Die meisten Menschen beschweren sich darüber, wenn sie etwas nicht bekommen. Bei einer Kärntnerin war es nach einiger Nachdenkzeit genau umgekehrt. Die Pensionistin hat an der Volkshochschule den Kurs „Modern Line Dance am Vormittag“ besucht. Kostenpunkt 116 Euro. So weit, so gut. Bis sie sich dachte, ob denn nicht die öffentliche Hand etwas dazuzahlen könnte.

Und tatsächlich: Im Rahmen der Aktion „Bildungsbonus WIR“ hat sich das Land Kärnten bzw. der Steuerzahler mit 100 Euro am Line Dance am Vormittag beteiligt. „Es freut mich sehr, Sie mit dieser finanziellen Zuwendung unterstützen zu können“, konnte die Frau die Worte im Schreiben von Landesrat Peter Reichmann (SPÖ) selbst kaum glauben. „Natürlich freue ich mich über den unerwarteten Geldsegen. Ich frage mich jedoch, ob man hier nicht den Sparstift ansetzen könnte“, sagt sie. Immerhin wird das Land heuer seinen Schuldenstand voraussichtlich um 429 Millionen Euro auf rund fünf Milliarden erhöhen.

800 Anträge pro Jahr

Laut Land Kärnten sei es ein bewusster Entschluss gewesen, dass die Möglichkeiten besonders breit gefächert wurden. „Es ist immer von lebenslangem Lernen die Rede. Mit dem Pensionsantritt gehen die Chancen darauf zurück. Wir haben deshalb eine Variante geschaffen, bei der der Weiterbildung kein wirtschaftlicher Grund zugrunde liegen muss“, sagt Reichmann-Sprecherin Susanne Stirn-Kummer. Das Projekt würde auch dazu beitragen, der Vereinsamung im Alter entgegenzuwirken. Rund 800 Anträge gehen jährlich ein. Der Höchstbetrag für eine Förderung liegt bei 100 Euro. Die Höhe der Pension ist nicht relevant. „Bewegung ist die beste Vorsorge gegen Krankheiten wie Alzheimer. Auf lange Sicht können damit auch Kosten gespart werden, die sonst vielleicht anfallen würden“, sagt Stirn.

„Glückliche Katze - entspanntes Zuhause“

Das „WIR“ des Bildungsbonus steht für „Weiterbildung im Ruhestand“. Inwiefern „Modern Line Dance“, eine laut Definition „dynamische Tanzform, bei der sich Einzelpersonen in Reihen und Linien zu Musik bewegen“, dieses Kriterium erfüllt, darüber kann sicher diskutiert werden. Auch darüber, wo gespart wird und wo nicht oder generell über die Frage, wofür die öffentliche Hand zuständig sein soll und wofür nicht. Dazu gehört wohl auch die Vortragsreihe „Tierisch gut informiert“ der Abteilung Gesundheit und Pflege, die sich in der jüngsten Ausgabe dem Thema „Glückliche Katze - entspanntes Zuhause“ gewidmet hat.

Katzenbesitzer und Interessierte konnten an diesem Vortrag teilnehmen
Katzenbesitzer und Interessierte konnten an diesem Vortrag teilnehmen © Land Kärnten