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KärntenUmstrittene Strafen für Schulschwänzer

Minister setzt auf Geldbußen. Vom Bildungsdirektor kommt Kritik. Doch Lehrervertretern geht das nicht weit genug.

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Schwänzen wird teurer. Eine Verwaltungsstrafe von mindestens 110 Euro soll ab dem kommenden Schuljahr verhängt werden, wenn ein Pflichtschüler länger als drei Tage ungerechtfertigt fehlt. Das steht im Gesetzesentwurf des Bildungsministers. Bisher gab es keine Untergrenze. Die Höchststrafe für Dauerschwänzer liegt weiterhin bei 440 Euro. Wenn der Schüler „nur“ bis zu drei Tage fehlt, sollen Lehrer und Direktoren ihn in Zukunft sofort verwarnen können.

„Das ist ein anderer Zugang als bisher. Hier kommt gleich die Keule mit dem Geld“, zeigt sich Bildungsdirektor Rudolf Altersberger kritisch. Es gebe immer eine Ursache dafür, wenn jemand lange unentschuldigt fehlt. Da brauche es ein Maßnahmenbündel. Auch die Arbeit von Schulsozialarbeitern sei da sehr wichtig, sagt Altersberger. Die Schulen seien aber auch gefordert. Sie müssen notorisches Schwänzen genau dokumentieren: „Es fällt auf, dass im Bereich der allgemeinbildenden Höheren Schulen nur wenige Fälle gemeldet werden. Da müsste es statistisch gesehen eigentlich mehr geben.“

Doch gerade die Lehrergewerkschaft der allgemeinbildenden als auch die der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen moniert, dass es in der Oberstufe öfter zu sogenannten Schulpflichtverletzungen komme, als in Pflichtschulen. Sie fordern deshalb auch Sanktionen für ältere Schwänzer – neben mehr Psychologen und Sozialarbeitern in den Schulen.

„Es gibt Grenzen“, sagt dazu Bundesschulsprecher Harald Zierfuß. Er hält nichts von Strafen für Oberstufenschüler.

Dem Gesetzesentwurf des Ministeriums kann der Schülervertreter aber einiges abgewinnen: „Es braucht solche Maßnahmen. Aber man muss aufpassen, dass das kein Akt der Willkür wird. Also der Lehrer den Schüler unter diesem Vorwand straft, weil er ihn nicht mag.“

Der Bundeselternverband sieht die künftigen Regeln gegen notorisches Schwänzen ebenfalls positiv: „Es geht in die richtige Richtung. Die alte Gesetzeslage war hoch kompliziert. Der neue Entwurf ist recht gut strukturiert“, sagt Elternverbandspräsident Gernot Schreyer. Auch gegen die neue Mindeststrafe von 110 Euro hat Schreyer im Grunde nichts einzuwenden: „Man muss sich halt anschauen, wie das angewendet wird. Jetzt schon zu kritisieren, bringt nichts.“

71 Anzeigen wegen Dauerschwänzens

71 Anzeigen gab es im vergangenen Schuljahr in Kärnten, weil Schüler dauerschwänzten, heißt es aus dem Landesschulrat. Das geschah noch nach dem alten System. Die Anzeige ist da die letzte von fünf Stufen. Zuvor gibt es verpflichtende Gespräche mit Psychologen, Lehrern, Eltern. Nun wird es künftig wohl mehr Anzeigen geben.

Kommentare (2)

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hespie
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10
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Kein Wunder dass das Altersberger kritisch sieht.

Man kann doch nicht von Jugendlichen verlangen dass sie selbst Verantwortung für ihr Tun übernehmen sollen. Schon gar nicht wenn dieses Ansinnen von der falschen Partei kommt.

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georgXV
0
1
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?

Rudolf A. (und viele seiner Kollegen) sind auch wieder so treue Parteisoldaten ...

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