Drei Kinder und ein kleines, abgeschiedenes Haus in Kärnten. Johannes (Name von der Redaktion geändert) und seine Frau hatten genau das, was sie wollten. Bis zu dem einem bestimmten Moment im März des heurigen Jahres, der alles verändert hat.
„Meine Frau hörte plötzlich mitten im Satz auf zu reden und brach zusammen“, erzählt Johannes. „In einem Arm hielt ich unser Baby, im anderem Arm meine Frau.“ Hinter Johannes standen die vierjährige Lisa und der dreijährige Alexander. „Was hat die Mama?“, fragten die Kinder.
Sie hatte zwei Aneurysmen im Kopf, die sind geplatzt. „Es gab keine Vorzeichen“, sagt Johannes. Zwei Wochen später war seine Frau, mitte 30, tot. Zurück blieben Johannes und die drei Kinder - das jüngste erst wenige Monate alt.
Himmelsfahrzeug
Als die Geschwister vor dem Sarg ihrer Mutter standen - „Ein Lärchensarg, weil meine Frau immer so gerne Lärche gerochen hat“ - erzählte ihnen Johannes, dass der Sarg ein Himmelsfahrzeug sei und die Mutter nach oben bringe.
„Jetzt ist die Mama der hellste Stern am Himmel“, sagt Johannes. Die vierjährige Lisa hört lächelnd zu und meint: „Die Mama hatte immer einen Zopf.“ Dann geht sie zur Wand, an der das Bild ihrer Mutter hängt und streichelt zärtlich über das Foto. Ihr dreijähriger Bruder lässt in der Zwischenzeit seinen Spielzeugtraktor über den Holztisch flitzen. Der Traktor kracht gegen ein Wasserglas, die Kinder kichern. „Sie sind das Wichtigste für mich“, meint Johannes. Der knapp Vierzigjährige verbringt 24 Stunden am Tag mit den Kindern. Er kocht, er putzt, er wickelt das Baby, wascht die Wäsche und redet mit den Kleinen viel über ihre Mutter.
„Manchmal gehen wir zusammen in den Wald und schreien die ganze Trauer aus uns heraus“, schildert Johannes.
„Meine Kinder und ich haben einen sehr großen Verlust erlitten. In Wirklichkeit kann Dir bei diesem Schmerz niemand helfen. Aber wir haben viel Kraft und wir haben gelernt uns selbst zu helfen.“ Früher hatte der breitschultrige Mann einen guten Job als Bauarbeiter. Mit dem hart ersparten Geld konnte er sich ein bescheidenes Häuschen kaufen, das er gerade herrichtet. Im Herd knistert das Feuer. Die Möbel hat Johannes selbst getischlert.
Während seine Kinder beim Holztisch sitzen und bunte Filzstiftbilder malen, steht Johannes in der Kochnische und bereitet ein Fläschchen fürs Baby zu. „Papa, hast Du einen Kaugummi für uns?“, rufen die größeren Kinder und kauen zufrieden drauf los. „Sie vermissen ihre Mutter, aber sie können gut mit der Trauer umgehen“, weiß Johannes.
Mit sicherer Hand hebt er sein Baby aus dem Gitterbett und meint: „Meine Frau und ich hatten eine sehr große Liebe. Ich bin dankbar für alles, was ich mit ihr erleben durfte. Ich hadere nicht.“
Zwangsversteigerung
Johannes hat viele Freunde und Verwandte, die hinter ihm stehen. Die einen helfen ihm bei Bauarbeiten am Haus, die anderen nehmen sich Zeit für lange Gespräche. Trotzdem gibt es Tage, „an denen es mich zusammenhaut“, gesteht er. Vor kurzem war wieder so ein Tag: Da stand der Exekutor vor seiner Haustüre. Es ging um eine vierstellige Summe. In letzter Sekunde konnte Johannes verhindern, dass sein Haus zwangsversteigert wird. Wegen der Begräbniskosten für seine Frau und anderer, unerwarteter Zahlungen ist der dreifache Vater in Geldschwierigkeiten geraten. Zur großen Trauer, kommen somit noch finanzielle Probleme.
„Das ist wirklich beinhart,“ seufzt der Witwer. Er will nun alles tun, um das Haus für sich und seine drei Kinder zu retten.
„Ich bin ein Kämpfer. Ich gebe nicht auf“, versichert Johannes. Und sein dreijähriger Sohn sagt beim Abschied: „Weißt Du, mia halt ma zamm... “