Die Forschung zur Etablierung von besseren Behandlungsmöglichkeiten für Covid-19-Patienten wird zunehmend breiter. Antivirale Strategien, verbesserte Möglichkeiten zur Verhinderung von schweren Lungenschäden und zur Prophylaxe zusätzlicher Komplikationen sollen einander ergänzen.

Vor wenigen Tagen ist im "Lancet" eine Studie von Wissenschaftern aus Hongkong erschienen, die zumindest eine Verbesserung bekannter experimenteller Therapien zeigen könnte: Ivan Fan-Ngai Hung und seine Co-Autoren von der Medizinischen Klinik am Queen Mary Hospital und anderen Spitälern und Forschungsstellen in Hongkong verwendeten bei Covid-19-Patienten zu Beginn derer Erkrankung eine Dreifach-Kombination von Interferon Beta, dem Aids-Medikament Lopinavir/Ritonavir und dem Virusstatikum Ribavirin (ehemals in der Hepatitis vewendet) oder das Aids-Medikament allein.

Wenig überzeugend

Sowohl bei Ribavirin als auch bei Lopinavir/Ritonavir ging man zu Beginn der Covid-19-Pandemie von einem eher schwachen Effekt auf eine SARS-CoV-2-Infektion aus. Studien brachten bisher keine überzeugenden Hinweise. Die Studie lief zwischen 10. Februar und 20. März. Die insgesamt 127 Patienten wurden 14 Tage lang behandelt.

Das hauptsächliche Ergebnis: Unter der Kombinationstherapie wiesen die Patienten schon nach sieben Tagen keine SARS-CoV-2-Viren mehr in Abstrichproben auf, unter Lopinavir/Ritonavir allein dauerte das durchschnittlich zwölf Tage. Der Unterschied war statistisch signifikant. "Eine frühe antivirale Dreifach-Therapie war sicher und einer mit Lopinavir/Ritonavir allein überlegen in der Milderung der Symptome und im Verkürzen der Dauer der Virusausscheidung (...) bei Patienten mit milder bis moderater Covid-19-Erkrankung", schrieben die Wissenschafter. Diese Strategie sollte weiter untersucht werden.

Andere Strategien beschäftigen sich speziell mit der Verhinderung der lebensgefährlichen Lungenschädigungen, die offenbar durch eine überschießende Immunreaktion im Rahmen eines schweren Covid-19-Krankheitsverlaufes auftreten können. Steven Treon und seine Co-Autoren vom Dana-Farber Cancer Institute in den USA haben dazu aktuell erste Erfahrungen mit dem in der Behandlung von Blutkrebs seit kurzem eingesetzten Medikament Ibrutinib gesammelt.

Nebenwirkungen

Sechs hatten dieses Medikament täglich wegen ihrer hämatologischen Grunderkrankung eingenommen und sich eine SARS-CoV-2-Infektion zugezogen, die zu Symptomen führte. Obwohl es sich um Höchstrisiko-Patienten handelte, zeigten fünf von ihnen keine Atemprobleme und mussten auch nicht ins Spital aufgenommen werden. Der sechste Patient mit einer reduzierten Ibrutinib-Dosis wurde hingegen schwerkrank und überstand Covid-19 erst nach Erhöhung der Menge des eingenommenen Medikaments.

Eine Erklärung für den Effekt könnte sein, dass Ibrutinib als Bruton-Tyrokinase-Inhibitor die Ausreifung von aggressiven Immunzellen, zum Beispiel von Makrophagen (Fresszellen) behindert. Das könnte die gefährliche Immunreaktion in der Lunge verhindern bzw. mildern. Auf ähnlichem Weg könnte auch das in klinischer Erprobung bei Covid-19 stehende Rheumamedikament Tocilizumab wirken, das hemmend in Entzündungsreaktionen durch Blockade des Rezeptors für Interleukin-6 eingreift.

Patienten mit schwerer Covid-19-Erkrankung, die in eine Intensivstation aufgenommen werden müssen, entwickeln auch oft Durchblutungsstörungen. Das dürfte auf eine gesteigerte Blutgerinnung zurückzuführen sein. Hamburger Pathologen haben beispielsweise bei Autopsien von Covid-19-Opfern bei sieben von zwölf Patienten (58 Prozent) tiefe Beinvenenthrombosen festgestellt. In diesen Fällen hatte vor dem Tod kein Verdacht auf eine venöse Thromboembolie bestanden. Bei vier Patienten war eine Lungenembolie sogar die direkte Todesursache gewesen.

Das könnte auf eine durch SARS-CoV-2 hervorgerufene Gerinnungsstörung (Koagulopathie) hinweisen. So gelten erhöhte Blutgerinnungs-Laborwerte (D-Dimer-Test) zum Beispiel als Hinweis auf einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion. In den Covid-19-Behandlungsempfehlungen finden sich daher regelmäßig Hinweise auf eine oft notwendige Prophylaxe von Thromboembolien. Damit können potenziell lebensgefährliche Komplikationen verhindert werden.