Es müssen dramatische Stunden rund um den Gipfel des Großglockners gewesen sein, die das liierte Alpinisten-Paar am Wochenende erlebt hat. Mehr und mehr zeichnete sich ab, dass sich die geplante Tour in die Länge zieht, 50 Meter vor dem Gipfel muss die erschöpfte 33-Jährige aufgeben. Ihr 36-jähriger Partner macht sich über den Gipfel auf den Weg, um Hilfe zu rufen. Am Ende überlebt die Zurückgelassene nicht, sie kann nur noch tot geborgen werden.
Für den Partner wohl ein kaum vorstellbares Drama. Hinzu kommt, dass auch sein Überleben laut dem erfahrenen Glockner-Bergführer Peter Suntinger am seidenen Faden hing: „Bei diesen Verhältnissen und nach einer so langen Tour mitten in der Nacht noch über den Gipfel in Richtung Tal zu gehen, ist Wahnsinn. Ein Lottosechser, dass der Mann das überlebt hat.“ Laut Angaben der Polizei habe sich der Mann jedenfalls nicht sofort in medizinische Behandlung begeben.
„Verdacht auf fahrlässige Tötung“
Nun jedoch der nächste Schock: „Wir können bestätigen, dass gegen den Alpinisten im Moment wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung ermittelt wird“, erklärt Christian Viehweider, Pressesprecher der Tiroler Polizei. Grund dafür sei ein „Führerverhältnis“ zwischen den beiden Personen gewesen, der Mann habe die Tour geplant und sei der Erfahrenere gewesen. Aktuell werden weitere Erhebungen geführt. Anschließend ergeht ein Bericht an die Staatsanwaltschaft, um die Frage nach dem Verschulden des 36-Jährigen zu klären. Klar sei jedenfalls, dass beide hochalpine Ausrüstung dabei gehabt haben und der Mann bereits viele hochalpine Touren erfolgreich hinter sich gebracht hat.
„Hätte es sich um zwei gleichwertige Alpinisten gehandelt, würde wohl eher wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt werden. Es deutet aber sehr viel darauf hin, dass es dieses Führerverhältnis im Alpinen gegeben hat“, so Viehweider, der noch keinen zeitlichen Horizont für die weiteren Schritte nennen kann: „Wir wissen leider nicht, wie komplex sich der Fall noch entwickelt.“ Die Vernehmung ist jedenfalls innerhalb der kommenden Tage geplant.
Todesursache noch nicht geklärt
Als vermutliche Todesursache der 33-jährigen Salzburgerin wurde bisher „Tod durch Erfrieren“ angenommen - die habe sich durch das Obduktionsergebnis am Dienstagvormittag bestätigt, Unterkühlung wird laut Angaben der Polizei als Todesursache angenommen.