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Opfer sagten ausEmotionale Anhörung im Fall Epstein

Wenige Wochen nach dem Tod des 66-Jährigen im Gefängnis sagten 16 Frauen am Dienstag persönlich vor einem Bundesgericht in Manhattan aus, sieben weitere ließen sich durch Anwälte vertreten.

© APA (AFP)
 

In einer emotionalen Anhörung haben zahlreiche mutmaßliche Missbrauchsopfer des verstorbenen US-Millionärs Jeffrey Epstein vor Gericht von ihrem Leid berichtet. Wenige Wochen nach dem Tod des 66-Jährigen im Gefängnis sagten 16 Frauen am Dienstag persönlich vor einem Bundesgericht in Manhattan aus, sieben weitere ließen sich durch Anwälte vertreten.

Unter Tränen

Viele schilderten unter Tränen, wie Epstein ihnen ihre Jugend gestohlen und ihr Leben zerstört habe. Richter Richard Berman hatte die Anhörung angesetzt, um den mutmaßlichen Opfern die Möglichkeit zu geben, über ihr Leid zu sprechen, bevor das Verfahren gegen Epstein nach dessen Tod eingestellt wird. Für viele Frauen war es das erste Mal, dass sie sich öffentlich zu dem Fall äußerten.

"Heute stehen wir zusammen", sagte die Schauspielerin Anouska De Georgiou, die nach eigenen Angaben von Epstein sexuell missbraucht wurde. "Ich werde nicht länger ein Opfer sein und nicht einen Tag länger schweigen." Viele Frauen trösteten sich gegenseitig und umarmten einander im Anschluss an ihre Aussagen. Einigen kamen die Tränen, als sie die Schilderungen anderer Frauen hörten, die ihren eigenen Erfahrungen ähnelten.

Epsteins "Sklavin"

Chauntae Davies schilderte vor Gericht, sie habe sich in einem Krankenhaus zwei Wochen lang übergeben müssen, nachdem sie von Epstein vergewaltigt worden sei. Der Investment-Millionär habe "krankhaft" junge Mädchen missbraucht.

Eine andere Frau sagte, der Missbrauch durch Epstein werde sie "für immer verfolgen". Sie sei Epsteins "Sklavin" gewesen und habe sich "machtlos und voller Scham" gefühlt. Der Finanzier habe seinerzeit gedroht, sie umzubringen, falls sie keine Jungfrau mehr sei.

Epstein soll jahrelang minderjährige Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Der Investmentbanker war bereits 2008 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt worden und wurde seitdem als Sexualverbrecher geführt. Dank einer umstrittenen Einigung mit der Staatsanwaltschaft kam er damals um einen Prozess herum, sodass seine mutmaßlichen Opfer nie vor Gericht aussagen konnten.

Keine Gerechtigkeit

"Ich bin sehr wütend und traurig, weil der Gerechtigkeit in diesem Fall nie Genüge getan wurde", sagte Courtney Wild. Epstein sei ein "Feigling", weil er sich einem Prozess durch Suizid entzogen habe. Die Zeugin Jennifer Araoz sagte, "sogar im Tod versucht Jeffrey Epstein noch, mir wehzutun". Die Tatsache, dass sie ihrem Peiniger nie vor Gericht entgegentreten könne, "zerfrisst meine Seele".

Mehrere Frauen berichteten, sie seien von Epsteins Ex-Freundin Ghislaine Maxwell rekrutiert worden, und forderten eine Fortsetzung der Ermittlungen gegen mutmaßliche Komplizen des Sexualverbrechers. "Bitte, bitte, bitte, bringen Sie zu Ende, was sie angefangen haben", drängte Sarah Ransome vor Gericht: "Er hat nicht allein gehandelt." Der Multimillionär habe vielmehr einen internationalen Frauenhandel-Ring angeführt.

Virginia Roberts Giuffre, die nach eigenen Worten jahrelang von Epstein missbraucht und auch zum Sex mit dessen wohlhabenden Freunden einschließlich des britischen Prinzen Andrew gezwungen wurde, forderte: "Die Abrechnung darf nicht aufhören, es muss weitergehen." Nach der Anhörung sagte sie vor Reportern, Prinz Andrew wisse "genau, was er getan hat, und ich hoffe, dass er reinen Tisch macht". Prinz Andrew hatte Giuffres Anschuldigungen wiederholt zurückgewiesen.

US-Bundesanwältin Maurene Comey versicherte den mutmaßlichen Opfern, die Ermittlungen in dem Fall würden fortgesetzt. Epstein war im Juli festgenommen worden. Am 10. August wurde er tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, nach Angaben des US-Justizministeriums nahm er sich das Leben. Bei einer Verurteilung hätten dem US-Multimillionär, der gute Kontakte zu zahlreichen Politikern und Prominenten hatte, bis zu 45 Jahre Haft gedroht.

 

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