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FaktencheckWas Sie über den Wald im Stadion wissen müssen

Der Wald im Klagenfurter Stadion. Eines der spektakulärsten und umstrittensten Kunstprojekte, das es je in Kärnten gab, im Faktencheck.

So schaut das aktuelle, maßstabgetreue Modell für das Projekt aus
So schaut das aktuelle, maßstabgetreue Modell für das Projekt aus © KLZ/Weichselbraun
 

Wer steckt hinter dem Projekt „For Forest“?
Initiator ist der Schweizer Künstler Klaus Littmann, der sich von der fast 50 Jahre alten Zeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ des Tirolers Max Peintner inspirieren ließ. Littmann sieht das Projekt als „Gesamtkunstwerk“ und „Mahnmal“, das Menschen für Ökologie, Kunst, Natur und Künstlichkeit sensibilisieren soll. 

Was genau ist geplant?
200 Bäume (10 bis 14 Meter hoch) werden für knapp zwei Monate im Stadion verpflanzt. „Letztlich soll es so aussehen, als wäre das Stadion um ein Stück Wald herumgebaut worden – so authentisch muss es sein“, sagt Littmann. Geöffnet sein soll der Wald vom 8. September bis 31. Oktober täglich von 10 bis 22 Uhr bei freiem Eintritt. Mit der Verpflanzung wird Mitte August begonnen.

Gibt es schon genug Bäume für das Projekt? Welche Baumarten werden verpflanzt?
„Wir haben mittlerweile genügend Bäume“, sagt Littmann. Die Vorgabe für Landschaftsarchitekt Enzo Enea sei ein „klassischer Mischwald“ – Bäume wie Rotbuche, Spitzahorn, Winterlinde oder Vogelkirsche. Auch einige Nadelbäume sollen dabei sein. „Es gibt einiges zu bedenken. Welcher Baum verfärbt sich zuerst, welcher verliert als Erstes die Blätter?“, sagt Littmann. Derzeit sind die Bäume noch in Baumschulen, im Frühjahr sollen sie auf einem Grundstück in Klagenfurt eingepflanzt werden.

Welche Rolle spielt Bauunternehmer Herbert Waldner (Riedergarten) bei dem Projekt?
Waldner, der über die Familie Soravia mit Littmann in Kontakt kam, stellt dem Künstler eine Villa am Viktringer Ring als Wohn-, Repräsentations- und Veranstaltungsfläche zur Verfügung. Mittlerweile ist der Riedergarten-Chef 50-Prozent-Gesellschafter der LW For Forest GmbH – die anderen 50 Prozent hält Littmann. Unternehmensgegenstand ist laut Firmenbuch die „Verwirklichung des Kunstprojektes For Forest als gemeinnütziger Zweck im Interesse des Gemeinwohles“. Waldner spricht von einem „Herzensprojekt“.

Wie wird das Projekt finanziert? Wie hoch sind die Kosten?
Darüber reden die Initiatoren nicht so gern. „Der Löwenanteil der Mittel kommt aus der Schweiz“, sagt Littmann. Er könne auf Mäzene und Gönner zählen. Für 5000 Euro können Privatpersonen Baumpatenschaften erwerben. Zudem stellen Firmen Sachleistungen kostenlos oder zum Selbstkostenpreis zur Verfügung. „Es gibt keine Schulden, keine versteckten Steuergelder und keinen geheimen Deal“, betont Waldner. Er selbst steckt mehrere Hunderttausend Euro in das Projekt – wie viel genau, sagt er nicht. Die Gesamtkosten wurden anfänglich mit 1,5 Millionen Euro taxiert, nun ist von über zwei Millionen die Rede.

Wie viel Geld der öffentlichen Hand fließt in das Projekt?
Die Stadt Klagenfurt stellt das Wörthersee-Stadion für den Projektzeitraum kostenlos zur Verfügung. Geld soll jedoch keines fließen. „Vonseiten der Stadt wird es keine Subventionen oder Förderungen geben“, hat Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) mehrfach betont. „Auch wir achten darauf, dass nicht ein Cent öffentliches Geld in das Projekt ,For Forest‘ fließt“, sagt Littmann. Engagieren könnten sich Stadt, Land oder Bund aber noch bei begleitenden Projekten oder Ausstellungen. 

Wie wird das Projekt angenommen?
Bei der Klagenfurter Bevölkerung offenbar nicht gut. Im November 2018 führte das Meinungsforschungsinstitut OGM (im Auftrag der FPÖ) eine Umfrage zu diversen Themen in der Stadt durch. „Dabei zeigt sich, dass Wähler aller Parteien, ausgenommen Grün-Wähler, das Projekt mehrheitlich als Aufreger sehen“, sagt Christoph Haselmayer von OGM. Ein Prozentsatz an Gegnern lasse sich daraus jedoch nicht ableiten. „Rund um das Stadion gibt es genügend Wald“, ist das Argument von Stadtrat Wolfgang Germ (FPÖ) und vielen anderen Kritikern des Projekts. Littmann ist hingegen überzeugt: „Es wird ein Bild entstehen, das um die Welt geht.“

Wird durch die Bäume die Rasenheizung zerstört?
Nein. Man hat eine Lösung gefunden, bei der das verhindert werden soll. Lastenverteilungsplatten werden aufgelegt, auf Baustahlgitter kommen die Bäume mit Wurzelballen. Danach wird das Gelände bis zur ersten Sitzreihe hin aufgeschüttet. Zwischen den Bäumen herumlaufen werden Besucher nicht dürfen, der Wald soll von außen betrachtet werden.

Was passiert nach dem Projekt?
Die Bäume sollen im Klagenfurter Stadtgebiet verpflanzt werden und zu einer permanenten Installation werden. Wo das sein wird, ist noch offen. Der Rasen im Stadion muss erneuert werden.

Wie viel kostet der neue Rasen?
Rund 200.000 Euro – Kosten, die der Veranstalter tragen muss. „Nach dem Konzertsommer mit Bon Jovi und Andrea Berg übergeben wir das Stadion Mitte August mit einem gebrauchten Rasen. Mitte November bekommen wir einen neuen Rasen zurück“, sagt Sportpark-Geschäftsführer Gert Unterköfler. „Wenn Schaden entstehen sollte, muss ich dafür geradestehen“, erklärt Littmann. Er hat entsprechende Versicherungen. Der Zeitplan für den neuen Rasen könnte sich noch ändern. Es scheint so gut wie fix, dass es im Jänner 2020 wieder Open-Air-Eishockey im Stadion geben wird.

Austria Klagenfurt braucht für den Projektzeitraum ein Ersatzstadion. Wie viel kostet die Adaptierung?
„Der Sportpark hat ein Budget von 100.000 Euro vorgesehen, das wir nicht überschreiten“, sagt Unterköfler. Der Betrag wurde nicht wegen des Waldprojekts ins Budget aufgenommen. Bereits vor eineinhalb Jahren habe man entschieden, „den Platz auf der Westseite bei der Rampe so zu adaptieren, dass er für kleinere internationale Testspiele geeignet ist“. Dazu gehören besseres Flutlicht, Notbeleuchtung, Strom- und Lichtanlagen sowie mobile Tribünen, die binnen zwei Tagen aufgebaut werden können.

Gefährdet das Ersatzstadion die Lizenz der Austria für die 2. Liga?
Nein. Sämtliche Kriterien werden laut Unterköfler erfüllt. Der Platz hat die notwendigen Maße von 105 x 68 Meter. „Wir mussten nur die Eckfahnen um einen Meter versetzen, um die Sicherheitsabstände hinter dem Tor zu gewährleisten.“ Die Tribünen auf der Längsseite und der Nordseite sind für das Heimpublikum. Für die Gäste gibt es im Westen einen Sektor für 150 Personen. Die Kapazität des Ersatzstadions beträgt 1250 Personen. Zuletzt kamen 400 bis 600 Zuschauer zu den Spielen.

Was kann das Projekt noch zum Wackeln bringen?
„Ich wüsste nicht, was das noch scheitern lassen könnte", sagt Littmann.

Kommentare (24)

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cherichera1
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Wahnsinn

Ich glaube unsere Entscheidungsträger sind nicht mehr ganz dicht.

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Hausverstand100
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Unglaublich

Was man gewissen Kreisen als Kunst unterjubeln kann!

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LaPantera69
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Klagenfurt...

...ist Schilda oder in anderen Worten: wieder einem Till Eulenspiegel aufgesessen.

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Bayerlein
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OK wenn es keine Steuergelder kostet !

Wenn es denn keine Steuergelder kostet ist das Ok wenn auch für viele unverständlich. Aber ich habe vor vielen Jahren in Berlin den verpackten Reichstag erlebt. Wie dies bekannt gegeben wurde haben sich viele an den Kopf gepackt ich übrigens auch, warum man so ein Müll macht und das auch noch Kunst nennt. Wie aber der Reichstag dann verpackt was, sah das wirklich richtig gut aus und ich bin froh das Live miterlebt zu haben. Kunst ist nicht für jeden gleich verständlich, kann aber dann doch überzeugen. Nur wie gesagt es darf keine Öffentliche Gelder kosten.

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one2go
1
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Christo

Der Reichstag wurde von dem weltbekannten Künstler Christo "verpackt" - mit den Bäumchen im Stadion hat er NICHTS zu tun!

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gintonicmiteis
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ja, der Vergleich hinkt...

Christo ist ein weltbekannter Künstler, dessen Verhüllung des Reichtags wirklich einen spürbaren Effekt in den Medien verursacht hat.

Der in Klagenfurt tätige "Künstler" (er selbst bezeichnet sich ja nicht mal als Künstler, sondern "Kunstvermittler") ist ausserhalb seiner Heimatstadt vollkommen unbekannt, ein Niemand in der internationalen Kunstwelt, nicht einmal für Wikipedia wichtig genug...
Und was die vergangenen "erfolgreichen" Kunstprojekte betrifft: googeln Sie diese mal, ausser Eigenmedien und ein paar Schweizer Lokalblätter hat das niemand interessiert!

Bei allem Verständnis für die Unterstützung von (noch) unbekannten Künstlern: Müssen wir das in dieser Größendimension mit derart unsicherem Ausgang machen? Wäre das Geld in ein nachhaltigeres Kunstprojekt, wie der Unterstützung der lokalen Theaterszene, nicht sinnvoller angelegt?

Es scheint als ginge es hier (wiedermal) nur um Größenwahn: der Vorvor-Bürgermeister hat sich aus Größenwahn ein Stadion gebaut, das wir uns nicht leisten und auch nicht nutzen können. Die jetztige Bürgermeisterin will einen Wald in eben dieses Stadion setzen - um zu zeigen, dass man noch verantwortungsloser mit dem Eigentum der Bürger umgehen kann? Ist das ein Wettbewerb?

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Luitpold
10
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Keine öffentlichen Gelder?

Wers glaubt wird selig und wers nicht glaubt kommt auch in den Himmel.
Den Wald von außen ansehen und das dann als Kunnst zu betrachten, kann man wohl nur Klagenfurter Provinzpolitikern/innen einreden.

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ronny999
9
4
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Kunst

ist individuell und es soll jeder selbst entscheiden. Dumm ist man oder nicht - keine eigene Entscheidung - kann man nichts dafür! Einfach irgendwelche Verdächtigungen schreiben ist charaktersache- für seine Charakter ist man aber verantwortlich!

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joe1406
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Mehrere Hunderttausend Euro

Es ist wahrscheinlich zu spät - schade dass er Waldner so viel Geld für so einen Unsinn verpulvert. Unverständlich auch, dass sich alle so sicher sind, dass es eine Lizenz für die 2. Liga für dieses "Notstadion" gibt. Ich würde das noch mal genau checken. Vielleicht mal eine Stellungnahme der Bundesliga vorab einholen? Könnte teuer werden für den Sportpark, weil die neuen Investoren der Austria Klagenfurt könnten sehr böse werden wenn es mit der Lizenz doch nicht klappt.

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Ktautscher
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können die Klsgenfurter sonstnochwas als sich Aufregen?

hier ist ma ja echt gegen Alles.
derSeniorenclub hier will unter sich beiben

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bianca50
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Bäume im Stadion

Immer mehr erinnert mich diese "Kunstinstallation"an die wohl bekannte Geschichte mit des "Kaiser's neue Kleider". Weil halt einer sagt dass dies Kunst sei da müssen schon alle daran glauben. Ich für meinen Teil gehe lieber in einen gewachsenen Wald von dem wir ja auf allen Seiten genug haben

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Ktautscher
7
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es ist bei uns aber genau umgekehrt

jeder Meckert und sagt was er davon haltet.

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Ktautscher
11
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ich verstehe die Aufregung nicht

did kommt wohl aus Unwissenheit über die wahren Umstände! die meisten tangiert es Null, die Kosten trägt der Künstler. die Publicity bis nsch New York hin kommt gratis mit dazu.
der Rasen wird bei Konzerten und wenn er bespielt wird deutlich stärker strapaziert.
So schauts aus!

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gonde
4
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Na dann lies den Beitrag von "gintonicmiteis".

.

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ibins88
10
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Ein bild geht um die welt!

Grandioses kunstprojekt, endlich ein künstlerisches geniales image für klagenfurt dieser schlumpfhausenstadt! und wenn das NICHT zustande kommen sollte, dann geht "dieses bild" von klagenfurt auch um die welt!

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friedrichriedl1962
2
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Waldtiere

Werden auch Hasen, Eichhörnchen, Vögel, in diesem Wald sein?
;-)

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gintonicmiteis
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Allein der "Hauptsponsor" dieser "Kunstinstallation"

ist für mich Grund genug, skepsisch bzw. kategorisch dagegen zu sein... als Klagenfurter weiß man einfach aus Erfahrung, dass das "Projekt" nur zum Vorteil von einigen wenigen und zum Nachteil der Bevölkerung ausgehen wird.

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enzianbrenner
9
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fasching

ist anfang märz vorbei, dann wird ja wohl hoffentlich auch dieser "spuk" vorbei sein
bin immer noch der meinung das ist alles "FAKE"

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eston
5
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Das Flughafengelände,

das Beachvolleyballgelände oder der neue Hallenbadstandort würden sich für das Auspflanzen der Bäume anbieten

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CuiBono
8
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Bemerkenswert

Es ist mehr als bemerkenswert, dass dieses "Kunstprojekt" bei wohl mehr als tausend Stadien (keine Ahnung wie viele tatsächlich) in Europa ausgerechnet in "unserem" zwangslegalisierten "Protz-Schwarzbau" verwirklicht werden soll.

Die vollkommen überzogene Eventpolitik eines Jörgl-selig wird frank & frei fort gesetzt.

Klagendorf ist wahrlich anders.

Interessant zu beobachten ist weiterhin, dass bei sämtlichen Veranstaltungen im Stadion private Dritte die Nutzniesser sind und die Kosten beim Steuerzahler bleiben.

Wann kommt die Veröffentlichung der Endabrechnung dieses Protzbaus?
Oder darf der Steuerzahler nicht wissen, wofür und wieviel er "leisten" darf?

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georgXV
2
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Klagenfurter Stadion

dieses größenwahsinnige Stadion kostet uns Steuerzahler über 30 Jahre gerechnet ca. 200 Mio. € !!!
Darin enthalten sind die Kosten für den Abriss des alten, Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung des neuen Stadions !!!
Darin sind NICHT enthalten die Kosten für den Fußballklub !!!
Vielen Dank Harald Scheuc...

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smauro
17
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Steierzahler

Ich bin auch Steuerzahler und kein Fussballfan. Im Stadion steckt auch mein Steuergeld. Da ich auch kein Fan der Pop- und Schlager“stars“ bin, die im Klagenfurter Stadion auftreten, ist so ein Kunstprojekt aus meiner Sicht eine sehr sinnvolle Einrichtung. So bekommt das Stadion, das ich bis jetzt als „hinausgeschmissenes Geld“ betrachtet habe, auch für mich einen nutzbaren Wert!

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gonde
7
21
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Ein Wahnsinn, jetzt ist das unnötigste aller Kunstprojekte, noch immer im Gespräch!

„Ich wüsste nicht, was das noch scheitern lassen könnte", sagt Littmann.
Antwort: Der Steuerzahler!

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GordonKelz
10
30
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DIE UNGEBROCHENE ANZIEHUNGSKRAFT..

..DER NATUR ......Man hat selten oder noch nie eine solche Dummheit entwickelt ,und DAS noch auf unserer Kosten ( da können die “Künstler “ bestreiten was sie wollen )
In einem Land das zu mehr als 50% aus Wald besteht ,einen Stadionrasen zu vernichten um den Besuchern einen Wald zu zeigen ?!Man packt es nicht .
Gordon Kelz

Dummheit zur Wirklichkeit

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