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CoronakriseIm Kampf gegen Krise: Lufthansa und Gewerkschaften arbeiten zusammen

Piloten bieten Gehaltsverzicht als Sanierungsbeitrag um Arbeitsplätze zu erhalten.

© AP
 

In der Coronakrise arbeiten beim AUA-Mutterkonzern Lufthansa Management und Gewerkschaften enger zur Rettung des Unternehmens zusammen. Der Lufthansa-Vorstand besprach am Donnerstag mit den Gewerkschaften Verdi, UFO und Vereinigung Cockpit (VC) die Lage der Airline-Gruppe, die den Flugverkehr weitgehend einstellen musste.

Die Pilotengewerkschaft VC bot danach dem Arbeitgeber einen Gehaltsverzicht der Piloten von rund 350 Millionen Euro bis Mitte 2022 als Sanierungsbeitrag an. Zu dem Angebot wollte sich die Lufthansa nicht konkret äußern. "Bei dem Treffen mit den Tarifpartnern herrschte Einigkeit, konkret an Lösungen zu arbeiten, um die Krise gemeinsam zu bewältigen", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Das Ziel sei, so viele Mitarbeiter wie möglich an Bord zu halten.

Zu alter Stärke zurückführen

VC-Chef Markus Wahl erklärte, als Personal "im oberen Vergütungsbereich" wollten die Piloten Verantwortung übernehmen. "Wir hoffen, dass wir gemeinsam mit dem Lufthansa-Management das Unternehmen zu alter Stärke zurückführen können. Wichtig ist, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben und ein Kündigungsschutz vereinbart wird." Für manche Piloten bedeute das Angebot einen Verzicht auf bis zu 45 Prozent Gehalt gegenüber den Vergütungen in den vergangenen Boomjahren, als teilweise Pilotenmangel herrschte. Aufgrund des Einbruchs des Luftverkehrs gingen erstmals auch Piloten in Kurzarbeit. Die damit Ende März vereinbarte Senkung der Personalkosten im Cockpit um 50 Prozent reiche aber nicht aus, um die Lufthansa heil durch die Krise zu bringen. Der Konzernvorstand müsse im Gegenzug alles tun, um die Krise gemeinsam mit den Beschäftigten zu überwinden. Das Angebot gilt für die Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo, des Trainingscenters und der vor der Schließung stehenden Tochter Germanwings. Ähnliches könnte der VC zufolge auch für die Töchter Eurowings und Lufthansa Cityline vereinbart werden.

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO, mit der die Lufthansa in den vergangenen zwei Jahren immer wieder heftig im Streit lag, will angesichts der bedrohlichen Krise die Konflikte der Vergangenheit beiseiteschieben, wie UFO-Geschäftsführer Nicoley Baublies erklärte. "Wir wollen gerne endlich wieder gemeinsam die Bedingungen gestalten", sagte Baublies. UFO sei zu Krisengesprächen über einen Pakt für Zukunftssicherung und Beschäftigungssicherung bereit. Doch müsse es bei Zugeständnissen der Arbeitnehmer im Gegenzug eine Zusage zur Arbeitsplatzsicherung geben. Einbußen dürften nur vorübergehender Natur sein.

Zuvor hatte die Lufthansa eine gemeinsame Stellungnahme von Vorstandschef Carsten Spohr mit den Spitzen von Verdi und VC gegenüber der deutschen Bundesregierung zur Diskussion um das milliardenschwere geplante Rettungspaket des Staates für die Lufthansa veröffentlicht. Darin unterstrichen Arbeitgeber und Gewerkschaften, dass sie gemeinsam die Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung der Lufthansa sichern wollen. Der Konzern müsse als Airline-Gruppe von Lufthansa/Eurowings und den Töchtern Swiss, Austrian Airlines (AUA) und Brussels Airlines als bisher drittgrößter Carrier weltweit bestehen bleiben.

Paket über neun Milliarden Euro

Die seit Wochen anhaltende Diskussion über staatliche Hilfen für die Lufthansa wurde zuletzt immer kontroverser. Im Gespräch ist Insidern zufolge ein Paket über neun Milliarden Euro mit einem Mix aus direkter Beteiligung und staatlich garantierten Krediten. Unter den Koalitionsparteien CDU/CSU und SPD kam es zum Streit, wie stark der Staat künftig in das Unternehmen eingreifen soll. Sozialdemokraten forderten, durch eine staatliche Kapitalbeteiligung an der 1997 privatisierten Lufthansa Mitsprache zum Beispiel über Beschäftigung zu sichern. Verdi-Vizechefin Christine Behle bekräftigte: "Staatshilfe ist, wenn es alle schützt. Deshalb gilt es, die dringend benötigten staatlichen Darlehen mit der Sicherung von Arbeitsplätzen und -bedingungen zu verbinden." Unionspolitiker sprachen sich für eine stille Beteiligung aus, die dem Management mehr Freiheit lässt. Spohr lehnte zu viel Staatseinfluss gegenüber dem Wochenblatt "Zeit" ab. Hinter vorgehaltener Hand drohte die Lufthansa damit, lieber ein Insolvenzverfahren zu durchlaufen, als sich zu stark vom Staat an die Kandare nehmen zu lassen. Das ist ein Schreckensszenario für die Gewerkschaften, weil ein Unternehmen dann Mitarbeiter einfacher kündigen kann.


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