Delta-Variante Draußen alles erlaubt? Das Ansteckungsrisiko im Freien

Wissenschaftler sprechen von einem höheren Ansteckungsrisiko im Freien bei der Delta-Variante des Coronavirus. Laut einer Studie ist zumindest die Viruslast bei Infizierten vielfach höher als bei der ursprünglichen Variante.

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"Delta ist generell ansteckender - das gilt auch, wenn man an der frischen Luft ist", sagte der Präsident der deutschen Gesellschaft für Virologie, Ralf Bartenschlager.
"Delta ist generell ansteckender - das gilt auch, wenn man an der frischen Luft ist", sagte der Präsident der deutschen Gesellschaft für Virologie, Ralf Bartenschlager. © APA/HANS PUNZ
 

Wieder auf Restaurantterrassen sitzen, mit der großen Freundesrunde im Park oder im Grünen zum Sport treffen: Draußen und im Sommer kann man sich kaum mit Corona anstecken, lautet ein verbreiteter Glaubenssatz in der Pandemie. Die Maske oder der Abstand geraten da manchmal in Vergessenheit. Doch das kann sich rächen: Mit der mittlerweile auch in Deutschland vorherrschenden Delta-Variante könnte es je nach Situation eher passieren, dass das Virus auch im Freien überspringt.

"Delta ist generell ansteckender - das gilt auch, wenn man an der frischen Luft ist", sagte der Präsident der deutschen Gesellschaft für Virologie, Ralf Bartenschlager. "Man konnte sich zwar auch mit früheren Varianten schon im Freien anstecken, allerdings steigt mit Delta die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert", erklärte der Experte der Universität Heidelberg. Delta-Infizierte hätten im Vergleich zur Vorgängervariante Alpha (B.1.1.7) eine vermutlich um den Faktor fünf erhöhte Viruslast. "Je mehr Virus bei einem Infizierten vorhanden ist, desto größer das Übertragungsrisiko, auch im Freien." Ob es zu einer Ansteckung komme, hänge aber immer auch von vielen weiteren Faktoren ab - draußen zum Beispiel, wie eng man zusammensteht. "Es lässt sich nicht pauschal sagen, wie schnell eine Infektion geschehen kann - das kann vielleicht eine Minute dauern oder auch eine Stunde."

Ansteckung insbesondere in Innenräumen

Erst Mitte Juli war zum Beispiel bekannt geworden, dass sich bei einem Musikfestival in Utrecht in den Niederlanden mindestens rund 1.000 Besucher mit dem Coronavirus infiziert haben. Etwa 20.000 Menschen hatten das zweitägige Open-Air-Festival Anfang des Monats besucht. Die Organisatoren reagierten geschockt.

Der Aerosol-Experte Gerhard Scheuch geht jedoch weiter davon aus, dass sich Menschen insbesondere in Innenräumen anstecken. Sollte tatsächlich die Infektionsgefahr im Freien ansteigen, hieße das, dass dies für Innenräume noch stärker zutreffe, teilte er auf Anfrage mit. Gerade bei Fußballspielen und auf Festivals teilten sich zudem viele Menschen bestimmte Räume, etwa auf der Anfahrt, bei der Übernachtung oder die Toiletten. So könne man durchaus annehmen, dass viele der Infektionen, die im Zusammenhang mit Open-Air-Veranstaltungen erfasst wurden, eben doch in Räumen stattgefunden haben könnten.

Bei solchen Ausbrüchen ist also immer auch die Frage, ob die Menschen Abstände einhielten, ob sie Masken trugen und ob es zum Beispiel an bestimmten Orten zu engeren Kontakten kam, etwa beim Warten vor den Toiletten oder an anderen Stellen. Auch die Tätigkeit bei einer Veranstaltung dürfte eine wichtige Rolle spielen: Singt man zum Beispiel laut, kommt es verstärkt zum Ausstoß von Aerosolen.

Hinweise auf Übertragung im Freien

Der US-Epidemiologe Eric Feigl-Ding zeigte sich bei Twitter kürzlich besorgt über die seiner Meinung nach vielen Hinweise auf Übertragungen im Freien. Er verwies auch auf die mutmaßlichen Ansteckungen in Indien bei religiösen Veranstaltungen, die größtenteils im Freien stattgefunden hätten. Er warnt zudem schon länger davor, dass Delta bei flüchtigen Begegnungen übertragen werden könne.

Das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) teilte auf Anfrage mit, keine geänderte Einschätzung zu haben: Auf der Webseite des Instituts heißt es, Übertragungen kämen im Außenbereich insgesamt selten vor und hätten einen geringen Anteil am gesamten Geschehen. Werde der Mindestabstand gewahrt, sei die Wahrscheinlichkeit der Übertragung im Außenbereich wegen der Luftbewegung "sehr gering". Das Einhalten von mindestens eineinhalb Meter Abstand und das Vermeiden größerer Menschenansammlungen empfiehlt das RKI aber auch im Freien, damit man weniger Tröpfchen und Aerosole direkt abbekommt.

Viruslast laut Studie höher

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte kürzlich auch auf eine Studie aus China hingewiesen, die die Gefährlichkeit von Delta untermauere: Dort wurden Menschen untersucht, die nach Kontakt mit einem Delta-Infizierten in Quarantäne waren. Der PCR-Test sei bei ihnen schon nach durchschnittlich vier statt wie bei frühen Varianten nach sechs Tagen positiv gewesen. Außerdem sei die Viruslast beim ersten Positiv-Test 1.200 mal höher gewesen verglichen mit ursprünglichen Varianten. "Das legt nahe, dass diese besorgniserregende Variante sich möglicherweise schneller vermehrt und in den frühen Stadien der Infektion ansteckender ist", so die WHO.

Forscher um Jamie Lopez Bernal von der Gesundheitsbehörde Public Health England entdeckten eine etwas verminderte Effektivität von Impfstoffen gegen die Delta-Variante. Die Wirksamkeit des Produkts von Biontech/Pfizer gegen eine Corona-Erkrankung durch Delta lag bei 88 Prozent. Bei Astrazeneca waren es 67 Prozent, wie das Team im "New England Journal of Medicine" (NEJM) schreibt. Zum Vergleich: Die Effektivität gegen die Ursprungsvariante betrug bei Biontech/Pfizer 95 Prozent und bei Astrazeneca rund 80 Prozent. Da die Wirkung gegen Delta nach nur einer Spritze bei beiden Impfstoffen noch erheblich geringer gewesen sei, sollten Menschen unbedingt zweimal damit geimpft werden, schreiben die Forscher. Das RKI rät, trotzt Impfung die Infektionsschutzmaßnahmen einzuhalten.


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Kommentare (7)
selbstdenker70
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Man wird es in ein paar Tagen in Graz und Umgebung sehen ob und wie ansteckend es ist. Wer am Freitag vor und im Stadion war hat einmal einen Einblick bekommen was die Menschen gelernt haben, NICHTS. 13.000 Menschen, der Vorplatz gedrückt voll, dann der Einlass. Die Massen von 10 Sektoren werden auf 3 oder 4 Durchgänge zusammen geführt. Kopf an Kopf, Nase an Nase. Menschen mit Maske kann man mit der Lupe suchen. Und so geht es dann drinnen beim WC, Bierstand ect weiter. Auf den Plätzen natürlich dicht an dicht, und jeder gröllt dem anderen ins Gesicht. Wie gesagt, wenn da kein Cluster entsteht, dann sind die Theorien von den Experten alle falsch.

rehlein
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@selbstdenker70

Ich bin vollkommen Ihrer Meinung, nur wenn da Cluster entstehen, ist das nicht nur 1, sondern mehrere, wenn die Fans von mehreren Gegenden anreisen.
Die nehmen das dann ja in die verschiedenen Bezirke mit.

Es ist bei der Übertragung von Aerosolen egal ob drinnen oder draußen, wenn man Schulter an Schulter sitzt oder steht, bei den Fußballspielen kommt ja noch dazu dass meistens Alkohol konsumiert wird, wo dann sowieso alle Hemmungen zu körperlicher Nähe fallen, es wird gegrölt und gesungen - also das macht keinen Unterschied zu einer Diskothek im Innenbereich.

Eigentlich ist dieses ganze 3 G sowieso nicht wirklich medizinisch gefestigt, denn alle 3 G` `s sind nicht sicher, weder der Antigentest, noch PCR (heute getestet, 1 Stunde später Infektion, Gültigkeit 72 Std. - bei Delta Latenzzeit 2-6 Tage im Durchschnitt, da kann man schon infektiös sein solange der Test Gültigkeit hat,
Genesen, ist auch keine sichere Sache.
Und Geimpfte, wenn auch wenige, können auch infektiös sein.

Bei den Salzburger Festspielen gilt wieder MNS, in Mörbisch oder Bregenz aber nicht.
Das hat alles nicht Hand und Fuß. Überall die gleichen Regeln müßten gelten, sonst ist das alles ja lächerlich.

uomo23
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Ansteckend...

Wenn ein Teil geimpft, der Rest genesen oder negativ getestet ist, kann nix passieren oder?

Der gestestete ist auf jedenfall safe. Der genesene oder geimpfte könnte den Virus haben ohne ihn zu bemerken.

Wenn bis nächster Woche nichts raus kommt wurde alles richtig gemacht.

uomo23
6
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Ansteckend...

Wenn ein Teil geimpft, der Rest genesen oder negativ getestet ist, kann nix passieren oder?

Der gestestete ist auf jedenfall safe. Der genesene oder geimpfte könnte den Virus haben ohne ihn zu bemerken.

Wenn bis nächster Woche nichts raus kommt wurde alles richtig gemacht.

rehlein
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@uomo

Ein Getesteter ist nicht auf jeden Fall safe.

Gültigkeit 48 Std. - und die Antigentests sind nicht so aussagekräftig bzgl. Infektiösität wie die PCR Tests.

Ein Infizierter kann sich 40 Std. vor Einlaß testen lassen haben, und sich vielleicht 24 Std. vor Test angesteckt haben, Test zeigt das noch nicht an, aber 48 Std. nach Ansteckung kann er schon infektiös sein, ist dann aber immer noch innerhalb der Testgültigkeit.

Bei Delta ist die Latenzzeit kürzer - im Durchschnitt 2-6 Tage.

Keines der 3 G `s ist sicher.

Aber 100% ige Sicherheit gibt es ohnehin nicht.

Ich bin auch neugierig wie sich die ganzen Fußballspiele und Festpiele etc. bei uns in Österreich auswirken.

Dass die EM geclustert hat, wissen wir ja schon.

GordonKelz
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Der Unterschied zu Indien ist halt, daß bei

uns zu vielen Veranstaltungen im Freien 2 - 300 Leute
zusammen kommen und in Indien gleich einige Tausend ...
Gordon

rehlein
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@Gordon Kelz

Genau! Manche sehen da einen Unterschied - ich sehe, dass es im Prinzip überall gleich ist.

Sah man ja bei der EM, sieht man bei den Formel 1 Rennen, bei sämtlichen Fußballspielen, die jetzt bei vollen Stadien stattfinden, Salzburger Festspiele, Mörbisch, usw.

Ein Freiluftfestival in den Niederlanden hatte mehr als 1000 Infizierte.

Es gibt da keine Unterschiede: dort wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, egal ob drinnen oder draußen, kommt es zu Infektionen - ob das jetzt 300 oder mehrere tausend sind, ist egal, Österreich hat ja auch in der Relation um ein Vielfaches weniger Einwohner als Indien.