Wenn Nicolas* laufen könnte, hätte er uns sicher schon an der Tür begrüßt, so erwartungsvoll, wie er sich auf Besuche freut. „Servus“, sagt er nun fröhlich und zeigt einladend mit seiner kleinen Hand auf die Couch, auf der er gemütlich sitzt, rundherum kleine Autos und Traktoren. „Das ist ein Berlingo mit Rampe“, sagt er und zeigt auf ein silbergraues Auto. Aha. „Und das da?“, fragt der Besucher und zeigt auf ein schnittiges Fahrzeug. „Ein Audi, mein Lieblingsauto“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Der kleine Mann verblüfft. „Was hast denn du für ein Auto?“, fragt er dann. „Einen Polo“, antwortet die Besucherin. „Aha, ein VW“, sagt der Kleine. Da sind wir aber baff. Unsere Bewunderung steigt, als er von einem Schreibheft herunter liest: „Meine Kleine, Kleine Zeitung.“ Er habe schon mit vier Jahren lesen können, erzählt seine Mutter. Nicolas nickt stolz.
Schlaganfall
So wie er dasitzt, lachend, neugierig und blitzgescheit, kann man sich gar nicht vorstellen, dass er eine Gehirnfehlbildung hat. Bereits in der sechsten Lebenswoche erlitt er als Baby den ersten epileptischen Anfall, dem noch sehr viele folgen sollten. Mit elf Monaten wurde er das erste Mal am Gehirn operiert und erlitt dabei einen Schlaganfall, lässt die Mutter am Leiden, das sie beide durchgemacht haben, teilhaben. Die Prognosen der Ärzte waren schlecht, der Kleine werde entweder sterben oder schwerstbehindert sein und nie reden können. „Hast du What’s App?“, fragt Nicolas und zeigt vor, dass er ein Handy perfekt bedienen kann. Gott sei Dank haben sich die Ärzte geirrt.
2009 erfolgte die zweite Gehirnoperation, diesmal glückte sie. Dennoch konnte Nicolas lange Zeit nur liegen, konnte sich alleine nicht umdrehen, konnte nicht sprechen. Heute ist er immer noch gelähmt, hat keine Kraft in den Beinen, kann nicht aufstehen, nicht krabbeln und nicht gehen. Eine Hand ist schwach und gefühllos, er kann kaum etwas mit ihr ergreifen. Doch er hat schon gelernt, auf der Couch oder im Rollstuhl sitzend Bälle zu fangen. Seit Kurzem kann er sitzen, ohne sich anlehnen zu müssen. Da hat die Hippotherapie geholfen. „Dadurch hat er gelernt, den Oberkörper aufzurichten“, erzählt seine Mutter.
Nicolas erhält Medikamente gegen die Epilepsie, Spritzen in die Beine und Gipsverbände, damit sich die Sehnen dehnen. Willkürliche Bewegungen soll er vermeiden. Trotzdem ist Nicolas lebensfroh. Die vielen Therapien - Physio-, Ergo- und Logotherapie – haben Früchte getragen. Aufopfernd bemüht sich die alleinerziehende Mutter, die für die Pflege ihren Job aufgeben musste, um den kleinen Sohn und macht täglich Übungen mit ihm: „Er hat einen Lerncomputer. Wir machen auch jeden Tag Motorikübungen, um mit der Hand Buchstaben nachzeichnen zu können.“
Nicolas geht in eine Integrationsklasse der Volksschule und kann aufgrund seiner motorischen Schwäche nicht schreiben. Die TV-Fernbedienung handhabt er mit links. Es läuft gerade die ORF-Nachrichtensendung „ZiB“. Die Namen der interviewten Personen liest er flüssig vor. Er liebt Conchita Wurst und kennt viele Persönlichkeiten, die er im Fernsehen sieht. Gerade geht ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner durchs Bild. „Der Neue“, sagt Nicolas. Da fehlen uns die Worte.
Der liebreizende und begabte kleine Bub braucht nun einen Deckenlifter fürs Bad – das ist ein Hebevorrichtung, mit der er von der Badewanne auf den Wickeltisch gehoben werden kann. „Denn er wird mir zu schwer“, sagt die Mutter. Wenn sie Nicolas nicht mehr tragen kann, braucht er einen Indoor-Rollstuhl. Eine 4000 Euro teure Sonderanfertigung mit Einhandantrieb wird von der Kasse nicht bezahlt. Und von der teuren Hippotherapie übernimmt die Kasse nur 25 Prozent der Kosten. Daher bitten Nicolas und seine Mutter um Ihre Hilfe.
*Name von der Redaktion geändert. Zum Schutz der Betroffenen darf ihre Identität nicht erkennbar sei.