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Wenn Pflegekräfte aus dem Ausland wegfallenNeue Maßnahmen sollen Pflege-Notfälle abwenden

Laut Ministerin Köstinger werden ab April 14.600 Zivildiener im Gesundheits- und Pflegebereich eingesetzt.

Elisabeth Köstinger, Rudolf Anschober
Elisabeth Köstinger, Rudolf Anschober © (c) APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)
 

Die Regierung hat ein Maßnahmenpaket für die Pflege geschnürt. Es sollen 100 Mio. Euro bereitgestellt werden, um "Notsituationen" abzuwenden, sagten Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Zivildienstministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Dienstag. Die Regierung versucht einen Pflegenotstand abzuwenden, indem die Länder weitere stationäre Plätze schaffen und mobile Dienste verstärken.

Tausende Pflegekräfte aus dem Ausland fallen weg

Aufgrund der Einreisebeschränkungen werden tausende Pflegekräfte aus dem Ausland wegfallen. Wie viele das sein werden, lässt sich offenbar noch nicht abschätzen. In Kooperation mit den Ländern habe man ein Konzept aufgestellt, "um Notsituationen zu bewältigen und damit niemand allein gelassen wird", sagte Anschober.

Betroffen sind potenziell Hunderttausende. Derzeit gibt es 460.000 Pflegegeldbezieher. 100.000 werden stationär versorgt, 153.000 über mobile Dienste, 175.000 werden zuhause gepflegt, 33.000 beziehen eine 24-Stunden-Betreuung. "Das ist eine Herausforderung", so Anschober. Man habe ein Maßnahmenpaket geschnürt für Ersatzbetreuungsangebote, es werde aber "nicht möglich sein, in allen Fällen die bestehende Pflege aufrechtzuerhalten". "Das Ziel ist, Notsituationen abzuwenden und niemanden allein zu lassen."

Konkret werden bestehende Reserven in der stationäre Pflege ausgebaut und neue Kapazitäten in Kur- und Rehakliniken aufgebaut. Die mobilen Dienste werden ausgebaut und Zivildiener zur Verstärkung herangezogen, wobei letzte nur für die Basisversorgung herangezogen werden und keine ausgebildeten Pflegekräfte ersetzten können. Diverse Richtlinien und Vorschriften werden flexibilisiert und gelockert.

Rund 1.500 Zivildiener, die Ende März fertig wären, werden um drei Monate verlängert bzw. versetzt. Zivildiener in Einrichtungen, die geschlossen sind oder keinen Bedarf haben, werden in Einrichtungen versetzt, wo Unterstützung gebraucht wird.

3.500 Zivildiener zusätzlich ab 1. April

Zusätzlich haben sich 2.000 Freiwillige ehemalige Zivildiener gemeldet. Mit diesen drei Maßnahmen stehen mit 1. April rund 3.500 Zivildiener zusätzlich zur Verfügung. Gemeinsam mit den über 11.100 Zivildienern, die derzeit ordentlichen Dienst leisten, sind das rund 14.600 Zivildiener, rechnete Köstinger vor. Einrichtungen und Personen, die Unterstützung brauchen, müssen ihren Bedarf an Zivildienern bei der jeweiligen Landesstelle des Roten Kreuzes melden.

"Die Situation im Pflege-Bereich verschärft sich täglich. Wir unterstützen die ausgebildeten Pflegekräfte und hauptamtlichen Betreuer durch einen 'Assistenzeinsatz' unserer außerordentlichen Zivildiener", so Köstinger.

"Aber es wird der Tag X kommen"

Wie viele Betreuungskräfte aus dem Ausland wegfallen werden, weiß man offenbar noch nicht ganz genau. Derzeit sei der "überwiegende Teil noch da", sagte Anschober, "aber es wird der Tag X kommen". Die Regierung rechnet damit, dass viele nach Hause fahren werden. Wie viele aus dem Ausland nach Österreich kommen werden, ist noch ungeklärt.

Derzeit sehr unterschiedliche Einreisebedingungen

Wie kompliziert die Lage ist, zeigte eine Aufzählung Anschobers, wonach Arbeitskräfte aus Rumänien nicht kommen können, weil sie in Ungarn nicht durchkommen. Bulgaren können mit dem Flugzeug kommen, Kroaten können über Slowenien einreisen, wenn sie dort keinen Zwischenstopp machen. Ungarn können einreisen. "Es ist sehr unterschiedlich und für die Betroffenen sehr verwirrend", so Anschober. Das Außenministerium arbeite aber daran, Ausnahmeregelungen zu schaffen.

Die Hilfsorganisationen begrüßen die Maßnahmen der Regierung im Bereich der Pflege in Anbetracht der Coronavirus-Pandemie. Es sei "gut und richtig, dass in dieser Notsituation Mittel zur Verfügung gestellt werden", sagte etwa Caritas-Generalsekretär Bernd Wachter gegenüber der APA. Auch Diakonie, Hilfswerk und Volkshilfe zeigten sich erfreut, forderten teils aber noch weitere Schritte.

Der Österreichische Pensionistenverband war ebenfalls zufrieden. Präsident Peter Kostelka bewertete das angekündigte Maßnahmenpaket äußerst positiv. "Niemand, der Pflege und Betreuung bedarf, darf jetzt im Stich gelassen werden", sagte er in einer kurzen Mitteilung.


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Kommentare (27)

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UHBP
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Tausende Pflegekräfte aus dem Ausland fallen weg

Sind das nicht diese Geldgierigen, die die selbe Kinderbeihilfshöhe für ihre Kinder wie wir bekommen wollen?

SoundofThunder
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Genau!

Denen wurde das Kindergeld indexiert. Das ist jetzt nur ein kleiner Vorgeschmack was passiert wenn die Pflegekräfte sich woanders eine Beschäftigung suchen. Dann brennt bei uns der Hut! Das schafft nicht Corona (das geht vorüber) sondern KurzIV (der bleibt über).

Leo08
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24h Pflege

Im Mobilen Dienst und anderen Einrichtungen fehlten vor dem Virus schon Pflegekräfte. Des Weiteren kann der Mobile Pflegedienst keine 24h Pflege ersetzen.....

stern000
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24 Stunden

Könnte man die anreisenden Pflegekräfte nicht an den Grenzen testen?
Dass Zivildiener von 1 Tag auf den anderen einen 24 Stundenpflegefall übernehmen können, kann nur jemand glauben, der nicht in einer derartigen Situation ist!!!
Ich bitte die Regierungen der EU für die Pflegekräfte Regelungen zu schaffen, damit innerhalb der EU gefahrlose An- u Abreisen ermöglicht werden ( ob das mit Tests machbar ist, kann ich als Laie nicht beurteilen)!

UHBP
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@stern

Kein Zivi wird eine 24 Std. Pflege machen.
Da ja jetzt viele Angehörige auch zu Hause sind, vielleicht könnten die sich ja um ihre "Alten" kümmern? Ich weiß schon, ist anstrengend und wer will das schon machen.

Mein Graz
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@UHBP

Meine Mutter bedarf keiner Pflege, sie hat 24-Stunden-Betreuung.
Jahrelang habe ich meine Mutter selbst betreut. Es kam der Zeitpunkt, an dem dies nicht mehr möglich war - die physische und psychische Belastung war einfach zu groß. Die Abstände, in denen ich Erholung brauchte wurden immer kürzer, zuletzt hielt ich psychisch gerade einmal 2 Wochen durch. Dazu kam, dass die Liebe zur Mutter immer mehr verloren ging! Und das wollte ich nicht. Auch die Beziehung in der ich selbst lebe wurde extrem belastet, wobei ich das Glück habe, einen sehr verständis- und liebevollen Partner zu haben.

Jetzt hat meine Mutter 24-Stunden-Betreuung, und das ist das Beste, was wir machen konnten! Da geht es nicht darum, dass man sich nicht kümmern WILL, sondern dass es einfach nicht jeder schafft.

Also bitte nicht verallgemeinern, dass wer für seine Senioren Betreuung oder Pflege organisiert das nicht selbst machen will, denn das ist einfach falsch.

stern000
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Antwort auf Stern

Ich möchte auf Ihre Aussage reflektieren: erstens helfe ich als Angehörige seit beinahe 1 Jahr/ obwohl selbst 60+/ bei der Pflege mit, habe somit neben einem 100 % Job dadurch im Schnitt einen 12 Stunden Arbeitstag! Eine Pflegerin alleine schafft die ganze Arbeit nicht, auch wenn sie alles ganz toll macht- man darf sie auch nicht überfordern! Dazu kommt, dass sie nach 2-3 Wochen nach Hause fahren und sich erholen können.
Ich empfinde Ihre Äußerung „ anstrengend und wer will das schon machen“ doch etwas herabwürdigend!

Anndrea
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mobile Pfleger

fahren zu den älteren Menschen, bekommen aber keine Schutzmasken. Leider Tatsache.
Das ist ein Aufruf an unsere Bundesregierung!

hfg
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Besser als nichts

Aber wieder einmal versagt die Eu vollkommen. Es wäre doch Ihre Aufgabe das Problem mit bzw in den Mitgliedstaaten zu regeln. Es gelingt ja auch nicht einen freien unbedingt nötiger Warenverkehr für die Grundversorgung auf der Straße einzurichten. Es gibt überall kilometerlange Staus an den Grenzen. Bei jedem Problem, außer beim Geldverteilen, ist diese Organisation überfordert, hilflos und wie mir scheint unnötig. Eine Schönwetterorganisation .

UHBP
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@hlg

Du bist also gegen die Einstimmigkeit in der EU.
Du bist also dafür, dass die EU die Gesundsversorgung in den Mitgliedsstaaten regelt.
Du bist also dafür, dass die EU die Flüchtlingsfragen in den Mitgliedsstaaten regelt.
Denn nur wenn die einzelnen Staaten ihre Kompetenzen an die EU abgeben, dann kann die EU auch etwas machen.
Solange jedes Land in vielen Bereichen sein eigenens Süppchen kochen will, muss es das Land auch selbst ausessen.

hfg
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Ein Mindestmaß an

Durchsetzung bzw. Umsetzung muß aber gegeben sein. Es kann nicht sein, das verschiedene Länder sehrwohl hunderte Millionen von der EU (der Staatengemeinschaft) erhalten, aber dafür nicht einmal einer vernünftigen Regelung für die dringend benötigten Pflegehelferinnen zustimmt. Sondern sie entweder nicht ein-, durch,- oder Ausreisen läßt. Das gleiche gilt für die dringend benötigten Transporte für wichtige Güter usw.
Das wäre eindeutig Aufgabe der EU diese Maßnahmen und Regelungen rasch einzuführen und auch umzusetzen. Bei all diesen Erfordernissen ist die EU unfähig. Ganz abgesehen von der Flüchtlingsproblematik. Mir ist keine einzige Maßnahme, außer vielleicht zukünftige Geldverteilung bekannt - wo die EU irgendetwas in der Coronakrise unternommen oder bewirkt hat

archiv
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Ich über lassen das "Denken" was die aktuelle Corona-Krise betrifft ...

... den gewählten Politfunktionären.
Die drei K (Kurz, Kogler, Köstinger) sind erfahren genug, kennen sich aus und werden für uns nur das "Beste" jetzt umsetzen!

UHBP
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@arch..

Man könnte fast glauben du überlässt das Denken immer anderen.

Lodengrün
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Also wenn

das vorbei hoffe ich das man dem Herrn Anschober mehr als nur Anerkennung ausspricht. Der vermag uns mit einer Sicherheit und Kompetenz durch diese Zeit zu
manövrieren dass ich jeden Tag aufs Neue überrascht bin. Da kommt es ja von allen Seiten, und er wankt nicht. CHAPEAU

antipasti
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"Anschober for Chancellor",


oder haben sie an Geld oder einen Orden gedacht?

Ja, seine Ruhe ("mehr Tests zu verlangen ist populistisch"- O-tone am Montag, "testen, testen, testen", O-tone am Dienstag) ist wirklich bemerkenswert, wirkt sicher und kompetent!
Habe mich anfangs auch davon beeindrucken lassen ...

archiv
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Echt ...

... oder?

Lodengrün
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Ich

erwarte befruchtende Vorschläge

sammypulsar
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@Lodengrün

Ich verstehe ja ihre Lobhudelei für einen bis in die Wolle gefärbten Grünen, aber die Faktenlage ist doch ein wenig anders. Herr Anschober hat anfangs beschwichtigt (" Wir sind gut vorbereitet" und hat sich dann zumindest kurzfristig als politischer Autist geriert. Für den Zustand dieses Gesundheitssystems kann man ihn aber nicht zur Verantwortung ziehen, dass haben die Türkisen mit ihrer Effizienz Manie und dem Zu Tode sparen und Zusperren der Spitäler geschafft. Wer sich jemals der Mühe unterzogen hat und den bestehenden Pandemie Plan zu lesen, dem wird schnell klar, dass Papier geduldig ist.

stern000
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24 Stundenpflege, Pflegestufe 7

Sollte eine Pflegerin dzt zu Hause außerhalb Österreich s sein und zurück kommen wollen, muss sie zB aus Slowenien 2 Wochen in Quarantäne.
Eine Idee: könnten vom Staat Hotels angemietet werden, wo die Damen die 14 Tage mit Verpflegung verbringen können, dann könnten sie, sofern gesund, wieder arbeiten- vielleicht sind Damen interessiert? Sie wären dann allerdings länger als 3 Wochen von zu Hause weg (2+3)?!
Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Zivildiener eine 24 Stundenkraft ersetzen soll?

UHBP
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@stern

Zivildiener werden keine 24 Stunden Pflege machen.
Die Zivi Ministerin hat keine Antworten aber PR Auftritte. Das muss doch reichen, oder?

Fotomandalas
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Wie soll das gehen?

Junge Leute dürfen nicht zu den Großeltern. Junge Leute sollen nun doch
alte Menschen pflegen? Ohne Ausbildung. Sie sollen kochen, waschen putzen?
Viele können ja gar nicht kochen. Einen Haushalt mit einer kranken Person zu
führen, ist ja kein Nebenjob. Außerdem, wer bleibt in der Nacht dort. Die Wunden
versorgen, die Windeln wechseln. Wie soll das funktionieren. Das bringt die
Pfleger an ihre Grenzen.

urro
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Wenn man muss,...

schafft man Dinge von denen man gar nicht gewusst hat, dass man sie kann. Man darf ruhig mehr Vertrauen in die Jugend haben.
Für spezielle Pflege sind die Zivildiener auch nicht gedacht - da werden die Rehaeinrichtungen einspringen. Hoffen wir, dass unsere Ressourcen annährernd dafür ausreichen werden.

UHBP
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@foto...

Es geht ja nicht um das Wie!
Auch in Krisenzeiten darf die PR nicht zu kurz kommen.

metropole
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NAIV

Die Köstinger ist der Meinung mit Zivildienern diesen Pflegenotstand lösen zu können -alles ausgewiesene Experten.damit beweist sie wieder einmal dass sie von der Materie keine ahnung hat.

urro
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Das...

hat sie so nicht gesagt... es heißt, wer lesen kann ist stark im Vorteil - das gilt auch fürs Zuhören...

UHBP
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In Krisenzeiten

sind halt Männer gefragt (Soldaten und Zivildiener). ;-)
Bleibt gesund!

 
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