Am Wochenende kam es bei einem Kinder-Fußballturnier in Sarajevo, Bosnien-Herzegowina, mit über 6500 Teilnehmern, für Kinder zwischen 7 und 14 Jahren, zu nationalistisch motivierten Gewaltattacken. Die Angriffe ereigneten sich sowohl unter den Mannschaften als auch abseits des Spielfelds. 

Beim ersten Vorfall gerieten kroatische und serbische Jugendliche aneinander. Während sich ihre Mannschaften am Feld gegenüberstanden, riefen ihnen Reservespieler, offenbar aus Split, ultranationalistische Parolen zu: "Töte, töte den Serben!" Das Video der singenden Kinder landete kurz darauf im Netz.

In Sarajevo kam es noch in derselben Nacht zu einem weiteren Angriff. Eine Gruppe vermummter Hooligans hatte Eltern serbischer Spieler angegriffen. Ein Hooligan verletzte einen Vater mit einem Messer. Zehn Personen wurden festgenommen. Die Bürgermeisterin von Sarajevo, Benjamina Karić, und der Präsident der Republika Srpska, Milorad Dodik, reagierten mit Entsetzen auf die Veranstaltung. Auch die Veranstalter zeigten sich bestürzt über die Vorfälle. Auf Facebook schrieben sie: "Wir verurteilen diese politisch motivierten Ereignisse zutiefst. So etwas darf hier keinen Platz haben."

Nationalistische Parolen sind keine Seltenheit

Die erschreckenden Bilder sind aber längst keine Seltenheit bei Fußballspielen kroatischer oder serbischer Nationalmannschaften. Erst kürzlich stand der kroatische Nationalspieler Dejan Lovren in der Kritik, weil er nach dem Sieg Kroatiens gegen Marokko, um Platz drei bei der WM, nationalistische Lieder des umstrittenen kroatischen Sängers Marko "Thompson" Perković sang und dabei immer wieder die rechte Hand hob.

Dejan Lovren singt das nationalistische Volkslied "Bojna Čavoglave" nach dem Sieg Kroatiens gegen Marokko
Dejan Lovren singt das nationalistische Volkslied "Bojna Čavoglave" nach dem Sieg Kroatiens gegen Marokko
© Screenshot/KK

Später war Lovren zu Gast beim nationalistischen Fernsehmoderator Velimir Bujanec "Bujica" und rechtfertigte sein Verhalten mit den Worten: "Za domovinu sam uvijek spreman", "Für die Heimat bin ich immer bereit". Der Spruch geht auf eine Grußformel aus den 1930er-Jahren zurück und wurde als Wahlspruch von den faschistischen Ustascha in Kroatien verwendet. Kurz "Za Dom!", "Für die Heimat", ist ein Schlachtruf, der immer wieder bei Spielen der kroatischen Nationalmannschaft zu hören ist.

Auch in Wien war es kürzlich zu nationalistischen Auseinandersetzungen zwischen serbischstämmigen Jugendlichen und Albanern gekommen. Grund war das Fußballmatch zwischen Serbien und der Schweiz. Nach gegenseitigen Provokationen zwischen serbischen Spielern und albanischstämmigen Schweizern nutzten Fans die Ausschreitungen, um ein politisches Statement zu setzen und dort lautstark gegen Albaner zu skandieren. Die Serben riefen zum Mord an Albanern auf.