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Empörte ReaktionenProminenter Mafia-Boss nach 25 Jahren Haft wieder frei

Sizilianer hatte den Auslöser der Bombe gedrückt, die 1992 den Mafia-Jäger Giovanni Falcone tötete.

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Giovanni Brusca bei seiner Festnahme im Mai 1996 © Di Alessandro Fucarini - (EN) Chris Quinn, Notorious hit men through the years, su mysanantonio.com, 9 settembre 2016., Pubblico dominio, https://it.wikipedia.org/w/index.php?curid=6527155
 

Der wegen mehrerer Mafia-Delikte verurteilte Ex-Boss Giovanni Brusca ist am Montag nach 25 Jahren Haft freigekommen. Der 64-jährige Sizilianer, der zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, hat die römische Strafanstalt Rebibbia verlassen, berichteten italienische Medien. Er wird sich zwar in den nächsten vier Jahren regelmäßig bei der Polizei melden müssen, er ist jedoch auf freiem Fuß.

Brusca hatte den Auslöser der Bombe gedrückt, die im Mai 1992 in Palermo den Mafia-Jäger Giovanni Falcone tötete. Der Mafioso wurde vier Jahre später festgenommen. Bald begann er, mit den italienischen Justizbehörden zu kooperieren. Danach gestand er, er habe über 100 Menschen getötet. Bruscas Aussagen sind teils jedoch sehr umstritten und werden angezweifelt.

Brusca ist unter anderem als Auftraggeber für eines der grausigsten Mafia-Verbrechen verantwortlich: Die Entführung und Ermordung des elfjährigen Sohnes eines Mafia-Kronzeugen, dessen Leiche später in Salzsäure aufgelöst wurde. Brusca bekam allein dafür 30 Jahre Haft. Wegen seiner Zusammenarbeit mit der Justiz, die zu mehreren Festnahmen anderer Mafiosi führte, hatte Brusca 2019 um Hausarrest gebeten, sein Gesuch war jedoch abgelehnt worden.

Empörte Reaktionen in Italien

Die Freilassung eines Bosses, der über 150 Delikte verübt und angeordnet hat und für den Tod des Anti-Mafia-Staatsanwalts Giovanni Falcone und seiner Eskorte 1992 verantwortlich ist, ist eine Schande für Italien und ein Affront gegenüber den Mafia-Toten und ihren Angehörigen. 25 Jahre Haft sind zu wenig für das, was er getan hat", protestierte die Rechtspolitikerin Giorgia Meloni, Chefin der Oppositionspartei "Fratelli d ́Italia" (Brüder Italiens).

Lega-Chef Matteo Salvini bezeichnete Bruscas Freilassung als "abscheulich". "Wir respektieren die Gesetze, doch diese Gesetze müssen geändert werden. Brusca ist eine Bestie, die das Gefängnis nicht verlassen darf. Wenn jemand die lebenslange Haft verdient, dann ist es er", so Salvini im Interview mit dem TV-Sender Calan 5 am Dienstag.

Als "Faustschlag" bezeichnete Sozialdemokratenchef Enrico Letta die Freilassung des Mafia-Bosses. "Wir fragen uns, wie ist es möglich?", sagte Letta. Der Ex-EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani, Koordinator der Regierungspartei Forza Italia um Expremier Silvio Berlusconi, meinte, ein Krimineller wie Brusca dürfe keinerlei Strafbegünstigung erhalten.

Kommentare (8)
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dieRealität2020
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Hier stellt sich jedoch die Frage zur Verhältnismäßigkeit.

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Hätte er einfach maßgebliche große Mafia Bosse und Familienclans hingehängt, dann wäre er seines Lebens bei Hausarrest nicht mehr sicher gewesen (das zeigt die Realität nicht nur in Italien der letzten 30 Jahre weltweit) denn dann dürfte er jetzt nach einer Haftentlassung genauso seines Lebens nicht mehr sicher sein. Ich denke und vermute das waren eherzum Teil Räubergeschichten mit den er letztendlich nur in der mittleren Ebene Konkurrenten von einflussreicher Mafia Bossen und Familienclans hingehängt hat.

dieRealität2020
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Hier geht es nicht allein um Moral und Ethik, sondern es stellt sich letztendlich die Frage

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was entspricht an diesen Hinweisen den Tatsachen und einer Verhältnismäßigkeit. >>>>>> Bald begann er, mit den italienischen Justizbehörden zu kooperieren. <<<<<<< Wird durch diese Hinweise ein großer Teil von organisierten Schwerverbrechen aufgedeckt? Dann wäre es verständlich. Was aber schwer zugänglich ist, da diese Vereinbarungen verständlicherweise immer hinter verschlossenen Türen abgehandelt werden. Aus meiner Sicht dient das eher zur Beruhigung der Gesellschaft.

Eine verständliche der heutigen Zeit des 20. Jahrhundert und immer mehr der breitflächiger werdenden organisierten Kriminalität entsprechende Versuch diese einzudämmen bzw. auf einen Status quo zu halten.
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Es kann doch nicht geleugnet werden, schon seit 150 Jahren ist diese Art der Kriminalität Bestandteil unserer Gesellschaften und insbesondere tief in der italienischen Gesellschaft bald mehr als 50 % verwurzelt.
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Die Völkerwanderung wird ihres für Europa und der EU mit ihren Mitgliedsländer noch einiges dazu beitragen.
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Die tatsächliche Problematik liegt meiner Meinung in den immer weiter fortschreitenden Gleichstellungs-Gleichberechtigungs- und Menschenrechtsgesetzen. Vor allem in diesen derzeitigen Formen und Durchführungsbestimmungen wie sie derzeit immer mehr gehandhabt werden.

Shiba1
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Nachdem er mehrere Mitglieder der Familie verpuffen hat,

würd ich nicht allzu viel auf sein Überleben verwetten.
Da findet sich sicher einer....

Shiba1
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..verpfiffen..

Die Rechtschreibkorrektur kennt das Wort nicht..

Peterkarl Moscher
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Kasperltheater

Frei nach 100 Morden, das kann nicht mehr ganz richtig sein, Lebenslang
aber mit Sicherheitsverwahrung.

Mezgolits
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... doch diese Gesetze müssen geändert werden.

Vielen Dank - das meine ich auch + das unrechtliche Sterbehilfe-Gesetz.

gehtso
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dass jemand,

der einen Staatsanwalt ermordet hat und behauptet, fast 100 Morde begangen zu haben, überhaupt freikommt, kann wohl niemand verstehen

Dissentio
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naja...

"Wegen seiner Zusammenarbeit mit der Justiz, die zu mehreren Festnahmen anderer Mafiosi führte, hatte Brusca 2019 um Hausarrest gebeten, sein Gesuch war jedoch abgelehnt worden." .....damit gilt er ohnehin quasi als vogelfrei....