Auf dem Fenstersims in der Küche stehen gerahmte Fotos wie Zeugen einer vergangenen, glücklichen Zeit. Zu sehen sind vier lachende Kinder und ein glückliches Paar. Wehmütig blickt der Bauer auf das Foto seiner strahlenden jungen Frau. „Es hätte so schön sein können. Jetzt hätten wir es so, wie wir es gewollt haben“, sagt er in sich hinein. Er kann es immer noch nicht glauben, dass seine geliebte Frau, mit der er eine „sehr innige, fast telepathische Verbindung“ gehabt hat, nicht mehr ist. Nur einen Monat nach Fertigstellung des neuen Heims und wenige Monate nach ihrer vierten Geburt starb Marianne G. an einer unheilbaren Krankheit, auf die niemand vorbereitet war. „Sie wollte daheim sterben“, sagt ihr Mann, der sie bis zum Schluss aufopferungsvoll gepflegt hat. „Die letzten Wochen konnte sie nur mehr liegen, konnte nicht mehr sprechen“. Der Bauer versinkt stumm in Erinnerung.
Alleiniger Mittelpunkt
Man traut sich als Besucher gar nicht zu fragen, wie es ihm damals ergangen ist oder wie es ihm jetzt mit dem großen Schmerz ergeht. Der Blick auf die Kinder, die brav auf der Eckbank sitzen, schnürt einem die Kehle zu. „Ich möchte, dass die Kinder ihren gewohnten Alltag haben“, sagt der Vater, der sich aus Rücksicht auf die Kinder nicht erlauben kann, sich der Trauer hinzugeben.
Nun ist er alleiniger Mittelpunkt und Anker für die Kinder, die den ganzen Tag „Papa, Papa“ rufen. Die größeren, die schon in die Schule gehen, scheinen das Unglück tapfer ertragen zu können, die kleineren wollen und können ohne den Vater nicht sein. Sie klammern sich an ihn, wann immer es geht. Einer der Buben zupft ihn am Ärmel, klettert ihm auf den Schoß und birgt den Kopf heulend auf des Vaters Schulter. Er ist gerade aus dem Mittagsschlaf erwacht, vielleicht hat er von der Mama geträumt. „Wir reden jeden Tag von ihr“, erzählt der Vater. Und manchmal sage der kleine Sohn: „Mama sitzt neben mir auf der Bank.“
„Sie fehlt jetzt sehr“, sagt der Bauer, der sich gemeinsam mit seiner Frau auf das neue Heim gefreut hat. Er kann nicht verstehen, warum das Schicksal ihnen diese Freude nicht gegönnt hat. „Marianne war so fröhlich. Wir waren uns sehr nahe. Wir haben sehr oft das Gleiche gedacht und Menschen gleich eingeschätzt“. Die beiden haben sich nicht nur bei der Arbeit, sondern auch persönlich hervorragend ergänzt.
Die Leere ist nun überall spürbar, fast greifbar. In der Diele stehen Engel, Herzen und viele Kerzen, auf manchen steht der Name der Verstorbenen. Daneben Gegenstände, die sie gerne mochte. „Das gefällt Mama besonders gut“, sagt die Tochter, die von der Mutter immer noch in der Gegenwart spricht.
Niemand kann den Kindern die Mutter ersetzen. Auch nicht der Vater, der den Kindern nun doppelte Liebe zu geben versucht. „Ich kann nicht 24 Stunden am Tag bei den Kindern sein, ich muss hinausgehen und arbeiten“, sagt der Vater, der als Vollerwerbsbauer sehr viel zu tun hat.
Natürlich hilft die Oma, wo sie kann, aber sie kann nicht alles alleine bewerkstelligen. Es muss ja auch jemand die Kühe versorgen, wenn der Vater im Wald zu tun hat. Die Kinder müssen schon um fünf Uhr früh aufstehen, um den Schulbus zu erreichen, sie müssen zum Musikunterricht geführt werden, es muss jemand da sein, wenn sie nach Hause kommen.
Glücklicherweise hat sich eine kompetente Frau aus der Umgebung bereit erklärt, als Familienhilfe dreimal die Woche einzuspringen. „Wir sind sehr froh darüber“, sagt der Vater, etwas besorgt über die Kosten. Die Familienhilfe soll für die wertvolle Arbeit angemessen entlohnt werden, der Kredit muss abgezahlt werden. Eine Unterstützung zur Absicherung der Familienhilfe ließe den leidgeprüften Vater etwas verschnaufen. „Kein Geld kann den Verlust ersetzen“, sagt er. Aber eine kleine Erleichterung könnte es sein.