Zehn EU-Mitglieder fordernFrankreich will ausbauen: Atomkraft soll "grüne Energiequelle" werden

Angeführt von Frankreich wollen zehn EU-Mitgliedsstaaten in Brüssel erwirken, dass Kernenergie als grüne Energiequelle klassifiziert wird. Europäische Gegenbewegung mit Österreich.

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Kernreaktoren
Ist Kernenergie eine grüne oder umweltschädliche Energiequelle? © (c) APA/AFP/GUILLAUME SOUVANT (GUILLAUME SOUVANT)
 

Solar- und Bioenergie, Geothermie, Wind- und Wasserkraft sowie Wasserstoff - plus Atomenergie? Der Weg zur Klimaneutralität ist ein weiter. Angeführt von Frankreich, versuchen zehn EU-Mitgliedsstaaten diesen Weg abzukürzen und wollen bei der Europäischen Kommission erwirken, dass Kernenergie, so wie die oben genannten Energiequellen, als "grüne Energiequelle" klassifiziert wird. 

Frankreich fordert, dass man Kernenergie als Teil der Lösung im Kampf gegen den Klimawandel betrachtet müsse. Bruno Le Maire, Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister, möchte nun den Ausbau von Atomkraft in Europa vorantreiben: "Kernenergie muss ein Teil dieser Lösung sein", schrieb Le Maire gemeinsam mit weiteren europäischen Ministern in einem offenen Brief, der der "Welt" (Montagausgabe) vorlag. 

Kernenergie: Gefahr oder Chance?

"Wenn wir den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen wollen, brauchen wir Kernenergie", heißt es weiter in dem offenen Brief. "Sie ist für uns alle ein unverzichtbarer und verlässlicher Faktor für eine kohlenstofffreie Zukunft." Kernenergie sei "eine saubere, sichere, unabhängige und wettbewerbsfähige kohlenstoffarme Energiequelle", so der Minister.

In dem Brief, den unter anderem auch der polnische Umweltminister Michal Kurtyka und der finnische Wirtschaftsminister Mika Tapani Lintilä unterschrieben haben, heißt es weiter: "Für uns Europäer bedeutet die Kernenergie eine Chance, eine starke, ausgesprochen rentable Industrie zu entwickeln, Tausende von qualifizierten Arbeitsplätzen zu schaffen, unsere Führungsrolle in Sachen Klimaschutz zu stärken und Europas strategische Autonomie und Energie-Unabhängigkeit zu sichern." Die Unterzeichner fordern, diese Chance "nicht ungenutzt" zu lassen.

Atomkraft ist unvereinbar mit dem Prinzip der Taxonomie-Verordnung, keinen nennenswerten Schaden anzurichten.

Regierungsvertreter der Anti-Atomkraftallianz

Doch es gibt auch eine Gegenbewegung innerhalb der Europäischen Union. Deutschland plant, alle Reaktoren bis 2022 abzuschalten. Gemeinsam mit Österreich, Dänemark, Spanien und Luxemburg bildet man die europäische Bewegung gegen Atomkraft. Im Juli positionierte man sich klar gegen die Idee, Nuklearenergie in das Klassifikationsschema (Taxonomie) für grüne Finanzinvestments aufzunehmen: "Wir sind besorgt, dass die Aufnahme der Kernenergie in die Taxonomie deren Integrität, Glaubwürdigkeit und damit ihren Nutzen dauerhaft beschädigen würde."

Eine baldige Lösung oder ein Ende der Debatte sind nicht in Aussicht. Klar ist nur, dass noch kein europäischer Konsens darüber herrscht, ob Atomkraft eine grüne oder umweltschädliche Energiequelle ist. Eine weitere Frage, die man sich in Anbetracht vergangener nuklearer Unfälle stellen muss, ist die nach der Sicherheit. Alles in allem sei ein Atomkraftwerk aus österreichischer Sicht keine Lösung, sagt Umweltministerin Leonore Gewessler im Kleine-Zeitung-Talkum das AKW Krško. Zu langsam und zu teuer die Errichtung, zu gering der notwendige Klimabeitrag und, im Falle des tatsächlichen Eintretens einer nuklearen Katastrophe, zu groß die Gefahr – insbesondere für Österreich.

Kommentare (3)
deCamps
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8
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Verständlich. Die Franzosen gewinnen ihre Energie zu 70% aus Atomenergie.

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13 der 27 EU-Staaten betreiben Atomkraftwerke in Europa. Mit 106 Reaktoren stehen hier ungefähr ein Viertel der weltweiten Reaktoren. 1989 gab es in den Mitgliedsstaaten allerdings noch 177 Reaktoren in den AKWs in Europa.
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Belgien 7 0 Ausstieg bis 2025 beschlossen 47,56
Bulgarien 2 0 Neubaupläne (Baustelle in Belene suspendiert) 37,53
Dänemark 0 0 Keine KKW, Parlamentsbeschluss 1985 -
Deutschland 6 0 Beschleunigter Ausstieg bis 2022 beschlossen 12,36
Finnland 4 1 Neubauprojekt 34,71
Frankreich 57 1 Keine Ausstiegspläne, Reduktion des Anteils auf 50 Prozent bis 2030 angepeilt, Neubaupläne suspendiert 70,58
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In 30 Ländern weltweit sind aktuell rund 440 Atomkraftwerke in Betrieb und tragen zirka 11 Prozent zur weltweiten Stromerzeugung bei. Davon liegen 185 Atomkraftwerke in Europa. Das durchschnittliche Alter der Kraftwerke beträgt weltweit knapp 30 Jahre.
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War erstaunt als ich das feststellen musste. Mit meiner Wohnung in Belgien werde ich vom atomaren Netz von Finnland aus beliefert. Man muss sich bewusst werden, dass die atomare Energie Länderübergreifend umfangreich vernetzt ist.

deCamps
3
5
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Langfristig über mehrere Generationen hinaus.

Egal für welchen Zweck und in welchen Bereich. Die natürlichste, sauberste und kostengünstigste ist und bleibt die Sonnenenergie. Darauf sollte man sich weltweit ausrichten, einstellen und dementsprechend forschen und entwickeln.

Hako2020
3
1
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Nur

mit Sonne und Wind wird man keine Stromstabilität erreichen.
Musste auch bis jetzt immer Gas-KWs hochgefahren werden,
um eine Stabilität zu erreichen.
Atomstrom ist noch immer eine saubere Energie.