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Robert-Koch-InstitutKein Impfstoff vor Frühjahr 2021

Lothar Wieler, Präsident des deutschen Robert-Koch-Instituts, schätzt, dass es im Frühjahr 2021 einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben wird. Die Weltgesundheitsorganisation koordiniert eine Studie mit fünf Medikamenten.

Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn (links) und Lothar Wieler
Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn (links) und Lothar Wieler © APA/AFP/JOHN MACDOUGALL
 

Das deutsche Robert-Koch-Institut hat Hoffnungen auf einen baldigen Impfstoff gegen das Coronavirus gedämpft. "Ich persönlich schätze es als realistisch ein, dass es im Frühjahr 2021 sein wird", sagte Präsident Lothar Wieler am Mittwoch. Alles, was bürokratisch machbar sei, müsse getan werden. Klinische Testphasen aber könne man nicht verkürzen.

"Wir müssen ein Sicherheitsprofil haben. Impfstoffe können ja Nebenwirkungen haben", sagte Wieler. Zuvor hatte Dietmar Hopp, Miteigentümer des deutschen Biotechunternehmens CureVac, davon gesprochen, möglicherweise bereits im Herbst einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 liefern zu können. CureVac ist eines von vielen Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen, die derzeit weltweit an möglichen Impfstoffen arbeiten.

Der Berliner Virologe Christian Drosten stellte am Mittwoch im NDR-Podcast die Idee in den Raum, über Lockerungen für die Zulassung von Impfstoffen nachzudenken, wenn die Gesellschaft erhöhte Todesraten in der älteren Bevölkerung nicht akzeptieren wolle. Man müsse für die Risikogruppen irgendetwas machen, sagte er mit Blick auf Modellierungen des Imperial College London zu möglichen Effekten der Eindämmungsmaßnahmen. Die Aussichten seien zum Verzweifeln.

"Wir müssen uns jetzt hinsetzen und miteinander sprechen über Möglichkeiten", so Drosten. Er kam etwa auf relativ weit entwickelte Impfstoffe zu sprechen, die für das alte ARS-Virus ausprobiert worden seien. Generell seien all das aber schwierige Entscheidungen.

"Forscher setzen auf biotechnologische Verfahren"

Bei der Suche nach einem wirksam vor der Erkrankung Covid-19 schützenden Impfstoff setzen Forscher auf biotechnologische Verfahren. Dabei wird nicht wie üblicherweise das Virus selbst zur Herstellung eines Impfstoffes benötigt, sondern lediglich seine genetische Information. Das soll zumindest die Zeit verkürzen, die es braucht, um einen Impfstoffkandidaten für die Prüfung in klinischen Studien bereitzustellen.

Die Entwicklung eines Impfstoffkandidaten ist allerdings nur der erste Schritt. Langwierig wird es danach: Die Zulassung und klinische Prüfung des Kandidaten sind die Entwicklungsphasen, die am meisten Zeit verschlingen. Nach Versuchen in Zellen und im Tiermodell sowie der toxikologischen Testung wird die Sicherheit eines Impfstoff-Kandidaten zunächst an wenigen Menschen getestet. Dann folgen größere klinische Studien.

In den USA hat bereits ein Freiwilliger testweise einen möglichen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus injiziert bekommen, wie die zum US-Gesundheitsministerium gehörenden National Institutes of Health (NIH) am Montag mitteilten. Insgesamt 45 gesunde Teilnehmer zwischen 18 und 55 Jahren sollen in den kommenden Wochen an dem Sicherheitstest teilnehmen.

Der Impfstoff namens "mRNA-1273" wird gemeinsam mit der privaten Biotechnologie-Firma Moderna entwickelt. Die erste Testphase habe in "Rekordzeit" gestartet werden können, sagte Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten. Der gesamte Prozess der Entwicklung werde aber voraussichtlich mindestens ein bis eineinhalb Jahre dauern.

WHO koordiniert Studie mit fünf Medikamenten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) leitet eine großangelegte Studie zur Wirksamkeit von fünf Medikamenten bei der Behandlung von Coronavirus-Infizierten. Krankenhäuser in neun Ländern beteiligten sich bereits daran, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf. Darunter sind Frankreich, der Iran, Norwegen und Spanien.

Die Zahl der nachgewiesenen Fälle weltweit überschritt am Mittwoch die Marke von 200 000 weltweit. Mehr als 8.000 Infizierte starben. Unter den getesteten Wirkstoffen sind antivirale Medikamente, die etwa gegen das HI-Virus entwickelt wurden, das die Immunschwächekrankheit AIDS auslösen kann.

Wegen der hohen Belastung des medizinischen Personals seien die Fragen simpel gehalten: Ärztinnen und Ärzte vermerken, wie viel Zeit Patienten, die mit den Mittel behandelt werden, im Krankenhaus oder auf der Intensivstation verbringen und ob sie sich erholen. Gleichzeitig hätten auch die ersten Tests mit einem Impfstoff begonnen, sagte Tedros.


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