„Mein Hund bellt und knurrt andere an“. „Ich kann ihn nicht alleine lassen“. „Ich kann nicht mit meinem Hund in die Stadt, er hat Angst vor anderen Menschen“, mit diesen und ähnlichen Beziehungsproblemen kommen Hundebesitzer hilfesuchend zu Heidrun Pusch, Hundetrainerin von „respekTiert“ in Klagenfurt. „Wir sprechen nicht gern von Besitzern, sondern von Hundehaltern in einer wertschätzenden Beziehung an der Mensch und Hund ihre Freude haben“, hackt Pusch sofort ein.
Die wenigsten Hundehalter würden einen unterwürfigen, perfekt abgerichteten Hund haben wollen. „Viele haben es gern, wenn ihr Hund zur Begrüßung auf sie springt oder mit ihnen im Bett schläft“, sagt die Trainerin, aber die Erwartungen an die Vierbeiner seien in den letzten Jahren trotzdem gestiegen. Soziale Medien, die das Bild des Hundes als Begleiter in allen Lebenslagen vermitteln würden, hätten ihren Teil dazu beigetragen. Früher habe man Hunde zuhause oder im Garten gelassen. Heute sollen sie überallhin mit, beim Sport, zum Einkaufen in die Stadt, ins Restaurant oder zur Arbeit. „Wenn das dann nicht so einfach klappt, ist die Enttäuschung groß“, sagt Pusch.
Damit es funktionieren kann, müsse man seinen Hund zuerst genau kennenlernen. Die Hundetrainerin setzt dabei auf einen belohnungs- und bedürfnisorientierten Umgang mit den Vierbeinern: „Hunde wollen uns gefallen, wir müssen nur ihre Sprache und Bedürfnisse verstehen“.
Erziehung durch Bestrafung
Von Bestrafung als Erziehungsmittel, hält die Hundetrainerin wenig. Es werde oft so verkauft, als sei es der schnellere Weg. Damit würden aber nur die Symptome überdeckt. Es könne die Ängste von Hunden sogar verstärken: „Unerwünschtes Verhalten wird mit Bestrafung kurzzeitig unterdrückt, das ist aber nicht nachhaltig, denn die Ursache bleibt. Und oft wird die strenge Hand zum Boomerang“. So habe eine Halterin ihren Hund, sobald er gebellt hatte, mit einer Sprühflasche angespritzt. Das habe gewirkt, der Hund hörte sofort auf zu bellen, entwickelte aber eine neue Angst: „Als sie ihre Pflanzen gießen wollte, biss ihr der Hund aus Furcht vor der Sprühflasche plötzlich in die Hand“, erzählt Pusch.
Schlechte Erfahrungen
Ängste, Unsicherheiten und Schmerzen, seien die Hauptursachen für unerwünschtes Verhalten, erklärt Pusch: „Zuerst untersuchen wir deshalb den Gesundheitszustand des Hundes. Oft leiden schon junge Hunde an Gelenksproblemen oder Zahnschmerzen, die sie aggressiv machen können“. Dann werde die Vorgeschichte des Hundes betrachtet. Hunde aus Tierschutzhäusern, vor allem aus dem Ausland, würden vermehrt problematisches Verhalten zeigen: „Diese Hunde haben leider schon in ganz jungen Jahren schlechte Erfahrungen mit Artgenossen oder Menschen gemacht, sind unsicher oder sogar verängstigt“, sagt Pusch.
Schließlich sehe man sich die Beziehung zwischen Hund und Halter an. Geht es dem Hund gut und werden auch seine Bedürfnisse ausreichend erfüllt? Hat er beim Spaziergang ausreichend Zeit zum Schnüffeln und kann er in seinem Tempo gehen? Kann er mal ohne, oder an der langen Leine nach vor laufen? „Denn immer nur perfekt bei Fuß gehen, macht keinem Hund Spaß“, sagt die Trainerin. Beim Hund werde mit Markern gearbeitet, mit Klickgeräuschen und einer Belohnung wird positives Verhalten honoriert. „Im Grunde trainieren wir nicht die Hunde, sondern die Menschen. Wir geben ihnen die Mittel mit, dass sie die Körpersprache ihrer Hunde verstehen, damit sie mit ihnen wertschätzend arbeiten können und beide Freude daran haben.“