Physisch und psychisch kämpft Ida F.* jeden Tag darum, weiterzumachen. Zum Alltag der Kärntnerin gehören seit einem schweren Unfall Schmerzen – genauso wie unzählige Therapien, die sie dringend braucht, aber selbst bezahlen muss und sich nicht leisten kann. Es war im Jahr 2023, als die Frau, die bereits mehrere Schicksalsschläge erlitten hatte, Opfer eines schweren Unfalls wurde. Ihr Auto wurde von einem anderen gerammt.

Die Folgen waren dramatisch, Ida F. erlitt schwerste körperliche Verletzungen und auch die Seele leidet noch bis heute. Dennoch ist sie dankbar: „Ich habe hunderte Schutzengel gehabt, denn die Ärztinnen und Ärzte erzählten, dass 98 Prozent der Betroffenen für gewöhnlich einen derartigen Aufprall nicht überleben oder querschnittgelähmt sind.“ Doch dann kamen auch noch finanzielle Sorgen dazu: Die Person, die den Unfall verursacht hat, zahlte nicht. Auch Interventionen durch einen Rechtsanwalt blieben ohne Erfolg. Schließlich blieb die Natur- und Tierfreundin, die auch vorher in bescheidenen Verhältnissen leben musste, auf den Verfahrenskosten sitzen.

Kein Geld mehr zum Heizen

Als sie dann im Winter auch noch eine Pelletsrechnung in Höhe von 1200 Euro zahlen musste, wusste Ida F. nicht mehr weiter: „Ich war schon sehr verzweifelt.“ Hilfe erhielt sie schließlich von der Sozialberatung der Caritas. Dank Spenden konnte ihre größte finanzielle Not gelindert werden.

Arm sei sie deshalb aber nicht, betont Ida F., denn: „Ich bin keine große Verbraucherin, rauche nicht, trinke nicht, habe meinen Garten mit Gemüse, ein Dach über dem Kopf und trotz hoher Lebenskosten mit vernünftigem Einkauf auch genug zu essen.“ Aber Hilfe hat sie ungeachtet dessen auf jeden Fall gebraucht.

Schon vor ihrem Unfall, der alles veränderte, war das Leben der Kärntnerin mehr als herausfordernd. Nach 22 Jahren als Angestellte trat bei ihr eine schwere Rheumaerkrankung auf. Eine 70-prozentige Behinderung, zuweilen unerträgliche Schmerzen und die Berufsunfähigkeit waren die Folgen. Vor ein paar Jahren musste sie die Berufsunfähigkeitspension antreten. Ein Nachbarschaftsstreit und ein Umzug in eine schlecht isoliertes Häuschen sorgten für mehrere Tausend Euro Schulden. Dann starb auch noch der Spitz der Natur- und Tierfreundin, die für eine Schar an Hühnern und für einen Hahn sorgt, die sie vor dem Schlachten gerettet hat: „Sie leben bei mir aber noch immer, fressen, buddeln sich ein, liegen in der Sonne, genießen das Leben und sind für mich, wenn sie rund um mich herum gackern und flattern, ein Geschenk.“ Und wohl auch ein Trost.

Armut bei Frauen hat sich verschärft

Die Geschichte von Ida F. ist kein Einzelfall. Wie die Caritas Kärnten aufmerksam macht, stammen rund 60 Prozent aller Hilfsansuchen, die diesen Jänner bei der Sozialberatung eingetroffen sind, von Frauen. „Armut in Kärnten ist und bleibt weiblich“, sagt Mario Slamanig, Teamleiter der Caritas-Sozialberatung: „Bereits im Vorjahr mussten über 2000 Frauen bei uns um Hilfe ansuchen – und die Lage hat sich seither weiter verschärft. Hinter jeder dieser Zahlen steht eine Frau – alleinstehend, im Familienverband, alleinerziehend oder eine Frau im Ruhestand. Sie alle versuchen, ihr Leben trotz anhaltend hoher Wohn-, Energie- und Lebenshaltungskosten zu bewältigen.“

Slamanig dankt allen Spenderinnen und Spendern für die bisherige Unterstützung und bittet inständig, dranzublieben: „Dank Ihrer direkten Spenden konnten wir allein im Jahr 2025 Frauen und teils auch deren Familien in akuten Notlagen mit knapp 220.000 Euro beistehen. Und das gezielt dort, wo die Sorgen am größten sind: beim Wohnen, bei der Energieversorgung und beim täglichen Lebensunterhalt. Frauen tragen die Lasten der Armut häufiger. Gemeinsam können wir sie leichter machen.“