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Grünes Gewölbe in DresdenSpektakulärer Einbruch in Schatzkammer: Video zeigt Millionencoup

Bei einem Einbruch in das Historische Grüne Gewölbe in Dresden sind drei Juwelengarnituren von unschätzbarem Wert entwendet worden. Ein von der Polizei veröffentlichtes Überwachungsvideo zeigt die Tat.

Einer der Männer geht auf eine Vitrine zu und schlägt mit einer Axt auf das Sicherheitsglas ein © Screenshot Youtube
 

Bestürzung, ungläubige Gesichter: Vor den Türen des Dresdner Residenzschlosses stehen am Montagmorgen zahlreiche Besucher vor verschlossenen Türen. Ein Schild am Eingang weist darauf hin, dass das Museum aus "organisatorischen Gründen" geschlossen bleibt. Die Nachricht dahinter ist ein Schock: Es gab einen spektakulären Kunstraub in Dresdens berühmter Schatzkammer, dem Grünen Gewölbe.

Drei Juwelengarnituren ließen die unbekannten Diebe mitgehen. Ihr Wert lässt sich finanziell gar nicht beziffern, hieß es. Als das ganze Ausmaß gegen Mittag bekannt wird, stehen manchem Beschäftigten der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) Tränen in den Augen. "Das ist wie in einem schlechten Film. Ich hätte nie gedacht, dass sich so etwas mal erleben muss", sagt eine Mitarbeiterin. Betroffenheit auch in Gesichtern derjenigen, die wenig später das Unerklärbare erklären müssen.

Zur Fahndung nach den Kunstdieben hat die Polizei die Bilder einer Überwachungskamera veröffentlicht. Ein Video zeigt, wie zwei Personen mit Taschenlampen in das Juwelenzimmer eindringen. Einer der Männer geht auf eine Vitrine zu und schlägt mit einer Axt auf das Sicherheitsglas ein.

"Schockiert"

"Ich brauche ihnen nicht zu sagen, wie schockiert wir sind, auch von dieser Brutalität des Einbruchs", sagt SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann. Es handle sich um einen "unschätzbaren kunsthistorischen und kulturhistorischen Wert". August der Starke habe sich ja immer im Wettbewerb befunden mit Ludwig dem XIV. Mit solchen Garnituren habe er den Sonnenkönig hinter sich lassen wollen. Die besondere Bedeutung liege darin, dass die Garnituren als Ensembles erhalten blieben. Ackermann spricht von Sachsens Staatsschatz des 18. Jahrhunderts.

Das ist wie in einem schlechten Film. Ich hätte nie gedacht, dass sich so etwas mal erleben muss

Eine Mitarbeiterin des Museums

Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes, verortet den Wert der geraubten Kunstschätze weit über die Grenzen Sachsens hinaus und spricht von einer Art "kulturellem Welterbe". Es gebe nirgendwo in einer Sammlung in Europa eine Juwelengarnitur, die in dieser Form, dieser Qualität und dieser Quantität erhalten blieb. In vier Vitrinen waren insgesamt zehn Garnituren ausgestellt, eine Vitrine mit drei Garnituren wurden ausgeraubt. Zunächst konnten Syndram und Kollegen selbst den Schaden gar nicht in Augenschein nehmen. Erst sollte die Spurensicherung ihre Arbeit verrichten.

Ackermann, Syndram und die Spitze der Dresdner Polizei müssen sich bohrenden Fragen stellen. Normalerweise wird über das Sicherheitskonzept eines Museum schon deshalb Stillschweigen bewahrt, damit Kriminelle nicht an Details herankommen. An diesem Tag müssen die SKD dennoch Einzelheiten bekannt geben. Nach den bisherigen Ermittlungen drangen die Täter über ein vergittertes Fenster mit Sicherheitsglas ein. Die mit Panzerglas geschützte Vitrine hielt den Werkzeugen der Räuber gleichfalls nicht stand.

Wachleute beobachteten die Tat

Zwei Wachleute, die in der Zentrale Dienst haben, beobachten die Täter während der Tat über Monitore. Nach den Vorgaben dürfen sie nicht selbst eingreifen, sondern müssen die Polizei informieren. Die nimmt eine Minute vor 5 Uhr am Morgen den Notruf entgegen. Fünf Minuten später ist der erste Funkstreifenwagen vor Ort, die Täter aber schon auf und davon - offenkundig wieder durch das Fenster.

Spektakuläre Diebstähle aus Museen

Der Einbruch ins Dresdener Grüne Gewölbe reiht sich ein in eine Liste spektakulärer Diebstähle aus Museen:

  • Berlin, März 2017: Aus dem Bode-Museum auf der Museumsinsel stehlen Einbrecher eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze im Wert von 3,75 Millionen Euro. Seit Jänner 2019 stehen mehrere Männer vor Gericht. Die Polizei nimmt an, dass die Münze eingeschmolzen wurde.
  • Verona, November 2015: Bewaffnete rauben aus dem Museum Castelvecchio 17 Renaissance- und Barockgemälde im Wert von geschätzt etwa 15 Millionen Euro. Die Bilder etwa von Tintoretto und Peter Paul Rubens tauchen wieder auf. Die Täter müssen bis zu rund 10 Jahre in Haft.
  • Zürich, Februar 2008: Bewaffnete Männer rauben vier Ölgemälde im Wert von 180 Millionen Schweizer Franken aus der Sammlung Bührle, darunter Werke von Claude Monet und Vincent van Gogh. Vier Jahr später sind alle Bilder wieder da. Die Täter kommen bis zu sieben Jahre in Haft.
  • Oslo, August 2004: Bewaffnete überfallen das Munch-Museum und rauben eine Version des Gemäldes "Der Schrei" und das Werk "Madonna". Schätzwert: insgesamt 90 Millionen Euro. Beide Gemälde tauchen wieder auf, die Diebe müssen für mehrere Jahre ins Gefängnis.
  • Wien, Jänner 2003: Benvenuto Cellinis Salzfass "Saliera" wird aus dem Kunsthistorischen Museum (KHM) gestohlen, drei Jahre später wird der Täter verhaftet, das Kunstwerk wird in einem Wald wiedergefunden. Schätzungen zum Wert des als eigentlich unschätzbar bewerteten Kunstwerks lagen anlässlich des Diebstahls um die 50 Millionen Euro.
  • Berlin, April 2002: Neun Gemälde bekannter Expressionisten im Wert von rund 3,6 Millionen Euro verschwinden aus dem Brücke-Museum. Wenige Wochen später werden die Bilder von Künstlern wie Emil Nolde oder Max Pechstein sichergestellt. Die Täter wurden zu Gefängnisstrafen von bis zu fünfeinhalb Jahren verurteilt.
  • Frankfurt, Juli 1994: Diebe überwältigen nachts den Sicherheitsdienst der Kunsthalle Schirn und stehlen drei Bilder von William Turner und Caspar David Friedrich. Versicherungswert: 70 Millionen D-Mark. Jahre später tauchen die Bilder wieder auf. Die Täter kommen bis zu elf Jahre in Haft, die Hintermänner bleiben unbekannt.
  • Gotha, Dezember 1979: Bei einem bis heute unaufgeklärten Kunstraub werden aus Schloss Friedenstein fünf Gemälde mit einem damaligen Wert von 4,5 Millionen D-Mark gestohlen - etwa von Jan Brueghel dem Älteren und Hans Holbein. Die Straftat ist mittlerweile verjährt.

Die Polizei geht davon aus, dass ein Fluchtfahrzeug bereitstand. Fest steht, dass es zu diesem Zeitpunkt stockdunkel am Dresdner Schloss war. Da kurz zuvor ein Elektroverteiler nahe dem Schloss brannte, ist das Straßenlicht aus. Die Polizei untersucht, ob es einen Zusammenhang gibt, die Täter womöglich gezielt vorgingen, um unbemerkt in das Schloss zu kommen. Und dann ist da noch die Frage, wie viel Insiderwissen die Täter hatten. Im Internetauftritt der SKD gibt es auch einen virtuellen Rundgang durch das Grüne Gewölbe.

Dessen Juwelenzimmer gilt als der prachtvollste Raum der Sammlung. Täfelungen, Spiegel, Türbekrönungen mit Kurhut und Königskrone, Pilaster und Marmorfußboden wurden nach historischen Quellen rekonstruiert. In vier Hightech-Vitrinen liegen verschiedene Kostbarkeiten mit Brillanten, Diamanten, Smaragden, Rubinen und Saphiren - darunter der weltgrößte blaue Stein dieser Art. Im Juwelenzimmer befinden sich auch die "Juwelen der Königin": Diamanten und Brillanten auf tiefdunkelblauer indischer Rohseide.

Prachtvoll rekonstruiert

Das Historische Grüne Gewölbe ist eines der weltberühmten Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und ein barockes Gesamtkunstwerk. In den im Zweiten Weltkrieg zerstörten und prachtvoll rekonstruierten Räumen des Residenzschlosses sind rund 3.000 Schmuckstücke und andere Meisterwerke aus Gold, Silber, Edelsteinen und Elfenbein zu sehen. Das 1723 bis 1729 eingerichtete Prunkstück der Kunstsammlung des legendären Kurfürst-Königs August der Starke (1670-1733) gilt als eine der reichsten Schatzkammern Europas.

Deshalb verwundert es, dass Diebe mit mechanischen Werkzeugen vergleichsweise ungehindert in die Räume eindringen konnten. Ackermann muss sich den Fragen stellen. "Wir sind auf dem Stand gewesen, das ist das, was man tun kann", beschreibt sie die Sicherheitsvorkehrungen. In allen Museen der Welt sei es so, dass Menschenleben vor allem anderen gehen würden. Deshalb hätten die Wachleute zuerst die Polizei informieren und nicht selbst nachsehen müssen. Wann immer auf der Welt ein Einbruch in ein Museum passiert sei, habe man intern einen Abgleich vorgenommen. Ackermann ist die Ratlosigkeit anzumerken.

Ein Polizist steht vor dem Gebäude der Schinkelwache hinter einem Absperrband Foto © (c) APA/Sebastian Kahnert (Sebastian Kahnert)

Kommentare (2)

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annamariaspreitzer
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1
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...

Die können nix anfangen mit dem Diebesgut, wozu dieser Aufwand ?

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pero53
1
10
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Securitys Bewacher mussten bei Raub

leider nur zuschauen , da sie unbewaffnet waren,bis die Polizei eintraf waren die Räuber über alle Berge,und jetzt das grosse Jammern , Schildbürgerei grösseren Ausmasses

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