Die Bildschirmarbeit fiel ihr von Tag zu Tag schwerer. Ihre Augen schmerzten. Permanenter Schwindel begleitete sie. Getragen wurde sie von immer wieder nachgebenden Beinen, die sich wie unter Strom anfühlten. „Mir war alles viel zu viel“, sagt Manuela*.
Eines Tages brach sie zusammen und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Ihre Werte waren zwar grenzwertig, doch die Ärzte fanden nichts – gar nichts. Der Verdacht auf einen Tumor blieb unbestätigt. Die Frau wurde nach Hause entlassen – mit den Worten: „Sie sollten künftig Stress vermeiden.“
Manuela kam sich vor wie eine Hypochonderin, denn die Symptome verblassten nicht. „Ich habe einfach weitergearbeitet, während die Krankheit in mir wütete“, sagt die Oberkärntnerin, die einen gut bezahlten Job hatte. Nach einer Operation, nach der sie Fieberschübe hatte und in der Nacht fantasierte, konnte sie kaum noch gehen. „Mir tat alles weh. Doch es war kein Notdienst erreichbar“, sagt die heute 46-Jährige. „So machte ich mich alleine auf den Weg ins Spital.“
Ein vier Wochen andauernder Aufenthalt war die Folge. Ausgeschlossen wurde zwar ein Hirntumor. „Da war ich überglücklich“, erinnert sich Manuela. Doch eine unheilbare Nervenkrankheit wurde sieben Jahre nach den ersten Symptomen diagnostiziert. „Ehrlich gesagt, ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Ich wusste endlich, was mit mir los ist. Mein Leben war die ganzen Jahre nicht mehr lebenswert. Diese Ungewissheit, dass mit mir etwas nicht stimmt, aber niemand wusste was“, erzählt die studierte PR-Fachfrau. „Die Diagnose war für mich fast eine Erleichterung. Ich kenne jemanden, der auch mit der Krankheit lebt. Da wusste ich, ich pack’ das.“
Gewalttätige Übergriffe
Doch ihr Leidensweg war nach der Diagnose nicht zu Ende – er begann erst richtig. Sie verlor ihre Arbeit und stand von einem auf den anderen Tag auf der Straße. Ihre verstorbenen Eltern konnten ihr nicht beistehen. Geschwister hat sie keine. Sie bat ihren Onkel um Obdach. Er willigte ein und Manuela zog wieder nach Oberkärnten. Aber der Hoffnungsschimmer verwandelte sich rasch in Verzweiflung. Obwohl sie versuchte, es dem Onkel recht zu machen, es war nie genug. „Ich führte den Haushalt, putzte, kaufte ein und kochte“, sagt Manuela. „Er wurde immer ungehaltener, fühlte sich mir aber verpflichtet.“
Mit den gelegentlichen Wutanfällen und den Beschimpfungen konnte sie leben. Doch die gewalttätigen Übergriffe waren für sie nicht nur eine psychische Tortur, sondern auch lebensbedrohend. Nach einer Gewaltattacke verbrachte sie einige Wochen im Krankenhaus. Ihre Nerven waren durch den Übergriff so schwer geschädigt, dass sie nicht mehr laufen konnte. Zunächst erstattete sie keine Anzeige. Zu dankbar war sie, dass sie bei ihrem Onkel ein Dach über dem Kopf hatte. Mit ihrer Frühpension konnte sie sich schließlich nur schwer eine eigene Wohnung leisten.
Auch beim zweiten und dritten Übergriff sagte sie nichts. Doch als sie auf den Boden geschleudert wurde und ihr Körper von Prellungen übersät war, war das Maß voll. Sie zeigte ihn an. Das bedeutete für die Oberkärntnerin allerdings, dass sie sich nach einer eigenen Wohnung umschauen musste. Die Kaution erwies sich für sie aber als unüberwindbare Hürde.
In ihrer Verzweiflung hat sie sich jetzt an die Katastrophenhilfe Österreichischer Frauen gewandt. Denn ihr Entschluss steht fest: Sie will wieder für sich selbst sorgen – koste es, was es wolle. Anfang nächsten Jahres ist es endlich so weit, eine günstige Sozialwohnung wartet auf Manuela. Der Umzug steht somit kurz bevor. Mit nichts, denn aus ihrer früheren Wohnung konnte die 46-Jährige nichts mitnehmen. „In der behinderten- gerechten Wohnung gibt es keine Küche und auch Wohn- und Schlafzimmer müssen noch eingerichtet werden“, zählt Manuela auf, die sich sicher ist, all das zu schaffen.
„Ich fühlte mich fast 20 Jahre lebend begraben. Aber jetzt kann endlich mein neues Leben beginnen!“, ist sie trotz ihrer unheilbaren Krankheit voller Hoffnung.