Prunkvolle Decks, edle Verzierungen, klangvolle Namen: Lange waren die Luxusjachten der russischen Oligarchen unter anderem im Mittelmeer unterwegs. Mit dem 24. Februar dieses Jahres änderten sich die Verhältnisse jedoch. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine waren die Boote aus der russischen Luxus-Flotte in den meisten EU-Staaten mit einem Schlag geächtet. Fortan hatten ihre Besitzer meistens zwei Optionen: ihre Schiffe rechtzeitig in Sicherheit zu bringen oder das Risiko einzugehen, dass sie beschlagnahmt werden.

Wo es sich sicher ankern lässt – und wo nicht

Ersteres gelang Ex-Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch: Noch bevor sie beschlagnahmt werden konnten, brachen einige seiner Superjachten in Richtung Türkei auf, wo ihnen fortan keine Gefahr mehr drohte. Kein Einzelfall unter den Oligarchen, denn bekanntlich tragen nicht alle Staaten die Sanktionen gegen das Putin-Regime und seine Komplizen mit. An diesen Orten haben die Besitzer in der Regel keine Maßnahmen mehr zu befürchten.

Abramowitschs Superjacht "Eclipse", hier auf einem Archivbild im Jahr 2010
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Deutlich schlechter erging es der "Axioma", die offenbar dem Putin-Vertrauten Dmitrij Pumpjanskij gehört. Sie wurde dieser Tage in Gibraltar festgesetzt – ihr Besitzer konnte sich den Luxus unter dem Druck der Sanktionen nicht mehr leisten. Nun soll das Boot als erste beschlagnahmte Oligarchen-Jacht versteigert werden. Deutlich unter Marktwert, wie ein zuständiger Anwalt versichert.

Die "Dilbar", die dem reichen Metallmagnaten Alisher Usmanov gehört, ereilte ein ähnliches Schicksal. Das über 700 Millionen Euro teure Vehikel ankerte zu Kriegsausbruch im Hamburger Hafen, ein aus der Sicht des Oligarchen durchaus unglücklicher Umstand. Denn dort wird sie nach ihrer Festsetzung im April aller Voraussicht nach auch bleiben.

Besser ging den Besitzern der größten Segeljacht der Welt. Nach sechs Monaten Trockendock stach die "A", wieder in See. Sie kreuzt vor Triest. Ihr Eigentümer, Putin-Freund Andrei Melnitschenko, hat Klage gegen die Beschlagnahmung durch die EU eingebracht.

 

Das undichte Fangnetz der Sanktionen

Neben Deutschland beteiligten sich vor allem Staaten wie Italien und Frankreich intensiv an der Festsetzung von Luxusgütern im Besitz der Oligarchen, eine Tatsache, die angesichts der weitläufigen Küstenabschnitte der beiden Länder nicht umsetzbar scheint.