Aufstand wegen eines italienischen Kult-Getränks: In Pordenone in der Region Friaul-Julisch Venetien kam es vor einigen Tagen fast zu einer Schlägerei wegen eines Cocktails – oder besser gesagt: wegen dessen Namen. Es geht um den Negroni, der für seinen bitter-süßen Geschmack und seine leuchtend rote Farbe bekannt ist und auch hierzulande viele Fans hat.

Debatte um politische Korrektheit

Was ist passiert? In einem Lokal im Stadtzentrum soll eine Gruppe junger Leute ausländischer Herkunft die Präsenz des traditionellen Negroni auf der Getränkekarte beanstandet haben, wie die Online-Zeitung Nordest24 berichtet. Sie empfanden den Namen des Getränks beleidigend und rassistisch. Die Situation drohte zu eskalieren: Nur das Eingreifen einer Bardame und einiger Gäste soll eine Schlägerei verhindert haben. Schließlich konnte die Polizei die Lage nachhaltig beruhigen. Verletzt wurde niemand.

Diese Diskussion reiht sich ein in eine bereits länger andauernde Debatte über die politische Korrektheit kulinarischer Bezeichnungen – etwa beim „Zigeunerschnitzel“ oder dem „Negerkuss“, die mittlerweile oft als problematisch gelten. Auch der Negroni steht – vor allem in Italien – zunehmend im Zentrum solcher Diskussionen.

Graf Negroni als Namensgeber

Ein entscheidender Unterschied zu den oben genannten Beispielen: Der Name Negroni bezieht sich nicht auf das Wort „Negro“, das früher insbesondere im englischsprachigen Raum als Bezeichnung für dunkelhäutige Menschen verwendet wurde. Vielmehr geht der Name auf den italienischen Grafen Camillo Negroni zurück. Der Legende nach ließ er seinen Cocktail Americano gerne etwas stärker mixen: Anstelle von Sodawasser soll der Barkeeper auf Wunsch des Grafen Gin zum Wermut und Campari gegeben haben. So wurde ein neuer Cocktail geboren – der Negroni –, benannt nach seinem mutmaßlichen Erfinder.