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Interview"Wir archivieren gewissermaßen für die Ewigkeit"

Katja Almberger ist für Kontrolle und Nachbearbeitung der Akten aus der Abteilung für Psychiatrie zuständig: "Die Benützung ist streng geschützt."

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Katja Almberger, stellvertretende Direktorin des Landesarchivs
Katja Almberger, stellvertretende Direktorin des Landesarchivs © Weichselbraun
 

Das Landesarchiv bewahrt Hunderte Kartons mit Patientengeschichten der Abteilung für Psychiatrie. Zu welchem Zweck?
KATJA ALMBERGER: Einerseits müssen Behörden und Dienststellen des Landes ihre Unterlagen dem Landesarchiv zur Übernahme anbieten, das ist gesetzlich geregelt. Andererseits handelt es sich in diesem Fall um enorm wichtige und für die Forschung sehr begehrte Akten. Wir haben bereits sämtliche Akten bis zum Jahr 1945, also auch aus der NS-Zeit, übernommen. Jetzt gibt es nochmals eine geschlossene Übernahme des Zeitraums 1945 bis 1991.

Für wen sind die Krankenakten zugänglich?
Die Benützung ist geschützt. Sie dürfen nur Betroffenen, Familienangehörigen oder bei Nachweis einer wissenschaftlichen Arbeit für exakt beschriebene Projekte mit der Verpflichtung zur Anonymisierung vorgelegt werden. Zum Beispiel nützt derzeit eine Studentin der medizinischen Privatuni Salzburg das Aktenreservoir.

Was ist mit den Krankengeschichten der psychiatrischen Abteilung nach 1991?
Ab diesem Jahrgang kann es aufgrund des steigenden Aktenumfangs keine vollständige Übernahme mehr durch das Landesarchiv geben. Wir übernehmen aber ein sogenanntes Sample, d. h. eine repräsentative Stichprobe von Krankengeschichten. Seit 2012 werden die Akten elektronisch geführt und in Zukunft  vom Landesarchiv auch in dieser Form übernommen und digital archiviert.

Warum werden die Papierakten im Archiv nicht einfach digitalisiert?
Wir archivieren gewissermaßen für die Ewigkeit, und Papier und Pergament sind das langlebigste Material. Eine Digitalisierung der Patientenakten wäre auch zu teuer. Die Digitalliste müsste regelmäßig in die aktuelle Formatversion verändert werden, damit sich die gespeicherten Daten in 100 Jahren noch öffnen lassen. Hinzu kommt, dass wir immer die authentische, rechtsgültige Form der Akten bewahren und diese ist bis zum Jahr 2012 analog.

Wie viel Platz Ihres Depots nehmen die Krankengeschichten in Anspruch?
Derzeit sind es etwa 120 Laufmeter. Das Landesarchiv-Depot hat noch Platzreserven. Insgesamt sind etwa 13 Laufkilometer belegt, etwa fünf Laufkilometer sind noch frei.

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