Gelassen betritt Christian Rauscher den großen Schwurgerichtssaal im Landesgericht Klagenfurt. Er sei jetzt Angestellter einer Kapitalgesellschaft in Luxemburg, erzählt er Richter Christian Liebhauser-Karl, der den Zeugen bezüglich seiner Wahrheitspflicht unter Eid belehrt. Doch Rauscher möchte gar nichts sagen: "Ich will mich der Aussage entschlagen", überrascht der ehemalige Leiter des Hypo-Treasury. Der Kronzeuge des Swap-Debakels des Jahres 2004 schweigt.

Swap-Verluste. Rauscher darf sich deshalb der Aussage entschlagen, weil gegen ihn selbst ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit den Swap-Verlusten von über 300 Millionen Euro gelaufen war. Es wurde jedoch letztendlich keine Anklage erhoben. "Rauscher wurde zurecht nicht angeklagt. Er hat die Hypo nicht vorsätzlich geschädigt. Er wurde von angloamerikanischen Profis über den Tisch gezogen", hatte Wolfgang Kulterers Anwalt Alexander Klaus zum Prozessauftakt in der Vorwoche die Rolle Rauschers gegenüber den Lehman Brothers und anderen US-Investmenthäusern, mit denen die Verlust-Swaps abgeschlossen worden waren, erklärt.

Ermittlungen. Dass Rauscher jetzt verweigert, macht rechtlich auch alle Aussagen, die er vor der Untersuchungsrichterin bei den Ermittlungen getroffen hat, für die Beweiswürdigung nichtig. Die drei damaligen Vorstände sind nicht wegen der Swap-Verluste angeklagt, sondern wegen deren Bilanzierung und Verschweigen gegenüber dem Aufsichtsrat.

Behauptungen. Im Dunkeln bleiben damit auch eine Reihe von Behauptungen, welche die Kärntner Öffentlichkeit seinerzeit in Atem gehalten hatten. Unter anderem war von einem Überfall von Kroaten auf Rauscher auf der Koralpe die Rede gewesen, sowie von einem Koffer mit Bank-Unterlagen, den man ihm abgenommen habe.