von Anfang Juni bis Ende August sogar von 6 bis 24 Uhr.

Dorfgasthaus bleibt einsam

Und trotz der angepassten Öffnungszeiten für den sommerlichen Reiseverkehr blieb es heuer ruhig. "Mitte Juni haben wir festgestellt, dass der Verkehr, den wir sonst gewohnt waren, ausbleibt. Das Dorfgasthaus ist einsam und auch andere touristische Einrichtungen sind leer", berichten Einheimische aus dem Dorf Podgorje gegenüber dem slowenischen Nachrichtenportal 24ur und meinen auch den Grund dafür herausgefunden zu haben: "Der Grenzübergang ist auf 'Google Maps' quasi verschwunden."

Und tatsächlich, egal welche Zielorte man von Koper nach Kroatien im Online-Kartendienst von Google eingibt, man wird an dem Grenzübergang vorbeigeführt. Sogar, wenn man vom slowenischen Dorf Podgorje in das wenige Kilometer entfernte kroatische Jelovice will, führt einen der Dienst über einen Umweg über 60 Kilometern und gut eineinhalb Stunden Fahrtzeit über den weiter westlich liegenden Grenzübergang Sočerga.

Statt dem direkten Weg wird ein kilometerlanger Umweg vorgeschlagen.
Statt des direkten Wegs wird ein kilometerlanger Umweg vorgeschlagen
© Screenshot/Google

Viele leben davon

Für Janko Sever von der regionalen Agrartourismus-Genossenschaft ist das völlig unverständlich: "Manche wird die Verkehrsberuhigung natürlich freuen, aber viele leben davon. Die Tourismusstrategie der Gemeinde Koper gibt klar vor, dass die Karstregion gestärkt werden soll, aber wie, wenn keiner zu uns findet?" Die örtliche Gastronomie und der Tourismus leben zum einen vom Reiseverkehr nach Kroatien, aber auch vom sanften Agrartourismus, in unmittelbarer Nähe gibt es viele Wander- und Radwege. "Nun kommt kaum jemand mehr vorbei und sieht die wunderschöne Landschaft hier", erzählen Einheimische und haben auch eine Anfrage an das Gemeindeamt in Koper gestellt, warum ihr Grenzübergang aus Google verschwunden ist, bis heute blieb diese allerdings unbeantwortet.