In der Geschäftswelt ist er einer der ersten Prüfsteine im Meeting: der Händedruck. Nicht zu lasch sollte er sein, mit festem Blickkontakt. Ritual und Statusverhalten. Freundschaftliche Umarmungen, die gesellige Abende einleiten oder das Bussi-Bussi, das einer ganzen Gesellschaft seinen roten Kussmund aufgedrückt hat. Lieb gewordene Gesten, die man sich nun im Sinne aller verkneifen muss. Das Coronavirus verbietet uns die von Kindesbeinen auf anerzogene, gesellschaftlich erwartete Höflichkeit.

Aber: Wo ein Hallo, da ein Weg. Deswegen dauerte es auch nicht lange bis in Netz, Wirtschaft und Politik kreative Alternativen geboren waren. Zum Beispiel beim so genannten „Wuhan-Shake“, wo ganz locker die Fußspitzen des Gegenübers links und rechts berührt werden. Bein-Bussi-Bussi – ganz virenfrei.

Namaste

Ein anderes Netz-Video zeigt die Konzern-Veranstaltung, wo sich Moderator und Vortragender die Hände mit einigen Zentimetern Abstand zwischen den Handflächen schütteln, was dann doch ein bisschen an Laien-Theater erinnert.

Prinz Charles dagegen greift beim offiziellen Anlass auf die indische Begrüßung „Namaste“ zurück. Hier werden die Handflächen aneinander gelegt und der Kopf nach vorne gebeugt. Gar nicht so einfach. Auch hier existiert ein Internetvideo, in dem zu sehen ist, wie schwer sich der Prinz die zum Gruß entgegen gestreckte Hand verkneifen kann.

Auch Emmanuel Macron hält seinen Besuch, das spanische Königspaar, mit Namaste hinduistisch-höflich auf Distanz. Benimm-Experten sind sich in diesen Tagen aber einig: Es gibt kein richtig oder falsch. Wichtig sei bloß, dem Gegenüber klar zu kommunizieren, warum man den Handschlag ausschlägt. Nämlich, um sich und damit auch andere vor Ansteckung zu schützen.

Ein Umstand, der schwerfällt, ist das Begrüßungsritual doch fest in der Gesellschaft verankert. Wie sehr ein „Nein“ in diesem Bereich verstören kann, zeigt eine Begegnung zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Horst Seehofer, der Merkels entgegengestreckte Hand ablehnt. Auch hier ist wohl wieder einmal die hohe Kunst der Diplomatie gefragt.

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